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Irritation über brisante Wohnstudie: Trennung von gering und besser Verdienenden?

Irritation über brisante Wohnstudie: Trennung von gering und besser Verdienenden?

Die Wissenschaftler haben für ihre Untersuchungen über 13 deutsche Städte ein schachbrettartiges Raster gelegt, dessen Quadrate eine Größe von jeweils 500 mal 500 Meter hatten.

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In Stadtteilen wie Grünau leben laut Aussagen einer Studie eher Geringverdiener. (Archivfoto)

Quelle: André Kempner

Anschließend wurden den Quadraten die Einkommen aller dort lebenden sozialversicherungspflichtig Beschäftigten zugeordnet und ein Schwellenwert festgelegt, ab dem von Niedrigverdienern gesprochen werden kann.

Für sie waren das Bewohner, die weniger als zwei Drittel des mittleren Bruttomonatslohns beziehen, der in der jeweiligen Stadt mit einer regulären Vollzeitbeschäftigung zu erzielen ist. "In Leipzig lag dieser Schwellenwert im Jahr 2009 bei einem Bruttomonatslohn von 1460 Euro", erläuterte gestern auf Nachfrage der Wissenschaftler Philipp vom Berge. "Knapp 25 Prozent der Beschäftigten in Leipzig lagen damals unter dieser Schwelle."

Die Forscher stellten bei dieser Betrachtungsweise fest, dass sich die Niedrigverdiener im Jahr 2009 in Leipzig auf besonders wenige Stadtteile konzentrierten. Im Segregationsindex - der die Konzentration dieser Gruppe im Stadtgebiet misst - erhielt Leipzig im Ranking der 13 untersuchten Großstädte mit 19,3 Punkten den zweithöchsten Wert. Nur in Frankfurt am Main war die Trennung zwischen Arm und Reich mit 20,2 noch höher. In Berlin (18,4) und Hamburg (18,0) wurden ähnlich schlechte Werte ermittelt; besser sah es nur in Hannover (15,) München (14,2) und Stuttgart (13,0) aus. In welchen Stadtteilen die Niedriglohnempfänger wohnen, ermittelten die Forscher für Leipzig nicht.

Im Rathaus löste die Studie gestern keine Überraschung aus. "Auch unser Sozialatlas zeigt, wo sich in Leipzig die Gebiete mit den größten Problemen befinden", sagte dort Stefan Heineg, Abteilungsleiter des Stadtplanungsamtes. Dies seien in der Regel Gebiete wie der Leipziger Osten oder Grünau. Heineg weist allerdings darauf hin, dass die Daten der Nürnberger Studie aus dem Jahr 2009 stammen und deshalb nicht das aktuelle Bild widerspiegeln. "Im Jahr 2009 hatte Leipzig ein Hoch bei der Arbeitslosigkeit und die inzwischen eingetretene Belebung des Arbeitsmarktes stand noch aus." Dies sei bedeutsam, da auch die Verfasser der Studie einen Zusammenhang zwischen ihrem Segregationsindex und dem Anteil der Niedriglohnempfänger an der Gesamtbevölkerung sehen. "Je größer die Zahl der Niedriglohnempfänger ist, desto besser ist ihre Konzentration in bestimmten Stadtteilen feststellbar", meint Heineg.

Der Experte der Stadtverwaltung stellt auch einen Zusammenhang mit dem damals noch deutlich größeren Wohnungsleerstand in Leipzig her. Mobile Leipziger mit höheren Einkommen hätten damals noch relativ leicht von unattraktiven Wohnvierteln in bessere Gegenden ziehen können, sagte er. Auch dies könne das Bild verzerrt haben. Für ein unscharfes Bild sorge auch, dass die Nürnberger Wissenschaftler ihren Fokus auf Beschäftigte gelegt haben und Gruppen wie Studenten, Freiberufler, Selbstständige und Beamte außen vor blieben. Wären auch diese einbezogen worden, hätte sich möglicherweise eine stärkere Verteilung über das Stadtgebiet gezeigt - und Leipzigs Segregationsindex wäre deutlich geringer ausgefallen.

In Leipzigs Stadtratsfraktionen wurde die Studie aus Nürnberg ebenfalls aufmerksam gelesen. "Eine so hohe Segregation kann ich nicht feststellen", sagte gestern Ingrid Glöckner, wohnungspolitische Sprecherin der SPD-Fraktion. "Aber zwischen dem Süden und dem Osten von Leipzig gibt es schon erhebliche Unterschieden bei der Miethöhe." Sie plädiert dafür, stärker gegenzusteuern. "Wir müssen in allen Stadtteilen Wohnungsangebote für alle Gruppen haben", sagt sie. "Sonst bestehe die Gefahr, dass es in Gebieten mit einem hohen Anteil von Niedrigverdienern auch bald besonders schlechte Lebensbedingungen gibt. Zum Beispiel schlechte Schulen und damit schlechte Bildungschancen für Kinder aus solchen Familien." Die stadteigene Wohnungsgesellschaft sollte ihre Wohnungen sehr behutsam sanieren, um in allen Stadtteilen ein geringes Mietniveau anzubieten. "Wir wollen nicht, dass die Armen im Osten von Leipzig wohnen und die Reichen im Süden."

In der CDU-Fraktion heißt es, dass Leipzigs Stadtteile historisch unterschiedlich gewachsen sind. Stadtteile mit besonders hochwertiger Bausubstanz wie das Waldstraßenviertel hätten so hohe Mieten, dass dort keine Niedrigverdiener einziehen. "Es gibt in Leipzig aber noch sehr viele Wohnlagen, in denen jemand mit wenig Geld gut leben kann", sagt Stadträtin Sabine Heymann. "Deshalb bin ich nicht dafür, solche Studien zu nutzen, um ein Problem herbeizureden, das wir nicht haben."

Trotzdem sieht auch sie perspektivisch Nachteile für die Niedrigverdiener. Die Stadt sollte ihre Kraft aber nicht darauf konzentrieren, Niedrigverdiener in bevorzugte Standorte wie Schleußig zu pressen. "Wir sollten die Wohngegenden der Niedrigverdiener so aufwerten, dass auch Leipziger mit höheren Einkommen dort hinziehen", meint Heymann.

Aus der Leipziger Volkszeitung vom 11.07.2014

Andreas Tappert

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