Menü
Leipziger Volkszeitung | Ihre Zeitung aus Leipzig
Anmelden
Lokales Ist es Giftmüll? Lost-Place-Fans entdecken verdächtige Fässer in Leipziger Industrie-Ruine
Leipzig Lokales Ist es Giftmüll? Lost-Place-Fans entdecken verdächtige Fässer in Leipziger Industrie-Ruine
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
23:30 14.08.2014
Leipzig

Aufnahmen der Funde lassen befürchten, dass hier noch immer gefährliche chemische Substanzen lagern könnten.

"Es ist ziemlich besorgniserregend", so ein Beteiligter gegenüber der LVZ. Dokumentiert wurden relativ neu aussehende Fässer, in denen sich dem Etikett zufolge Chromsäure-Lösung befindet. Diese Verbindungen sind äußerst giftig, in geringsten Dosen tödlich und krebserregend. Auch ein verrottetes Fass, aus dem offenbar hochgiftiges und für die Umwelt stark belastendes Natriumcyanid ausgetreten ist, wurde gefunden.

In den verfallenen Hallen sollen sich aber auch weitere Substanzen wie etwa Quecksilber sowie Fässer mit fraglichem Inhalt befunden haben. "Durch das undichte Dach können sich die Chemikalien mit dem Regenwasser verbinden und vermutlich auch versickern", befürchten die Finder.

Chemikalienlager 1992 entsorgt

Dabei galt das Areal längst als frei von Altlasten. Der frühere VEB war nach 1990 umgewandelt und privatisiert worden, eine Nachfolgegesellschaft gab das traditionelle Werksgelände auf und siedelte sich 1992 in Lindenthal an. Im Dezember 1992 wurde das Chemikalienlager der einstigen Galvanotechnik, es galt als das größte bekannte Depot in Leipzig, vollständig beräumt. 730 Tonnen fester und flüssiger Substanzen, darunter 23 Tonnen hochgiftiger Blausäuresalze wurden vernichtet, umgewandelt oder ins Endlager geschafft.

Inzwischen siedelten sich hier eine Reihe neuer Firmen an. "Die Treuhand zerlegte und privatisierte den ehemaligen sehr großen Betrieb in mehrere Teile", so die Stadt gestern auf Anfrage. "Es gibt also mittlerweile eine Vielzahl von Eigentümern. Als sicher gilt auch, dass diese neuen Betriebsgelände gesichert sind und die Sicherheitsvorkehrungen eingehalten werden."

Umweltamt will Fall prüfen

Ein Teil des früheren VEB ist jedoch weiterhin dem Verfall preisgeben - und offenbar leicht zugänglich. So kam es hier mehrfach zu größeren Bränden, etwa 2005 und 2011. Die Feuer waren jeweils von Unbekannten gelegt worden.

"Türen und Fenster stehen offen, einen Zaun gibt es in diesem Abschnitt nicht", sagen Leute, die schon drin waren. Es ist zwar verboten, das Areal in Volkmarsdorf zu betreten. Doch die verwaisten Industriebauten der Galvanotechnik zählen zu den sogenannten Lost Places in der Stadt - wie viele Jahre auch die inzwischen verkauften ehemaligen Bleichert-Werte in Gohlis oder Honeckers "Gästehaus am Park" im Musikviertel. Damit sind sie beispielsweise auch ein Ziel von Geocachern, die mit GPS auf Schatzsuche gehen, oder von Enthusiasten, die in ihrer Freizeit Ruinen erkunden und fotografieren. Die Chemikalien wurden den Informanten zufolge vorwiegend in der Elektrozentrale und den einstigen Säurebädern entdeckt.

Das Amt für Umweltschutz will den Fall nun prüfen, so die Stadt. Eine kurzfristige Antwort auf die gestrige Anfrage der LVZ sei aufgrund der zeitaufwändigen Recherche nicht möglich.

Aus der Leipziger Volkszeitung vom 15.08.2014

Frank Döring

Kommentare
Die Debatte geht am Morgen weiter
Die Kommentarfunktion ist zwischen 23:00 und 06:00 Uhr nicht aktiv – denn wir wollen eine gute Moderation der Beiträge gewährleisten.
Wir freuen uns am Morgen über Ihre konstruktiven Beiträge zum Thema!

In Leipzig-Schönefeld entstehen demnächst zwei neue Parkflächen mit Sport- und Spielbereichen. Die Bauarbeiten beginnen bereits in der kommenden Woche, teilte die Stadtverwaltung am Donnerstag mit.

14.08.2014

Wegen der Paarungszeit des Eisvogels hat die Stadtverwaltung eine Verfügung verlängert, die das Befahren des ökologisch sensiblen Floßgrabens im Leipziger Auwald für Motorboote und Paddler stark einschränkt.

14.08.2014

Autos müssen draußen bleiben: 14 versenkbare Poller-Anlagen machen die Leipziger City weitgehend zur Fußgängerzone. Das Konzept autoarme Innenstadt sei damit zu einem großen Teil umgesetzt, so Michael Jana vom Baudezernat gegenüber LVZ-Online.

14.08.2014
Anzeige