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Lokales Bekommt die Leipziger Jahnallee eine "protected bikelane"?
Leipzig Lokales Bekommt die Leipziger Jahnallee eine "protected bikelane"?
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10:26 14.06.2018
Übervolle Jahnallee in Leipzig. Quelle: André Kempner
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Leipzig

In Leipzig wird der Ruf nach einer neuen Verkehrslösung für die innere Jahnallee lauter. Denn zwischen Leibnizstraße und Waldplatz reißt die Zahl von Verkehrsunfälle nicht ab, besonders häufig sind Radfahrer betroffen. Die Radfahrer-Lobby bläst inzwischen zum Sturm: Mit einer Online-Petition will sie in diesem Abschnitt Leipzigs erste „protected bikelane“ (geschütze Radspur) erzwingen, also auf Kosten des übrigen Verkehrs an jeder Straßenseite separate Radwege markieren und diese mit Blumenkübeln oder Pollern schützen.

In der inneren Jahnallee sind die Verkehrsströme deutlich gewachsen – und die Unfälle mit Radfahrern reißen nicht ab.

Dass gehandelt werden muss, steht außer Frage. Denn allen ist klar, dass die innere Jahnallee nicht mehr in der Lage ist, die Anforderungen aller Verkehrsteilnehmer zu erfüllen. Auch die Verkehrsunfallkommission hat dies schon festgestellt. Neben der Straßenbahn fahren in dem Nadelöhr auch Autos in dichter Folge durch die zweispurige Straße, die auch noch durch Kurzzeitparker eingeengt wird. Inzwischen liegen mehrere Lösungen auf dem Tisch.

Tempo 30: Dass ein sogenanntes streckenbezogenes Tempo 30 kommt – bei dem die Jahnallee Hauptverkehrsstraße bleibt – hat das Verkehrs- und Tiefbauamt der Stadt inzwischen zugesagt. Widerspruch gegen diesen Plan kommt von der Freibeuter-Fraktion des Rathauses. „In den Hauptverkehrszeiten, in denen es für Radfahrer besonders gefährlich ist, fährt dort eh kaum einer schneller als 30 Stundenkilometer“, argumentiert Stadtrat Sven Morlok (FDP). „Ein Tempo-30-Schild würde eine Verkehrssicherheit vorgaukeln, die es nicht gibt.“ Bei den Radfahrern heißt es, Tempo 30 sei „nur ein erster Schritt“ und reiche nicht aus. „Dann gibt es immer noch gefährliche Überholmanöver oder das plötzliche Öffnen von Autotüren vor herannahenden Radfahrenden“, sagt Leipzigs ADFC-Vorsitzender Christoph Waack. Gebraucht würde zusätzlich eine „protected bikelane“.

Fahrradampel und -spiegel: Im Gespräch sind auch Veränderungen an der Ampelsteuerung der inneren Jahnallee. In Münster wurde nachgewiesen, dass eine deutlich längere Grünphase den Radfahrern einen wichtigen Zeitvorteil vor den Autofahrern verschafft und dadurch Fahrradunfälle deutlich zurückgehen. An der Leibnizstraße gibt es schon eine separate Fahrradampel, die Radlern einen Zeitvorsprung von rund drei Sekunden verschafft, am Waldplatz fehlt sie. In Münster wird jetzt auch über Spiegel an den Ampeln diskutiert, um tote Winkel für Lkw-Fahrer zu verhindern. In Leipzig gibt es sie noch nicht.

Vorgezogene Halteflächen für Radler: In Städten wie London, Brüssel oder Wien bekommen Radfahrer an Kreuzungen separate Halteflächen, die sich vor den wartenden Autos befinden und sich über die gesamte Fahrspur erstrecken. Radler sind dann für Autofahrer sichtbarer, können unbedrängt vom übrigen Verkehr starten und sich auch ohne Sicherheitsdefizite im Fahrbahnraum einordnen. In Leipzig gibt es dies bereits in Johannisallee/Ecke Straße 18. Oktober.

„protected bikelane“: Diese gesicherten Radstreifen hätten in der inneren Jahnallee den Verlust der Parkstreifen zur Folge. „Durch den Wegfall der Kundenparkplätze würden die Händler und Dienstleister der Straße ein wichtiges Kundenklientel verlieren, auch die Gewährleistung ihres Anlieferverkehrs würde deutlich schwieriger“, warnt Stadtrat Jörg Kühne (AfD). Er plädiert deshalb für eine Verlagerung des Radverkehrs auf eine der Parallelstraßen. ADFC-Chef Waack glaubt, die wegfallenden Stellflächen ließen sich mit größeren Kurzparkzonen in den Seitenstraßen kompensieren. „Die Stadt schafft in den nächsten Monaten ohnehin im Waldstraßenviertel neue Anwohnerparkzonen“, argumentiert er. „Das wird den Parkdruck lindern.“

Verlagerung des Radverkehrs: Auch die Freibeuter-Fraktion plädiert dafür, den Radverkehr komplett in die parallel verlaufende Gustav-Adolf-Straße zu verlegen und diese als Fahrradstraße auszuweisen. Dann hätten dort Fahrradfahrer Vorrang, Autofahrer müssten sich nach ihnen richten. Waack hält davon nichts. „Die Radfahrer werden diese Umweg nicht annehmen“, prophezeit er. „Auch deshalb, weil dort dann rechts vor links gilt. Das heißt, die Radfahrer müssten ständig bremsen, um die Vorfahrt zu beachten.“ Die Radler hätten auch in der Jahnallee einen Anspruch auf Sicherheit, „nicht nur auf Umwegen“, so Waack.

Die Online-Petition für die Einrichtung von „protected bikelanes“ als „Sofortmaßnahme“ in der inneren Jahnallee hatte bis gestern 1408 Unterzeichner. In einigen Wochen will Initiator und Stadtbezirksbeirat Volker Holzendorf (Grüne) alle Unterschriften Oberbürgermeister Burkhard Jung (SPD) übergeben. Auch der Petitionsausschuss der Stadt wird sich damit beschäftigen.

Im Stadtrat wird das Problem ebenfalls ein Thema. Die Grünen haben beantragt, dass die Stadt die Verkehrssituation „unverzüglich“ entschärft. Die Linksfraktion hat Unterstützung signalisiert. Ihre Verkehrsexpertin Franziska Riekewald denkt laut über weniger Parkplätze in den Nachtstunden nach. Und der Umweltbund Ökolöwe will für einen „Verkehrstest“ noch in diesem Jahr gesicherte Radspuren in der inneren Jahnallee einrichten.

Von Andreas Tappert

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