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Jede fünfte Kleiderspende für Flüchtlinge landet in Leipzig im Müll

Alttextilien-Sammlung Jede fünfte Kleiderspende für Flüchtlinge landet in Leipzig im Müll

80 Prozent der Kleiderspenden für Flüchtlinge in Leipzig werden laut Flüchtlingsrat verteilt. Der Rest ist unbrauchbar und wandert auf den Müll. Im vorigen Jahr entsorgte die Stadtreinigung zehn Tonnen aus der Spendenzentrale in Leutzsch. Der kommunale Eigenbetrieb ist mittlerweile selbst ins lukrative Altkleider-Sammelgeschäft eingestiegen.

Groß ist die Hilfsbereitschaft für Flüchtlinge. Doch jede fünfte Kleiderspende in der Annahmestelle in Leutzsch ist unbrauchbar.

Quelle: André Kempner

Leipzig. Wenn die kommunale Stadtreinigung schon selbst in das Altkleider-Sammelgeschäft einsteigt, dann soll sie doch wenigstens auch einen sozialen Zweck damit erfüllen. Das dürfte die Intention einer Stadtratsanfrage der Grünen gewesen sein. Ernüchternd nun die Antwort aus dem Rathaus. Nicht allein, dass ein auf Kommerz ausgerichteter Vertrag es dem kommunalen Eigenbetrieb gar nicht ermöglicht, verwertbare Alttextilien an Kleiderkammern in Leipzig weiterzugeben. Die Sammelstelle, die eingerichtet wurde, um Flüchtlinge mit dem Nötigsten auszustatten, hätte offenbar auch gar keinen Bedarf.

Vielmehr, heißt es in dem Antwortschreiben aus dem Dezernat von Ordnungsbürgermeister Heiko Rosenthal (Linke), habe die Stadtreinigung im Auftrag der Betreiber der Annahmestelle in Leutzsch im vergangenen Jahr rund zehn Tonnen nicht benötigter oder verwertbarer Kleiderspenden entsorgt. Im Klartext: Sie landeten in der Mülltonne.

Christoph Graebel betreut für den Flüchtlingsrat die Sachspendenzentrale, die die Annahmestelle in Leutzsch unterhält. „Wir haben eine Lumpenquote von maximal 20 Prozent“, räumt er auf Anfrage der LVZ ein. „Das heißt, 80 Prozent der Kleiderspenden sind verwertbar und gehen raus.“ Die unbrauchbaren Artikel stammten häufig aus Raucherwohnungen, lagerten lange Zeit in irgendwelchen Dachkammern, waren einfach kaputt oder aus hygienischen Gründen unbrauchbar.

Auch wenn die Spendenzentrale mittlerweile gut ausgestattet ist: „Bedarf“, sagt Graebel, „haben wir immer.“ Jetzt vorm Schulstart würden besonders Schulranzen, einschließlich Federmappen, Stifte, Füller, Schreib- und Malhefte sowie Brotdosen und Trinkflaschen für die Flüchtlingskinder gebraucht. Auch Kinderwagen sind Mangelware. Und Lücken gebe es darüber hinaus bei leichter Kleidung für den Sommer in kleinen Herrengrößen sowie für Jugendliche ab Größe 146.

Lücken, die die Stadtreinigung jedenfalls nicht schließen kann. Am 1. Juli vorigen Jahres stieg der kommunale Eigenbetrieb zwar in das Geschäft mit den Alttextilien ein. Dem war ein Ratsbeschluss zur „Neuorganisation der Alttextil- und Altschuhsammlung“ in Leipzig vorausgegangen. Danach ist es nur noch der kommunalen Stadtreinigung sowie Wohlfahrtsverbänden erlaubt, Sammelcontainer für Altkleider und -schuhe in Leipzig aufzustellen. Die Stadtreinigung darf 250 Container über die gesamte Stadt verteilen und dazu noch ihre Wertstoffhöfe nutzen. Die Heilsarmee hat neun Containerstandorte in Ost, die Volkssolidarität 38 Container in Nord, die Johanniter haben 38 Behälter in Nordost/Nord/Nordwest und West, die Malteser 34 Sammelcontainer in Nord und Nordwest sowie das Deutsche Rote Kreuz 38 in Süd. Private Sammelfirmen bekommen seit vorigem Jahr in Leipzig keine Genehmigung mehr zum Aufstellen von Altkleidercontainern.

Für die Stadtreinigung ist das ein lukratives Nebengeschäft. Sie hat in den ersten fünf Monaten damit bereits 195 000 Euro eingenommen, 50 000 Euro mehr als geplant. Dass der Eigenbetrieb die Kleiderspenden vorsortiert und den Leipziger Kleiderkammern die verwertbaren Textilien überlässt, ist laut Ordnungsdezernat nicht möglich. Mit dem Abnehmer der Alttextilien sei die Übergabe einer so genannten Mischfraktion vertraglich vereinbar. Eine Vorsortierung wäre demnach Vertragsbruch.

www.sachspendenzentrale.de

Von Klaus Staeubert

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