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Lokales Jugendamt: Integration von auffälligem Asylbewerber ist schwierig
Leipzig Lokales Jugendamt: Integration von auffälligem Asylbewerber ist schwierig
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06:56 26.10.2018
Die Tatvorwürfe sind Raub und Körperverletzung. Quelle: Dirk Knofe
Leipzig

Als die Taliban seinen Vater töteten, war er gerade sieben. Lesen und schreiben lernte er nie. Und obwohl Jamil S. (20) seit fast drei Jahren in Deutschland lebt, sitzt er nicht in der Schule, sondern in Untersuchungshaft. Die Jugendgerichtshilfe bescheinigt dem Afghanen „schädliche Neigungen und eine ungünstige Sozial- und Kriminalprognose“. Und das, obwohl ihm in Deutschland durchaus Chancen zur Integration geboten wurden.

Am 15. Dezember 2015 kam er hier an, am 22. April 2016 stellte er einen Asylantrag. Doch schon wenige Tage nach seiner Ankunft begann er nach eigenen Angaben, Drogen zu konsumieren. Mit Folgen: So randalierte er im Mai 2016 im Asylheim Friederikenstraße, schlug eine Scheibe ein und zerstörte das Glas der Eingangstür mit einem Kopfstoß. Im Februar 2017 trat er in einer anderen Asylunterkunft auf vier Feuerschutztüren ein, richtete 3000 Euro Schaden an. Er wurde im Juni 2017 wegen Sachbeschädigung verurteilt, sollte 50 Stunden gemeinnützige Arbeit leisten. Das dabei verdiente Geld war zur Wiedergutmachung vorgesehen. Doch Jamil S. arbeitete nicht. Auch eine Sprachschule brach der Analphabet nach einem Monat ab – angeblich, weil er sich von den 320 Euro, die er monatlich bekam, keine Fahrkarte leisten konnte. Stattdessen zog er durch Leipziger Clubs. Im Juli 2017 wurde sein Asylantrag abgelehnt, er galt als vollziehbar ausreisepflichtig, die Abschiebung drohte. Am 4. September 2017 reiste er über die Niederlande erneut nach Deutschland ein, stellte zum zweiten Mal einen Asylantrag. Dieser wurde Anfang November 2017 abgelehnt, jedoch wurde seine Abschiebung dieses Mal ausgesetzt und er erhielt eine Duldung. Ein halbes Jahr später, am 1. Mai 2018, kam er in Untersuchungshaft. An jenem Tag soll er kurz nach 5 Uhr morgens mit dem Iraner Ahmad A. (18) und einem dritten Täter den Besucher (33) eines Wohnungsbordells in Sellerhausen-Stünz überfallen und ausgeraubt haben. Das Opfer kämpfte um sein Leben, leidet seither an Depressionen. Jamil S. und sein Komplize wurden von der Staatsanwaltschaft wegen besonders schweren Raubes und gefährlicher Körperverletzung angeklagt. Der Prozess läuft seit 9. Oktober am Amtsgericht (die LVZ berichtete). Laut Jugendgerichtshilfe sind gegen Jamil S. weitere Strafverfahren anhängig und neue Anklagen erhoben, unter anderem wegen gefährlicher Körperverletzung. 

 „Ich möchte mir hier ein Leben aufbauen, eine Chance bekommen“, sagte er am Donnerstag vor Gericht. Bei Richterin Christine Ludewig stieß er damit auf Unverständnis: „Wenn man nach Deutschland kommt, und die Chance hat, das erste Mal in seinem Leben in eine Schule zu gehen und bricht diese ab – das kann ich nicht nachvollziehen“, sagte sie zu dem Angeklagten. „Stattdessen fallen sie durch kriminelle Taten auf.“ Ein Urteil steht noch aus. 

Von Frank Döring

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