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Lokales Julia (11): Nach der Leukämie zurück ins Leben
Leipzig Lokales Julia (11): Nach der Leukämie zurück ins Leben
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22:40 06.11.2018
Das große Foto zeigt Julia Kießig beim Klettern in Osttirol in Österreich im Sommer dieses Jahres – und das kleine Bild zeigt das Mädchen nach seinem Schlaganfall im Juli 2016. Quelle: Fotos: privat
Leipzig

Der 11. November 2018 – er soll für die Kießigs ein ganz besonderer Tag werden. Weil am Sonntag etwas geplant ist, was exakt drei Jahre zuvor absolut undenkbar schien. Am 11. November 2015 fand die bis dahin heile Welt der Familie aus der Siedlung Grünau fürs Erste ein jähes Ende. Die Diagnose, die die damals achtjährige Tochter Julia betraf, sprach von Blutkrebs, von einer Akuten lymphatischen Leukämie (ALL). Wochenlang hatte das Mädchen über Schmerzen im Bauch, über Fieber und Antriebslosigkeit geklagt. Beim Kinderarzt wurden Julia, Mutter Claudia und Vater Thomas dann mit den niederschmetternden Laborwerten konfrontiert. „Die Resultate des Bluttests trafen uns wie ein Keulenschlag. Wir wussten erst mal nicht, wohin mit uns“, berichtet die 40-jährige Claudia Kießig. Der 11. November 2015 – er hatte ein schöner, unbeschwerter, schulfreier Tag werden sollen. Doch er endete im Leipziger Universitätsklinikum.

Schlimme Monate auf der Kinderonkologie

Auf Julia warteten schlimme Monate. Die Chemotherapie und lange Aufenthalte auf der kinderonkologischen Station wurden für sie, aber auch für ihre Anverwandten zur äußerst schweren Belastungsprobe. Neben Ärzten, Schwestern und Pflegern waren es vor allem die Psychologen und Therapeuten des Vereins Elternhilfe für krebskranke Kinder Leipzig, die sich um die Kießigs kümmerten. Sie standen der Familie auch bei, als Julia im Sommer 2016, drei Tage nach Beendigung der Intensivtherapie, einen Schlaganfall erlitt. Der nächste Schock – mitten in eine Phase der Hoffnung und Zuversicht hinein. Die junge Patientin war hiernach teilweise gelähmt, konnte einen Arm nicht bewegen und auch nicht sprechen. „Wir wissen nicht, wie wir diese Zeit ohne den Beistand der Elternhilfe überstanden hätten. Durch ihre Unterstützung haben wir nie den Mut verloren“, sagt Claudia Kießig. Auch während der ambulanten Nachsorge, wenn die Familie wieder zurück in den Alltag finden muss, sei das Therapeuten-Team ein Segen und starker Rückhalt gewesen.

Immer noch im Austausch mit den Schicksalsgenossen

Heute geht es Julia so gut, dass die inzwischen Elfjährige, die einmal pro Woche das Rehasport-Angebot der Elternhilfe nutzt, am 11. November dieses Jahres am Benefizlauf für die Sporttherapie des 1990 gegründeten Vereins teilnehmen will. „Die 2000 Meter schaffe ich“, sagt die Oberschülerin am Bischöflichen Maria-Montessori-Schulzentrum in Grünau. „Wir haben mit Markus ja auch trainiert.“ Gemeint ist Markus Wulftange, einst Fußballprofi beim abgewickelten VfB Leipzig und seit dem Jahr 2000 Sporttherapeut bei der Elternhilfe. Er und seine Kolleginnen und Kollegen haben es Julia angetan. Sie haben es geschafft, dass sich das Mädchen im Rückblick auf die lange Krankenhauszeit vor allem an die schönen Dinge erinnert: „Ich habe unheimlich gern Sport- und Musiktherapie gemacht, fand das Spielzimmer toll und habe vier, fünf neue Freunde gefunden“, erzählt Julia. Mit ihren Schicksalsgenossen steht sie nach wie vor im ständigen WhatsApp-Austausch. Einige von ihnen trifft sie vielleicht am Sonntag.

Die ganze Familie macht mit

Am Benefizlauf teilnehmen wollen auch Julias Mama, Papa Thomas (42) und Bruder Maxim (9). Während die Kids auf die Zwei-Kilometer-Strecke gehen, haben sich die Eltern Kießig für die 10-Kilometer-Distanz angemeldet. „Ich kann es immer noch nicht glauben, dass der diesjährige 11. November ein ganz anderer sein wird als es der 11. November 2015 war. Es ist wie ein Wunder, dass Julia mit uns zusammen Sport treiben wird. Sie hat nach der Therapie zu alter neuer Stärke gefunden. Die Betreuung durch das Elternhilfe-Team hat dafür den Grundstock gelegt“, sagt Claudia Kießig.

Letzte Chemo vor genau einem Jahr

Sporttherapeut Wulftange hört das natürlich gern: „Unsere jungen Patienten profitieren von unserem umfangreichen Bewegungsangebot, sowohl während der stationären Zeit als auch in der Phase der Nachsorge“, erläutert der 51-Jährige. Diese Arbeit sei allerdings zu einem Teil spendenfinanziert. Daher würden alle Startgebühren, die beim Benefizlauf zusammenkommen, in die Sporttherapie mit krebskranken Kindern fließen. „Wir freuen uns über alte Bekannte und über viele neue Freunde“, wirbt er fürs Mitmachen am 11. November ab 10 Uhr. Start und Ziel ist das Testfeld der Sportwissenschaftlichen Fakultät der Universität Leipzig in der Jahn- allee 59. Julia Kießig freut sich auf diesen Sonntag. Auf den Tag genau ein Jahr zuvor erhielt sie ihre letzte Chemo. Und drei Jahre zuvor durchschritten sie und ihre Familie das Tal der Tränen ...

Am Sonntag geht es los

Benefizlauf für die Sporttherapie krebskranker Kinder durch den Leipziger Palmengarten, 11. November ab 10 Uhr; Start und Ziel: Testfeld der Sportwissenschaftlichen Fakultät, Jahnallee 59; Strecken: 2, 6 und 10 Kilometer sowie 400 Meter Bambini-Lauf; Startgebühren: zwischen 4 und 10 Euro – Kinder bis 16 Jahre kostenfrei; Anmeldung bis 9. November, 12 Uhr, im Internet unter www.laufen-geht-immer.de

Von Dominic Welters

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