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Jung-Unternehmer hilft Mitarbeiterin beim Kampf um den Kita-Platz in Leipzig

Jung-Unternehmer hilft Mitarbeiterin beim Kampf um den Kita-Platz in Leipzig

Auslaufende Betreuungsverträge stellen in diesen Tagen zahlreiche Eltern vor Probleme. "Wir haben gerade massenweise Anfragen", erklärt Christin Melcher von der Leipziger Kita-Initiative.

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Ina Otto mit Tochter Lena (2) und ihrem Chef Christian Simmert in der Agentur Twinmedia am Floßplatz 13 in Leipzig. Ina Otto bekommt keinen Kitaplatz.

Quelle: André Kempner

Leiptig. Nach den letzten Platzwechseln im Sommer ist alles dicht. Vor allem der Kindergartenbereich - für Kinder ab drei Jahren - sei in der Vergangenheit vernachlässigt worden. Das bereitet längst auch vielen Unternehmern Sorgen.

Christian Simmert hat vor vier Monaten seine Agentur Twinmedia am Floßplatz eröffnet. Die Geschäfte sind gut angelaufen, die Stadt erscheint ihm frisch und dynamisch, hier geht was, findet der 41-Jährige. Einen guten Stamm an motivierten Mitarbeitern hat er ebenfalls gefunden. Vier Leute sind schon fest angestellt - es sollen noch mehr werden. Doch nun hat der Unternehmer mit Problemen zu kämpfen, mit denen er so nicht gerechnet hatte.

Ina Otto (32) arbeitet seit September als PR-Redakteurin bei Twinmedia. Mit ihrem Mann Nico Brachmann (37) und Töchterchen Lene (2) wohnt sie in Reudnitz. Mutter und Vater sind voll berufstätig. Die Alltagsorganisation ist immer wieder ein Kraftakt, aber es läuft - auch, weil es bislang eine Betreuung gibt. Doch bis gestern stand die Familie vor einer scheinbar unlösbaren Herausforderung.

Dass die Tagesmutter den Betreuungsvertrag nicht über den 31. Januar hinaus verlängern wird, kam unerwartet. Erst seit November steht fest, dass es nicht weitergeht. Trotzdem hatte Ina Otto schon im vergangenen Februar begonnen, einen Platz in einer öffentlichen Einrichtung zu suchen. An mehr als 20 Kitas hat sie sich direkt gewandt - telefonisch oder mit einem schriftlichen Antrag. Ohne Erfolg. Das städtische Kita-Portal half auch nicht weiter. "Da kann man eingeben, was man will - es werden keine Plätze ausgespuckt", berichtet Ina Otto.

In ihrer Verzweiflung ging die Mutter Anfang November zum Jugendamt, schilderte ihren Fall, wies auf die drohende Notlage hin. Die Familie kam auf eine Dringlichkeitsliste, eine Akte wurde angelegt. Im Dezember wies sie im Amt nochmals auf das ungelöste Problem hin - und informierte ihren Chef. "Mir ist ein bisschen der Kragen geplatzt", erzählt Christian Simmert, der spontan zum Telefon griff und den Oberbürgermeister sprechen wollte. "Ich bin dann in der Hierarchie schnell nach unten verbunden worden." Eine Mitarbeiterin versprach ihm aber, sich um den Fall zu kümmern und zurückzurufen - doch niemand meldete sich.

Im Januar legte der Unternehmer nach, rief im Jugendamt an. Er stieß auf Verständnis, man werde sich der Sache annehmen und sich einsetzen. Doch als Ina Otto kurz darauf wieder im Jugendamt vorstellig wurde, war die erste Frage: Wann wollen Sie denn wieder arbeiten? Während ihrer Suche stieß sie nicht überall auf Verständnis und Freundlichkeit. "Ich kam mir oft vor wie eine Bittstellerin, musste immer wieder von vorne anfangen." Einzig der Internationale Bund (IB) als Träger ist ihr als Gesprächspartner in wirklich angenehmer Erinnerung geblieben.

Ihre Suche hat sie protokolliert. Die Liste ist ein dramatisches Zeugnis dafür, was in Leipzig schief läuft, der Beleg eines ermüdenden Kampfes gegen Platzmangel und Bürokratie. "Ich wache morgens auf und denke an den Kita-Platz, ich gehe abends ins Bett und denke daran", erzählt Ina Otto, "das macht einen auch kaputt." Ein privater Kindergarten würde Lene aufnehmen - der Platz kostet einschließlich Essengeld aber mehr als 600 Euro im Monat. Eine Rückerstattung der Mehrkosten kann Ina Otto beantragen, sie würde aber wohl für zwei, drei Monate in Vorleistung gehen müssen.

Für Geschäftsführer Simmert ist der ganze Vorgang ein Unding. "Ich sehe nicht ein, dass man in Deutschland so mit Kindern und Familien umgeht. Man wird als Mutter und als Unternehmer von der Stadt allein gelassen. Wir haben Wachstumspotenzial, schaffen neue Arbeitsplätze ohne Fördermittel, zahlen Steuern. Wir möchten nur, dass die Stadt für ihre Kinder sorgt, damit die Eltern arbeiten gehen können. Hier wird die Wirtschaftskraft kleiner Unternehmen gefährdet." Oberbürgermeister Burkhard Jung kümmere sich öffentlichkeitswirksam um Leipzigs Vierlinge. Das sei gut so, aber: "Die Herren im Rathaus müssen begreifen, dass Familienpolitik Wirtschaftspolitik ist - und zwar als harter Standortfaktor, nicht als weicher. Da muss sich der Oberbürgermeister stärker einbringen, das erwarte ich von ihm."

Ina Otto hält enge und gute Kontakte zu wichtigen Kunden, ohne sie würde es Probleme geben, erzählt Simmert, der eines klarstellt: "Ich werde sie nicht ziehen lassen, ich kann mir nicht erlauben, auf sie zu verzichten, da gibt es überhaupt keine Diskussionen." Er erwarte schnelle und unbürokratische Hilfe von der Stadt. Die kam gestern Nachmittag in der Tat: "Wir können helfen", erklärte Thomas Schmidt, Leiter des Jugendamtes, gestern gegenüber der Leipziger Volkszeitung. "Wir haben für die Familie einen Platz in der Kindertagesstätte Stötteritzer Straße bereitgestellt."

Dass sich die junge Mutter offenbar schlecht und nicht individuell beraten gefühlt habe, bedauerte Schmidt. Die Familie habe aufgrund ihrer besonderen Situation aber ohnehin ganz oben in der Dringlichkeitsliste gestanden. "Wir sind da auch in einem Lernprozess. Er habe vollstes Verständnis dafür, dass Eltern sehr besorgt seien, wenn es kurz vor dem Ende eines Betreuungsvertrages noch keine Perspektive gebe.Schmidt lobte das Engagement des Geschäftsführers, der sich sehr für seine Mitarbeiterin eingesetzt habe. Unternehmen könnten sich bei Problemen durch fehlende Kita-Plätze grundsätzlich über den Amtsleiterbereich an das Jugendamt wenden.

Aus der Leipziger Volkszeitung vom 11.01.2014

Björn Meine

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