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Jung will "demokratischen Diskurs" zum Leipziger Einheitsdenkmal - Termin 2014 wackelt

Jung will "demokratischen Diskurs" zum Leipziger Einheitsdenkmal - Termin 2014 wackelt

Leipzig. Die Leipziger streiten weiter erbittert über das geplante Freiheits- und Einheitsdenkmal. Die drei Siegentwürfe eines Wettbewerbs - bunte, tragbare Würfel, eine Demokratie-Werkstatt und ein Herbstgarten mit Apfelbäumen - kamen nicht überall gut an.

Jetzt wackelt der Termin für die Fertigstellung 2014. Da sie überarbeitet werden sollen, werde der Zeitplan sehr eng, sagt Leipzigs Oberbürgermeister Burkhard Jung (SPD). Er wolle jedoch unbedingt einen "demokratischen Diskurs" führen. Im Interview erklärt Jung, wie es mit den Plänen für das 6,5-Millionen-Euro-Denkmal weitergeht.

Frage:

Seit mehr als fünf Jahren wird in Leipzig über das geplante Freiheits- und Einheitsdenkmal gestritten. Können Sie die Diskussion überhaupt noch hören?

Jung:

Vielleicht glauben Sie mir das nicht, aber ja: Ich habe die Diskussion so erwartet. Und ich finde sie äußerst spannend und wichtig. Im Unterschied zu Berlin ist in Leipzig dieses Denkmalvorhaben stark verwurzelt im Leben vieler, und die Erfahrung von 1989 ist so gegenwärtig in der Biografie vieler Menschen, dass eine äußerst lebendige und auch polarisierende Debatte entsteht, die der Demokratie gut tut. Wir brauchen eine größere Akzeptanz und Verankerung in der Bevölkerung. Also: Ich kann die Debatte immer noch gut hören.

Bund und Land geben 6,5 Millionen Euro für das Denkmal. Wie erklären Sie sich, dass so viele Leipziger dieses Denkmal-Geschenk einfach nicht annehmen wollen?

Jung: Mir schlägt immer ein ganz entscheidendes Argument entgegen: „Es sind unsere Steuermittel, egal wo sie herkommen.“ Und das ist ja auch so. Das Zweite ist: Weil wir in Leipzig eine so große Zahl von Menschen haben, die unmittelbar im Herbst ’89 beteiligt oder berührt waren, hat man eine höhere Berechtigung, sich zu dieser Frage zu äußern. Ich glaube, dass wir noch nicht genügend vermitteln konnten, dass dieses Denkmal den Auftrag hat, über Leipzig hinaus für all jene zu stehen, die 1989 auch in anderen Orten auf die Straße gegangen sind und insbesondere kommende Generationen ansprechen soll. Vielleicht ist die Binnensicht noch manchmal zu groß.

„Siegerentwurf für viele ein Symbol der Spaßgesellschaft“

Ein Argument hört man auch immer wieder: Mit der Nikolaikirche und der Gedenksäule davor gebe es schon den historischen Erinnerungsort. Was ist denn daran so falsch?

Jung: Es gibt einen ganz großen Unterschied zwischen diesen beiden Denkmälern: Die Säule auf dem Nikolaikirchhof hat sich die Leipziger Bürgerschaft selbst gegeben. Sie verweist auf den Ursprung der Friedensgebete in der Nikolaikirche, während das Freiheits- und Einheitsdenkmal nicht nur den 9. Oktober, sondern die internationale und nationale Bedeutung der friedlichen Revolution, die in Leipzig ihren Durchbruch erlebt hat, ins Auge fast. Es ist ein großer Unterschied, ob man aus eigener Betroffenheit und Freude heraus ein Denkmal errichtet, oder ob ein Denkmal stellvertretend auf einer nationalen Ebene mutige Freiheit suchende Menschen würdigt, international ausstrahlt und Mut zu demokratischer Veränderung macht.

Wenn die Bedeutung so groß ist - werden die drei Siegentwürfe des Gestaltungswettbewerbs dieser Bedeutung gerecht?

Jung: Noch nicht. Das zeigt die Beteiligung der Bürger. Der Siegerentwurf kommt vielen zu sehr als Symbol der Spaßgesellschaft daher und wird nach Meinung vieler dem Ernst und auch der Angst in der Situation nicht gerecht. Ein Teilnehmer des 9. Oktober 1989 sagte zu mir: „Ich fühle mich verhohnepiepelt.“ Der zweitplatzierte Entwurf hat große Schwierigkeiten in der zukünftigen Betreibung und Gestaltung. Und der dritte Entwurf, der zurzeit die höchste Akzeptanz in der Bevölkerung findet, braucht im Hinblick auf die städtebaulichen Bezüge eine Weiterentwicklung.

"Bebauung des Leuschner-Platzes muss sich Denkmal unterordnen"

Es gibt ja auch Kritik an der Wahl des Leuschner-Platzes als Standort für das Denkmal, weil er so wenig mit den Montagsdemonstrationen zu tun hatte.

Jung: Das haben wir ja sehr ausführlich diskutiert - und nach wie vor ist diese Kritik im Raum, weil es aus der Perspektive der persönlichen Betroffenheit und der persönlichen Bezüge zunächst von den historischen Orten zu entfernt erscheint. Ich stehe aber ungebrochen dazu, auch vor dem Hintergrund der Jugend- und Expertenwerkstätten, zu denen wir im Vorfeld eingeladen hatten: Es ist ein sehr guter Standort. Gerade in der vorhandenen Sichtachse mit dem Völkerschlachtdenkmal, dem anderen welthistorischen Denkmal Leipzigs, weist er weit über Leipzig hinaus. Und der Standort bietet die Chance - welche Stadt hat das schon - innerstädtisch eine Brache vollkommen neu und frisch zu denken und zu gestalten.

Genau das wird aber auch kritisiert: Diesen Platz zu nehmen und das Denkmal anzupassen, das sei ein Fehler. Das sehen Sie aber nicht so?

Jung: Nein, umgekehrt wird ein Schuh draus. Wir haben dem Denkmal Vorrang gegeben. Das Denkmal hat auf dem Platz Priorität, die anschließende Bebauung muss sich dem Denkmal zuordnen.

„Es wird eine neue öffentliche Vorstellung der Entwürfe geben“

Zurück zu den drei Entwürfen: Haben Sie denn einen Favoriten?

Jung: Ich sollte mich da zurzeit zurückhalten. Als Jurymitglied stehe ich aber zu der Entscheidung der drei Preise. In der Tat ist die Grundidee des ersten Entwurfs äußerst spannend. Die Idee des Teilens, der Partizipation, des Hinaustragens der Freiheitsidee - die ist bestechend. Aber in der Ausformung ist der Entwurf noch zu intellektuell. Weiter gefällt mir insbesondere die Botschaft des dritten Entwurfs über das Alleinstellungsmerkmal „keine Gewalt“.

Wie geht es denn jetzt konkret weiter?

Jung: Wir werden das Ergebnis des nach dem Wettbewerb stattgefundenen Bürgerdialogs aufbereiten und allen drei Siegerbüros für das weitere Verfahren zuleiten. Ich gehe davon aus, dass es eine Weiterentwicklung der Entwürfe geben wird. Dann soll es erneut eine öffentliche Vorstellung der Entwürfe geben. Im Ergebnis dieses Prozesses werde ich hoffentlich dem Stadtrat einen Beschlussvorschlag zuleiten können, der mich beauftragt, die Verhandlungen mit Preisträgern  aufzunehmen. Ziel ist es, einen Entwurf für die weitere Planung und Realisierung zu ermitteln. Wenn alles gut geht, wird das im zweiten Quartal 2013 soweit sein. Damit wird der Zeitplan zur Fertigstellung 2014 sehr eng. Aber es ist wichtiger, einen demokratischen Diskurs zu führen und möglichst viele mit auf den Weg zu nehmen, als krampfhaft an einem Termin festzuhalten.

Birgit Zimmermann, dpa

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