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Jung will weg vom Billig-Image Leipzigs - Wirtschaftsförderer werben mit Niedriglöhnen

Jung will weg vom Billig-Image Leipzigs - Wirtschaftsförderer werben mit Niedriglöhnen

Sie ist gerade erst an den Start gegangen und doch schon ins Fettnäpfchen getapst: Während Leipzig sein Billiglohn-Image loswerden will, wirbt die neue Wirtschaftsförderungsgesellschaft ausgerechnet mit den niedrigen Arbeitskosten in der Region.

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Leipzigs Oberbürgermeister Burkhard Jung. (Archivfoto)

Quelle: dpa

Leipzig. Geschäftsführer Lutz Thielemann kündigte jetzt aber an, seine Strategie zur Investorengewinnung zu korrigieren.

In ihrem Flyer "Bessere Investitionschancen gibt es nirgendwo in Europa" stellt die Wirtschaftsförderung Region Leipzig GmbH, deren Gesellschafter neben der Stadt die Landkreise Leipzig und Nordsachsen sind, gegenüber potenziellen Investoren die "vorteilhaften Arbeitskosten" in den Fokus. Die Bruttolöhne lägen 20 Prozent unter dem Bundesdurchschnitt. "Auch die Arbeitskostenentwicklung ist hier - insbesondere im Vergleich zum osteuropäischen Umfeld - sehr moderat."

Erst vor wenigen Tagen hatte Oberbürgermeister Burkhard Jung (SPD) vor Unternehmern jedoch klar gemacht, dass er das Niedriglohn-Image leid sei. "Ich bin nicht mehr bereit", sagte der OBM, "dass wir den billigen Jakob geben."

Thielemann sieht sich missverstanden: "Wir werben nicht mit Billiglöhnen. Davon distanzieren wir uns ausdrücklich." Er verwies auf das Institut der Deutschen Wirtschaft, wonach die Arbeitskosten im produzierenden Gewerbe in Norwegen bei über 50 Euro pro Stunde liegen, in der Schweiz bei 45 Euro. Thielemann: "Damit kann der sächsische Durchschnitt bei den Arbeitnehmerentgelten mit zirka 20 Euro pro Stunde tatsächlich als vorteilhaft oder attraktiv im direkten Vergleich mit Standorten gelten." Trotzdem zog er jetzt die Reißleine. Um den Eindruck zu vermeiden, die Wirtschaftsförderung vermarkte Leipzig als Billiglohnland, "verzichten wir fortan auf die Nennung von Arbeitskostendaten in unseren öffentlichen Publikationen", kündigte er gegenüber der LVZ an. Sein Anliegen sei es, Leipzig bei Investoren als Alternative zu anderen Regionen in Deutschland oder Europa zu platzieren und gleichermaßen die Region als Arbeits- und Wohnort für weitere Fachkräfte zu positionieren.

Wie berichtet, will die Wirtschaftsförderung in Polen Fachkräfte anwerben. Bedarf sieht Thielemann bei Ingenieuren, Programmierern und Ärzten. Aktuell will die Arbeitsagentur jedoch nicht von einem Fachkräftemangel in der Region sprechen. 28 000 Menschen seien derzeit in der Stadt arbeitslos. Mit einer Quote von 10,2 Prozent ist Leipzig Schlusslicht unter den zehn sächsischen Agenturbezirken. "Deshalb setzen wir neben gezielter Zuwanderung vor allem auf Ausbildung und Qualifizierung", so Leipzigs Agenturchefin Elke Griese. Derzeit würden Fachkräfte vor allem in der Gesundheits-, Kranken- und Altenpflege, sowie im Heizung-Klima-Sanitär-Bereich gesucht, außerdem Elektroniker, Anlagenmechaniker, Kältebauer, Montage-Schweißer, Fleischer, Bäcker und Fernfahrer - und die vermutet die Agentur eher nicht im Ausland.

Aus der Leipziger Volkszeitung vom 7. Dezember 2013.

Klaus Staeubert

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