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Junge Denkfabrik in alter Schule - Leipziger Verein entwickelt Ideen für sozialen Wohlstand

Junge Denkfabrik in alter Schule - Leipziger Verein entwickelt Ideen für sozialen Wohlstand

Höher, schneller, weiter? Welches Wachstum wollen wir? Sollte es bei einem Wettbewerb nur ums Gewinnen gehen? Wie sehen alternative Wirtschaftsformen aus? Gibt es sie vielleicht schon? Mit diesen und vielen weiteren Fragen beschäftigt sich das Konzeptwerk Neue Ökonomie.

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Engagiert für den Wandel: Steffen Lange, Jona Blobel, Johannes Schneeweiß, Nina Treu und Susanne Brehm (von links).

Quelle: Andreas Doering

Der Verein sucht nicht nur neue Wege zu Wachstum und sozialem Wohlstand. Seine Mitglieder machen auch Vorschläge und laden zum gemeinsamen Fragen, Verstehen und Ideenentwickeln ein.

In der Alten Handelsschule spielt die Zukunftsmusik. Was man dafür braucht? Leidenschaft, Mut, Spaß am Denken, Ernsthaftigkeit und Engagierte wie es die Mitstreiter vom Konzeptwerk sind: junge Leute zwischen Ende 20 und Mitte 30. Sie haben Politikwissenschaft, Geoökologie, Philosophie, Kulturwissenschaft, Volkswirtschaft, Recht oder auch Friedensforschung studiert. Geballtes Wissen, das sie anwenden möchten, um den Wirtschaftswandel gemeinsam voranzutreiben. Anreger möchten sie sein und so gründeten sie im vergangenen Jahr den unabhängigen und gemeinnützigen Verein Konzeptwerk Neue Ökonomie.

Wo? In Leipzig! Studiert hatten die jungen Enthusiasten an vielen anderen Orten der Welt: in Heidelberg, Münster, Hamburg, Izmir, Paris, Santiago de Chile, Vancouver und Granada. Und doch sollte es gerade Leipzig sein. "Eine gute, eine kreative Stadt. Viel hatten wir von ihr schon gehört", sagt Nina Treu (29). Positives, das Susanne Brehm, ebenfalls 29, nur bestätigen kann: Sie kennt die Stadt aus eigenem Erleben, hat an der Leipziger Uni auf Lehramt studiert und wollte bleiben. Also auf in den Westen der Stadt, direkt an die Schnittstelle zwischen Plagwitz und Kleinzschocher: Dort wurde die Alte Handelsschule zum symbolischen Ort für neue Ökonomie und ein ehemaliges Klassenzimmer im Erdgeschoss zum "Think Tank" - zu einer Art Denkfabrik.

"Hier entwickeln und verbreiten wir Konzepte für eine soziale und ökologische Wirtschaft." Die Schwerpunkte liegen in den Bereichen Arbeit, Reichtum, Finanzmärkte, Schuldenkrise, Umverteilung, Ökologie, Demokratie, Wohlstand, Glück und Konsum. "Wirtschaft sollte ein gutes, gleichberechtigtes Leben für alle Menschen ermöglichen und gleichzeitig die Umwelt intakt halten", fordert Nina Treu. Deshalb müsse die Wirtschaft demokratischer werden. "Doch oft werden demokratische Strukturen als unpraktisch abgetan und wirtschaftlicher Wettbewerb als alternativlos dargestellt: Ohne ihn gebe es keine Innovation, keine persönliche Anstrengung. Nur wenn wir gegeneinander arbeiten, seien wir so fleißig, dass es für alle genug für ein gutes Leben gibt. Aber ein wirtschaftliches Primat, das sich allein am Profit orientiert, zerstört das menschliche Miteinander. Sozialstandards und Umweltvorgaben werden aufgegeben, um in diesem Wettbewerb zu bestehen", analysiert die studierte Politikwissenschaftlerin, Ökonomin und Referentin für Wirtschaftspolitik. "Wir schlagen deshalb mehr kooperative Unternehmen vor. Sie haben sich als krisensicherer erwiesen. Und wir glauben, dass die Menschen selbst gestalten möchten, dass sie zu einer Zusammenarbeit auf Augenhöhe, zu einer ,echten' Demokratie fähig sind. Doch sie ist ein anspruchsvolles Projekt. Demokratie braucht Übung, Erfahrung, Zeit und gute Ideen." Und: allein mit abstraktem Denken seien Theorien um den Wirtschaftswandel nicht zu vermitteln. Deshalb lädt das Konzeptwerk zu Workshops, Projektwochen oder Tagungen. Letztere werden mit den Universitäten Oldenburg, Leipzig, Hamburg und Göttingen organisiert.

Schwierige Themen schrecken die Konzeptwerker jedenfalls nicht. Und so ist es keine Überraschung, dass sie auch einzelne Schritte für eine nachhaltige "Wirtschaftswende" vorschlagen, um die Finanz- und Eurokrise gemeinsam anzugehen. Neue ökonomische Konzepte werden auch Schülern und jungen Erwachsenen vermittelt. "Wir besuchen Schulen und andere Bildungseinrichtungen in Leipzig und dem Landkreis", berichtet Susanne. "Themen, die auf den ersten Blick trocken erscheinen mögen, bringen wir locker und spannend rüber: Warum wirtschaften wir? Was wollen wir erreichen? Was anders machen? Welche Nebenwirkungen hat das soziale Ungleichgewicht? Ist Wohlstand allein mit Geld verbunden?" Interesse für wirtschaftliche Themen soll auch das Sommercamp wecken, welches vom 27. Juli bis 3. August in Leipzig stattfindet. "Das Angebot richtet sich an Teilnehmer im Alter von 16 bis 24 Jahren", kündigen Nina, Susanne und ihre Mitstreiter an. "Es sind noch Plätze frei. Gemeinsam wollen wir uns auf die Suche machen. Auf die Suche nach einer Wirtschaft, in der wir wieder eine Rolle spielen. Dabei werden wir selbst aktiv: Wir lernen Unternehmen und engagierte Menschen kennen, die bereits heute kooperativ wirtschaften - im Einklang mit unserer Umwelt, für und mit den Menschen." Geplant sind Besuche lokaler Nachbarschaftsgärten, der Gemüsekooperative Rote Beete in Sehlis sowie ein Stadtrundgang zu Alternativen wie Umsonstläden und Wohnprojekten. Selber machen heißt das Motto beim Kochen, Nähen oder Fahrrad reparieren. Wer in seinen Ferien also etwas für Kopf und Herz tun möchte, ist im Sommercamp des Konzeptwerks richtig.

iKonzeptwerk Neue Ökonomie, Alte Handelsschule, Gießerstraße 75, www. konzeptwerk-neue-oekonomie.org. Telefon 0341 39281686; E-Mail: info@knoe.org und sommercamp@knoe.org

Aus der Leipziger Volkszeitung vom 24.06.2013

Ingrid Hildebrandt

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