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Lokales Junge Familie wartet in Leipzig wochenlang auf die Geburtsurkunde
Leipzig Lokales Junge Familie wartet in Leipzig wochenlang auf die Geburtsurkunde
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10:53 20.07.2016
Jens (32) und Sylvia Hammer (27) mit Tochter Viola (drei Wochen) in ihrem Garten in Wiederitzsch. Seit Wochen warten sie auf die Geburtsurkunde. Quelle: André Kempner
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Leipzig


Eigentlich lebt die junge Familie sehr gerne in ihrem Haus in Wiederitzsch. Aber von der Stadt Leipzig, speziell vom Standesamt und dem Jugendamt, fühlt Hammer sich etwas im Regen stehen gelassen.

Als er beim Standesamt einen Termin für die Ausstellung einer Geburtsurkunde machen wollte, wurde ihm durch den obligatorischen Online-Kalender nur ein Datum drei Wochen nach der Geburt angeboten. Andere Termine waren nicht mehr frei. Ohne die Geburtsurkunde kann allerdings beim Jugendamt kein Antrag auf Elterngeld eingereicht werden, der wiederum mindestens einen Monat Bearbeitungszeit erfordert. „Es ärgert mich, dass es so knapp wird. In anderen Angelegenheiten arbeiten die Ämter doch viel schneller“, berichtet Hammer. „Wenn es darum geht, dass ich etwas zahlen soll, kommen die Mahnungen schon nach wenigen Tagen.“

Eine Sprecherin der Stadt erklärt: „Je nach Vollständigkeit der Unterlagen, einschließlich der Geburtsurkunde, die für ihre Ausstellung allein etwa vier Wochen in Anspruch nimmt, wird das Elterngeld in der Regel nach sechs bis acht Wochen ausgezahlt. Die Anordnung von Elterngeld hängt auch vom Zeitraum der Einreichung fehlender Unterlagen und dem verbundenen notwendigen Schriftverkehr ab.“

Hammer sieht in Leipzig ein strukturelles Problem. „Als wir vor vier Jahren mit unserer ersten Tochter Tessa lange Wartezeiten beim Amt in Kauf nehmen mussten, hat man uns erklärt, die Stadt würde einen Babyboom erleben. Ich sehe aber bis heute immer noch keine Verbesserung auf den Ämtern.“ Der Diplom-
Ingenieur fragt sich, wo die so viel gepriesene „Kinderfreundliche Stadt“ geblieben sei. Er habe auch erhebliche Probleme gehabt, für seine ältere Tochter einen Kindergartenplatz zu bekommen.

In Leipzig gibt es laut Amt für Statistik und Wahlen seit 2014 ein positives Geburtensaldo. Das heißt, dass es mehr Geburten als Sterbefälle gibt. Die offizielle Bevölkerungsvorausschätzung der Stadt rechnet auch in Zukunft mit anhaltendem Wachstum. Zurzeit würden durchschnittlich etwa 200 Anträge auf Elterngeld pro Woche gestellt. Hammer fordert daher, dass mehr auf die Bedürfnisse junger Familien eingegangen werden solle. „Es müsste mehr Personal eingestellt werden, damit die Öffnungszeiten verlängert und die Bearbeitungszeiten verkürzt werden könnten“, schlägt er vor.

Die Stadtverwaltung sieht sich aktuell zu keinen Veränderungen veranlasst. Grund für einen Terminmangel sei vor allem fehlendes Personal durch die Urlaubszeit. Auf der städtischen Internetseite ist zu lesen, dass – falls dringender Bedarf bestehe – Antragsteller auch ohne Termin zu den angegebenen Sprechzeiten erscheinen können. Die Wartezeiten vor Ort können dann allerdings schnell mehr als eine Stunde betragen. Volle Terminkalender seien der Normalfall in Leipzigs Behörden. Für einen neuen Personalausweis muss man beispielsweise im Bürgeramt Stadthaus mindestens drei Wochen auf einen Termin warten, nur in den Außenstellen wie etwa im Paunsdorf-Center oder in Stötteritz sind kurzfristiger Termine verfügbar. In Dresden ist das anders. Dort bekommen Bürger bereits nach zwei Tagen einen Termin im Online-Kalender zugeteilt.

Von Jonas Nayda

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