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KWL-Prozess in London bereitet LVV-Chefs keine Sorge

Leipziger Stadtholding KWL-Prozess in London bereitet LVV-Chefs keine Sorge

Die stadteigene LVV-Holding sieht dem Wasserwerke-Urteil in London gelassen entgegen, investiert hunderte Millionen Euro in Leipzigs Infrastruktur. Die Geschäftsführer Norbert Menke und Volkmar Müller blicken im LVZ-Sommerinterview zurück und nach vorn.

Die Leipziger Gruppe wird von den Geschäftsführern Norbert Menke (r.) und Volkmar Müller geführt.

Quelle: André Kempner

Leipzig.  Die stadteigene LVV-Holding sieht dem Urteil in London gelassen entgegen und investiert hunderte Millionen Euro in Leipzigs Infrastruktur. Die Geschäftsführer Norbert Menke (l.) und Volkmar Müller im LVZ-Interview.

Die Stunde der Wahrheit rückt immer näher – macht Ihnen das nicht Sorge?

Volkmar Müller: Sie meinen unseren Rechtsstreit in London? Nein, er bereitet uns keine Sorge. Wir sind nach wie vor zuversichtlich, dass das Gericht das Urteil aus der ersten Instanz bestätigt. Die Berufungsverhandlung im Mai hat keinerlei neue Gesichtspunkte ergeben. Wir gehen davon aus, dass wir deshalb noch in diesem Jahr ein Urteil in unserem Sinne erhalten.

Die Richter in London entscheiden wegen der Finanzwetten des früheren Wasserwerke-Chefs Klaus Heininger. Es geht immerhin um 500 Millionen Euro, die sie eventuell zahlen müssen.

Volkmar Müller: Das ist eine Riesensumme. Wir hatten am Jahresende 2016 in unserer Leipziger Gruppe eine Gesamtnetto-Konzern-Verschuldung von 590 Millionen Euro. Das heißt, unsere Verschuldung würde sich verdoppeln, wenn diese Last ungebremst auf uns zukäme.

Ihr Gegner ist die internationale Großbank UBS, also kein Leichtgewicht. Was machen Sie, wenn Sie 500 Millionen Euro zahlen müssen?

Volkmar Müller: Die Stadt hat uns die notwendige Kapitalausstattung zugesichert. Nichtsdestotrotz würde ein Teil des Schadens unmittelbar bei uns hängen bleiben. Und unter dem Schaden der Stadt hätten wir ja auch alle als Bürger zu leiden, insbesondere die Mitarbeiter, die Tag für Tag einen guten Job für Leipzig machen.

Das wäre in der Tat ein schwerer Schlag. Denn die Bevölkerungsentwicklung der Stadt stellt Ihre Gruppe ohnehin vor gewaltige Herausforderungen. Stadtwerke, Wasserwerke und Verkehrsbetriebe müssen ihre Infrastrukturen erheblich ausbauen, wenn bald 700 000 Einwohner in Leipzig leben sollten, wie OBM Burkhard Jung (SPD) prophezeit.

Norbert Menke: Diese Prognose ist für uns erst einmal sehr gut. Denn egal ob beim Verkehr, beim Wasser oder der Energie gilt: Je mehr Kunden unsere Infrastruktur nutzen, desto besser ist die Auslastung. Wir profitieren auch davon, dass Leipzig hauptsächlich innerhalb der vorhandenen Strukturen wächst. Die 700 000 Einwohner sind für 2030 prognostiziert. Bis dahin müssen wir immer wieder bewerten wie die Entwicklung tatsächlich verläuft. Einen wichtigen Einfluss auf unsere Planungen haben auch die Energiewende und die zunehmende Digitalisierung.

Diese Aufgaben sind gewaltig. So viel Geld können Ihre Unternehmen doch gar nicht aus ihrem laufenden Geschäft aufbringen. Dafür wäre ein enormer Gewinnsprung Ihrer gesamten Gruppe notwendig.

Volkmar Müller: Deshalb ist unser Anspruch, dass unsere Investitionen zumindest die Kapitalkosten – also Zins und Tilgung – tragen. Das haben wir in der Vergangenheit geschafft und ich denke, wir werden es auch in Zukunft schaffen.

Ihr Konzerngewinn ist vergangenes Jahr mit 6,3 Millionen Euro deutlich geringer ausgefallen als 2015, wo es noch 23 Millionen Euro waren. Wie wollen Sie Ihren Tanker wieder auf Kurs bringen?

Volkmar Müller: Er ist auf Kurs. Unser Konzerngewinn ist besser ausgefallen als vorgesehen. Wir hatten außerordentliche Faktoren, die uns belastet haben. Zum Beispiel die sechs Millionen Euro, die wir an das Finanzamt gezahlt haben.

Norbert Menke: Beim Konzernergebnis können wir eine rundum positive Bilanz ziehen. Wie in den Vorjahren haben sich alle relevanten Kennzahlen positiv entwickelt. Das operative Ergebnis – also unser Jahresergebnis vor Zinsen, Abschreibung und Steuern – ist auf 216 Millionen Euro gestiegen. 2020 wollen wir rund 230 Millionen erreichen. Mit 175 Millionen Euro Investitionen haben wir unsere Investitionsoffensive fortgesetzt und zugleich die Nettoverschuldung weiter gesenkt. Fahrgastzahlen, Wasserabsatz und die Auslastung des Kraftwerkes sind gestiegen. Wir sind gut unterwegs.

Es heißt, Sie wollen die Verschuldung der Wasserwerke deutlich erhöhen, um zu investieren. Was ist geplant?

Norbert Menke: Die Wasserwerke müssen zukunftsfest aufgestellt sein. Dazu werden bis 2025 Anlagen zur Abwasserbehandlung deutlich erweitert und Abwasserkanäle grundlegend saniert. Um die Stadt auch mit 700 000 Einwohnern sicher zu versorgen, werden die Systeme zur Wasserversorgung erheblich umgebaut. Zudem wird in die Digitalisierung investiert.

Wie soll der Schuldstand der Wasserwerke wachsen?

Volkmar Müller: Von aktuell rund 180 auf rund 400 Millionen Euro im Jahr 2021.

Und wie hoch ist die aktuelle Schuldenlast der LVV-Gruppe?

Volkmar Müller: Die Verkehrsbetriebe haben momentan Finanzverbindlichkeiten von rund 130 Millionen Euro und werden 2021 rund 170 Millionen Euro benötigen. Die Kredite der Stadtwerke betragen momentan rund 150 Millionen Euro, die bis 2021 auf rund 280 Millionen Euro ansteigen werden. Der gesamte Stadtkonzern – also Stadtwerke, Wasserwerke und LVB und wir als LVV – hat eine Netto-Gesamtverschuldung von rund 590 Millionen Euro. Diese wird bis 2021 voraussichtlich auf eine Milliarde Euro steigen. Mit Perspektive auf das enorme Bevölkerungswachstum in der am dynamischsten wachsenden Stadt Deutschlands und auf den weiteren Ausbau der Infrastruktur in den Jahren 2021 und weiter werden die Finanzschulden des Konzerns wachsen. Entscheidend ist, dass auch die Einnahmen angemessen steigen. Deshalb ist die kontinuierliche Steigerung der Ertragskraft ein zentrales Ziel unserer Konzernstrategie.

Mit der Umwandlung der LVV von einer Steuer- in eine Managementholding sollten Synergieeffekte gehoben werden. Ist das gelungen?

Norbert Menke: Wir hatten uns 2012 eine nachhaltige Kostensenkung von jährlich mindestens zehn Millionen Euro ab 2015 zum Ziel gesetzt und dies sogar vorfristig erreicht.

Was hat sich denn geändert? Haben Sie die Buchhaltungen der drei großen Stadtunternehmen zusammengelegt? Oder die Kundenakquise?

Volkmar Müller: Nein. Wir haben an vielen Stellen im Konzern Prozesse verändert, Systeme konsolidiert und die Sachkosten gesenkt.

Sie wollten auch die Managementstrukturen der drei großen Stadtunternehmen straffen. Trotzdem haben sie für die LVB gerade wieder einen dritten Geschäftsführer eingestellt. So groß scheinen die Sparzwänge ja nicht zu sein...

Norbert Menke: Die LVB sind ein mitbestimmtes Unternehmen und es liegt in der Verantwortung von deren Aufsichtsrat zu entscheiden, wie die Geschäftsführung besetzt wird.

LVB können weitere XL-Bahnen bestellen

Die LVB haben jetzt alle Voraussetzungen, um eine dritte Tranche der neuen XL-Straßenbahnen zu bestellt, teilte die LVV-Gruppe mit. Nach den bereits bestellten 14 Straßenbahnen werden so neun weitere Fahrzeuge für Leipzig gefertigt. Die Bahnen sollen nächstes Jahr in Leipzig eintreffen. Die Leipziger Gruppe forciert auch weiter die CO2-freie Elektromobilität. Ab 1. Januar 2018 fährt deshalb die Straßenbahn zu 100 Prozent mit Ökostrom. „Unsere Fahrgäste fahren dann in allen Straßenbahnen CO2-frei“, so Geschäftsführer Norbert Menke. „Wir kommen damit unserem Ziel eines CO 2 -freien Nahverkehrs einen großen Schritt näher.“ A. T.

Von Andreas Tappert

Leipzig 51.339695 12.373075
Leipzig
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