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KWL-Skandal: 30 Millionen Euro offenbar wieder aufgetaucht

KWL-Skandal: 30 Millionen Euro offenbar wieder aufgetaucht

Am Wochenende verdichteten sich die Hinweise darauf, dass Leipzig zumindest ein kleines Teilproblem der undurchsichtigen Finanztransaktionen der Wasserwerke los sein könnte: Rund 30 Millionen Euro - die die beiden Ex-Geschäftsführer als Prämien bei ihren internationalen Finanzwetten eingestrichen und auf Londoner Konten deponiert hatten, sind offenbar wieder aufgetaucht.

Leipzig. Nach LVZ-Informationen sollen sie von einem Trust im US-Bundesstaat Delaware verwaltet werden.

Leipzigs Stadtspitze reagierte auf diese Information ungewöhnlich: Mit dem Gerücht vom Auftauchen der Millionen konfrontiert, wollte sich Oberbürgermeister Burkhard Jung (SPD) auf einer Pressekonferenz am Freitagabend zunächst dazu nicht äußern. "Fragen Sie mich das in der nächsten Woche noch einmal", erklärte er und schwieg dann. Auf eine weitere Nachfrage, ob die Millionen denn nun da wären oder nicht, lehnte sich Jung in seinem Stuhl zurück, atmete hörbar ein und blickte hilfesuchend zu dem neben ihm sitzenden Detlev Kruse, der als Geschäftsführer des stadteigenen LVV-Konzerns die Fäden der Aufklärung in der Hand hält. Kruse erklärte daraufhin, er könne derzeit "nicht mit Bestimmtheit" sagen, dass das Geld wieder da sei. Dies könnten nur Staatsanwälte sagen. "Wir wissen nur, dass das Geld von den Londoner Konten auf Konten in den USA geflossen ist", erklärte dann sein LVV-Geschäftsführer-Kollege Josef Rahmen. "Wir wissen nicht, wie es weiter verwendet wurde."

Noch Ende Januar hatten die städtischen Ermittler offiziell wissen lassen, dass von dem Verbleib des Geldes "nichts bekannt" sei, denn Heininger und Schirmer hätten ihre Finanzwetten über Konten außerhalb der Buchführung der Wasserwerke abgewickelt. Zu diesen "Geheimkonten" hätten nur die beiden Ex-Manager Zugriff gehabt, hieß es. Das Verschwinden des Geldes war auch ein wichtiger Entlassungsgrund der beiden - neben Vorwürfen der Untreue, Steuerhinterziehung und Bilanzfälschung. Aufklärung wird von Wirtschaftsprüfern der Gesellschaft KPMG erhofft, die in den nächsten Tagen ihre Untersuchungsergebnisse vorlegen.

Nach LVZ-Informationen geht die städtische Aufklärungsgruppe intern bereits seit Tagen davon aus, dass die beiden Ex-Manager die als verschwunden deklarierte Millionen-Summe nicht für ihren privaten Lebensabend beiseite geschafft haben - wie zunächst vermutet wurde. Das Gegenteil scheint der Fall zu sein: Nachdem die beiden Ex-KWL-Chefs für ihre internationalen Finanzwetten zunächst eine Prämie von 40 Millionen Euro kassiert und davon rund zehn Millionen Euro in Verträge gesteckt hatten, mit denen sie andere Finanzgeschäfte der KWL gesichert hatten, überwiesen sie das restliche Geld offenbar auf die Konten eines treuhänderischen Trustes im US-Bundesstaat Delaware, der zur Betreuung jener Cross-Border-Leasinggeschäfte (CBL) eingeschalten worden war, die sie mit Genehmigung des Leipziger Stadtrates abgeschlossen hatten. Mit diesen auch von den Aufsichtsbehörden des Freistaates genehmigten CBL-Geschäfte wurden große Teile der Leipziger Infrastruktur nach Übersee verleast und dabei die Hilfe des Trustes genutzt.

Das zur Sicherheit hinterlegte Geld sollte bis zum Ende der Laufzeit der CBL-Geschäfte verwaltet und die Summe dann mit Zinsen an die Stadt ausschüttet werden. Der treuhänderische Trust agiert dabei gegenüber unbekannten Dritten verschwiegen. Einblicke in die Finanzströme werden nur gewährt, wenn die Aufklärer der Stadt ihre Berechtigung aufwendig nachweisen - dies könnte eine Erklärung dafür sein, dass die Stadt-Spitze bislang keine offizielle Erklärung abgibt.

Andreas Tappert

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