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Lokales Kaffee-Philosophie aus den USA: Das Leipziger Slow-Café
Leipzig Lokales Kaffee-Philosophie aus den USA: Das Leipziger Slow-Café
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20:46 04.01.2015
Besitzer der Uptown Coffee Bar: Justin Land vor seinem Lokal in der Riemannstraße. Quelle: André Kempner

Justin Land ist seit dreieinhalb Jahren in Leipzig heimisch und betreibt seit September ein Café in der Riemannstraße.

Er war viel unterwegs in der Welt, bevor er sein Gepäck in der Messestadt abstellte. "Unter anderem lebte ich fünf Jahre in London. Meine Frau ist Leipzigerin. Wir trafen uns in einem Kibbuz in Israel, als ich 18 war", erzählt der 35-jährige Amerikaner, der sein heimatliches Connecticut schon lange verlassen hat. Als sein erstes Kind zur Welt kam, entschied das Paar, aus London nach Leipzig umzuziehen. "London ist sehr teuer und nicht optimal fürs Familienleben. Dafür ist Leipzig viel besser. Hier gibt es mehr Grün, die Mieten sind viel günstiger und die Lebensqualität ist deutlich höher", betont Land, "deshalb kann ich mir gut vorstellen, länger hier zu bleiben."

Das Schreiben seiner Doktorarbeit in Philosophie gab Justin Land auf, als er zum ersten Mal Vater wurde. "Da ist es mit dem Studium wirklich vorbei. Es gibt wichtigere Sachen - wie beispielsweise die Familie. Ich hatte auch genug vom akademischen Leben und brauche keinen Doktortitel, um Kaffee zu servieren", erzählt der junge Unternehmer lächelnd. Heute verwöhnt er seinen zweijährigen Sohn und seine vierjährige Tochter.

Die Philosophie ist aber immer noch Teil seines Leben. Sie steckt sogar hinter dem Konzept seines Ladens. "Ich will einen Ort anbieten, wo die Leute einen sehr guten Kaffee trinken können und wo sie sich Zeit in einer schönen Atmosphäre nehmen können." Das Café gehöre zur dritten Welle der Kaffee-Kultur. "Vor mehreren Jahren gab es Kaffee aus dem Fast-Food-Trend in den USA. Die Leute nahmen einen riesigen Kaffee mit. Der hatte gar keinen Geschmack, das war wie braunes Wasser", erinnert er sich. "Dann folgte Starbucks - und das hat viel beim Kaffee-Konsum geändert. Aber nun ist es eine Kette geworden. Der Geist des Anfangs existiert nicht mehr. Es geht mehr um Business und der Kaffee leidet darunter. Nun kommt die dritte Welle, die direkt aus der Slow-Food-Kultur entsteht."

Das Konzept hätte vielleicht Immanuel Kant gefallen, auch wenn er damals schrieb: "Es gibt nichts Schlimmeres, als auf Kaffee zu warten, wenn er noch nicht da ist." Im Café Uptown geht es zum Glück nicht ums Warten auf Kaffee, sondern ums Genießen und um die Zeit beim Trinken. Was Justin Land anbietet, ist eigentlich das Gegenteil des amerikanischen Stereotyps, nach dem alles viel zu schnell geht. "Es gibt sogar Cafés der dritten Welle, die Laptop und Smartphone in ihrem Laden verbieten, damit die Leute die Zeit genießen. Das wollte ich nicht machen, es ist ein bisschen zu extrem", sagt Land, der seinen Kunden kostenloses WLAN anbietet.

Der Unternehmer gibt der Qualität und dem Kontakt mit den Kunden den Vorzug. Viele spricht er mit ihren Vornamen an. "Ich will keinen Kaffee wie am laufenden Band verkaufen." Gute Qualität heißt für ihn Kaffee, dass dessen Bohnen frisch geröstet werden. Der Amerikaner nutzt am liebsten Bohnen aus Leipziger Röstereien sowie eine halb-automatische Kaffeemaschine. Das Gerät gebe viel Flexibilität in der Vorbereitung des Getränks. Um den Kaffee noch mehr zu zelebrieren, werden regelmäßig Konzerte organisiert.

Aus der Leipziger Volkszeitung vom 05.01.2015

Adeline Bruzat

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