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Lokales Kampagne gegen Leipziger Tierheim: Viel Ärger um Max
Leipzig Lokales Kampagne gegen Leipziger Tierheim: Viel Ärger um Max
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14:36 20.03.2018
Hund Max aus Lettland erging es im Tierheim Breitenfeld nicht schlecht - anders als auf Facebook behauptet wurde. Dieses Foto entstand kurz vor seiner Weitervermittlung an eine neue Tierhalterin am 2. März 2018.  Quelle: privat
Leipzig

 Es ist nicht leicht, sich gegen eine Schmutzkampagne auf Facebook zu wehren. Diese Erfahrung dürfte nun auch dem Leipziger Tierheim in Breitenfeld nicht erspart bleiben. Dabei hatten die dortigen Mitarbeiter schon in den vergangenen Monaten jede Menge Ärger und zusätzlichen Aufwand wegen einem Hund, der Max heißt und ausweislich seiner Papiere am 13. August 2016 in Lettland geboren wurde. Im Januar 2017 erhielt der Mischlingsrüde dort auch noch die nötigen Impfungen und einen Chip.

Dass Max aus Lettland stammt und wie er nach Deutschland kam, stand nicht in einer E-Mail, die die LVZ im Februar 2018 von einer besorgten Frau aus Rheinland-Pfalz erhielt. Die Dame erhob schwere Vorwürfe gegen das hiesige Tierheim. Sie arbeite zusammen mit einer Freundin für die Tierschutzorganisationen SOS Fellnasen und Vikanna D. „Ende Dezember 2016 vermittelten wir den Hund Max nach Leipzig. Es bestand ein sehr guter Kontakt zur Adoptantin, der dann im Mai 2017 abbrach – ohne dass ein Grund vorhanden war. Sämtliche Versuche, sie zu kontaktieren, scheiterten, Nachkontrollen wurden abgewiesen.“

Vorwurf: Max wiegt nur noch neun Kilo

Im Oktober 2017 hätten die Frauen erfahren, dass Max im Tierheim Leipzig ist. Ein Bekannter von ihnen habe dort angerufen, um Max zurück zu bekommen. Dies habe aber der Tierheim-Leiter Michael Sperlich abgelehnt. Auch das Angebot, alle Unkosten des Tierheims zu erstatten. Außerdem schrieb die Frau: „In den Abgabeverträgen unseres Vereins steht deutlich, dass unsere Tiere nicht weitervermittelt werden dürfen und wir uns das Rücknahmerecht vorbehalten. Auch bei Tasso und dem Heimtierregister war Max als vermisst gemeldet." Ebenfalls sei im EU-Pass von Max als Eigentümer ein Mann aus Lettland geführt. "Somit hatte Herr Sperlich alle Informationen, um uns umgehend zu informieren, was nicht geschehen ist.“

Mehrere Versuche, den Hund neu zu vermitteln, habe das Tierheim scheitern lassen. „Max leidet sehr im Tierheim und magerte stark ab. Einer Frau aus Berlin, welche vergeblich versuchte, Max zu adoptieren, teilte Herr Sperlich im Herbst mit, dass Max nur noch neun Kilo wiegt. Auch diese Adoption ist – wie so viele in diesem Tierheim – aus unerklärlichen Gründen gescheitert. Ein solch schlimmer Umgang mit Menschen und Tieren wie im Tierheim Leipzig ist mir noch nirgends begegnet! Wir hätten Max mit viel Zuwendung schon lange in einer lieben Familie untergebracht und er könnte glücklich leben. Stattdessen leidet er isoliert in seinem Tierheim-Zwinger.“ Sozialkontakte zu anderen Tieren und genug Auslauf würden im Leipziger Tierheim „sträflich vernachlässigt“. „Viele Tiere sitzen Jahre dort ein, entwickeln Verhaltensauffälligkeiten. Aus Sorge um Max haben wir inzwischen eine Anwaltskanzlei eingeschaltet. Seit Monaten ist auch für mich diese Situation eine unglaubliche psychische Belastung.“

Gerichtstermin am 6. März

Am 6. März 2018 sollte eigentlich die Gerichtsverhandlung am Leipziger Amtsgericht stattfinden. Schon seit November 2017 lief eine Kampagne auf Facebook gegen das Tierheim, berichtet Sperlich. „Dabei hatten wir nur versucht, Max möglichst schnell selbst und qualitätsgerecht zu vermitteln. Uns gegenüber sind nie andere Tierschutzvereine, sondern immer nur Privatpersonen aufgetreten. Es ergab keinen Sinn, Max erneut innerhalb von Vermittlungsstrukturen umzusetzen oder nach Lettland zu überführen.“

Laut Sperlich ist der Hund am 13. September 2017 von einer Leipzigerin im Tierheim abgegeben worden – samt Eigentumsübertragung. Zuvor habe diese Frau das Tier von einer anderen Leipzigerin übernommen, die Max offenbar von den beiden Damen – als Vertreterinnen des Mannes aus Lettland – erhalten hatte. Dieser betreut in Lettland auf einem Privatgrundstück über 100 Hunde. Am 12. Dezember 2017 verklagte er über eine deutsche Kanzlei das Leipziger Tierheim auf Herausgabe von Max. Das hiesige Veterinäramt, Stadträte, der Tierschutzbeirat und die Landesdirektion wurden mit Post über das angeblich schlimme Schicksal des Hundes unter Druck gesetzt. Dabei versichert Tierheim-Chef Sperlich, er habe nie gesagt, dass Max nur neun Kilo wiege. Bei dessen Aufnahme seien es – durch Tierarzt Volker Jähnig dokumentiert – 13,9 Kilo gewesen, im Februar 2018 schon 14,4 Kilo.

Mehrfach amtlich geprüft und gewogen

„Aufgrund von Besorgnismitteilung zum Hund Max prüften amtliche Tierärzte am 13. November 2017 zunächst die tierärztlichen Behandlungen nach Aktenlage“, teilte das Veterinäramt auf LVZ-Anfrage mit. „Eine amtliche Tierärztin überzeugte sich gemeinsam mit einer weiteren Mitarbeiterin im November und im Dezember, sowie die Amtsleiterin des Veterinäramtes im Januar persönlich vom Wohlergehen des Hundes im Tierheim.“ Max sei dabei auch immer wieder gewogen worden.

Von wegen neun Kilo: Im Februar 2018 brachte Max schon 14,4 Kilo auf die Waage. Quelle: privat

„Keine Kontrolle gab aus amtlicher Sicht Anlass zur Sorge um den Ernährungs- und Pflegezustand des Tieres. Im Zwinger wurden augenscheinlich keinerlei Anzeichen von Abweichungen im Verhalten festgestellt, der Hund wirkte aktiv und interessiert. Das Tier erhielt täglich Freilauf und durfte mit ‚Gassi-Gehern’ spazieren gehen.“

Nachweisbar fanden zumindest drei Vermittlungsversuche für Max statt, bevor durch die Klage der Vollzug des dritten Versuchs vorübergehend unmöglich wurde. Im November-Newsletter warb das Tierheim sogar in großer Aufmachung mit Foto um Interessenten für die „liebenswerte, aber sozial unsichere Sportskanone“, distanzierte sich dabei jedoch zugleich wie folgt vom sogenannten Auslandstierschutz: „Hilfe für notleidende Tiere muss vor Ort passieren, der Import der Tiere löst die Probleme in den Ursprungsländern nicht.“

Hund am 2. März doch noch vermittelt

Je näher der Verhandlungstermin rückte, desto stärker drängte die Klägerseite darauf, den selbst angestrengten Gerichtstermin zu verhindern. Selbst der Präsident des Deutschen Tierschutzbundes wurde deshalb angemailt. Als dies nicht fruchtete, beantragte die Klägerseite Terminaufhebung, so Sperlich: „Der Tierschutzverein Leipzig stimmte dem nicht zu, weil wir endlich Klarheit für eine Vermittlung wollten. Uns hat sich der Sinn dieser Klage aber nie erschlossen.“

In fast letzter Minute, am 2. März, folgte die Klagerücknahme. „Gleichzeitig wurden unsere Kosten übernommen“, sagt Sperlich. Bedingung sollte nun jene Vermittlung (nach Nordrhein-Westfalen) sein, welche wegen der Klage seit Monaten auf Eis lag, also sowieso geplant war. Der Leipziger Tierschutzverein nahm sofort an. Zwei Stunden später verließ Max das Tierheim in einem extra von der Interessentin gemieteten Mercedes. Sie war zufällig an diesem Tag geschäftlich in Leipzig und nahm Max glücklich mit.

Ende gut, alles gut? Mitnichten. Der Verein Tierfreunde Zwickau nahm den Fall Max zum Anlass, um Beweise für eine angeblich schlechte Arbeit des Leipziger Tierheims zu sammeln. „Ein aktueller Post auf unserer Facebook-Seite hat 350 000 Menschen in ganz Deutschland erreicht, wir erhalten seither erschütternde Erfahrungsberichte von Leipziger Bürgern“, heißt es dort. „Seit gestern gibt es ein Video, produziert von anderen Leipzigern, welches gar den Rücktritt der Vorsitzenden des Veterinäramtes und des Tierschutzbundes in Bonn fordert, da die Missstände seit Jahren bekannt sind und konkrete Hinweise aus der Bevölkerung stets ignoriert wurden.“ In nächster Zeit will der Verein „viele Berichte Betroffener“ in anonymer Form veröffentlichen.

Streit aus Zwickau schwappt herüber

Hintergrund dieser Aktion dürfte sein, dass diese Tierfreunde seit Jahren mit einem anderen Verein über Kreuz liegen, der das erfolgreiche Zwickauer Tierheim betreibt. Sperlich ist dort Schatzmeister, seine Lebensgefährtin Tierheimchefin. Offenbar haben sich auch einige frühere Mitglieder des Tierheim-Betreiber-Vereins nicht damit abgefunden, dass sie aus diesem Verein ausgeschlossen wurden. Jedenfalls finden sich auf der Internetseite der Tierfreunde etliche Hinweise auf juristische Verfahren, Streitigkeiten und Zwangsausschlüsse. Fortsetzung folgt?

Von Jens Rometsch

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