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Lokales Kampf gegen die Uhr auf Leipzigs Schulbaustellen
Leipzig Lokales Kampf gegen die Uhr auf Leipzigs Schulbaustellen
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00:20 13.07.2018
Baustellentour durch die Schulbaustellen in Leipzig. Schule in der Karl-Heine-Straße 22b Foto: Andre Kempner Quelle: Andre Kempner
Leipzig

Die Zeit drängt: Am 13. August soll das neue Schuljahr auch in der Oberschule Ratzelstraße starten. „Wir legen eine Punktlandung hin“, sagt Projektleiterin Ilka Giller und erntet ein paar skeptische Blicke von Stadträten, die sich auf einer Baustellen-Tour von den Fortschritten bei sechs wichtigen Schulprojekten überzeugen wollen. Einiges wirkt noch nicht fertig, wird den Handwerkern der beteiligten Firmen wohl auch etliche Überstunden abverlangen. Das 1929 im Bauhaus-Stil errichtete Gebäude wurde für gut 15 Millionen Euro denkmalgerecht saniert. Die Schäden an der Immobilie waren enorm. Sie musste trocken gelegt, ihr Dach neu eingedeckt werden. Fenster und Türen galt es zu erneuern, die Putz- und Klinkerflächern zu sanieren. Außerdem wurden zwei rollstuhlgerechte Aufzüge und Rampen eingebaut, um künftig einen barrierefreien Zugang zu haben. Auch die Mensa mit bis zu 100 Plätzen kann sich bald sehen lassen. „In den Fachunterrichtsräumen wird eingeräumt, die Hauwirtschaftsküche sieht schon sehr gut aus“, so Giller. Anfang August könnten dann die Pädagogen die Regie übernehmen. „Wir haben keine Wahl, es wird rechtzeitig fertig“, so Raimund Krell, Leiter des kommunalen Amtes für Gebäudemanagement. Was noch fehlt, ist eine Turnhalle, für die bislang lediglich eine Fläche reserviert ist. Bis sie entsteht, müssen die etwa 250 Oberschüler zu einer benachbarten Halle laufen. Auch eine der Freiflächen am Gebäude wird erst im Herbst fertig. Doch der Eingangsbereich kann als Pausenhof genutzt werden.

Sportoberschule: Neubau ist fertig

Wesentlich weiter ist da die neue Sportoberschule an der Goyastraße, an der immerhin 15 Sportarten angeboten werden. Den Neubau samt Dreifeldsporthalle hat sich die Stadt gut 19 Millionen Euro kosten lassen. Das Berliner Architektenduo Heydorn Eaton unterteilte die Bildungsstätte in zwei Hauptgebäude, die durch einen zweigeschossigen, L-förmigen Verbindungstrakt ineinander übergehen. Dafür mussten eigens 360 Bohrpfähle neun Meter tief in die Erde gerammt werden, um den Untergrund zu stabilisieren. Das Gebäude reiht sich neben einer Kita, einem Altenheim und einem Betreuten Wohnen in ein Mehrgenerationenprojekt ein. „Die Schule räumt bereits ein. Es finden noch einige Restarbeiten statt“, erläutert Projektleiter Jürgen Adolph. Bäume würden in den Herbstferien gepflanzt, hieß es. Die Sporthalle ist mit einer 199 Zuschauer fassenden, ausfahrbaren Tribüne sowie einer Anzeigetafel ausgestattet und bietet Kleinfelder für Hand- Volley- und Basketballer. Das Parkett muss allerdings noch versiegelt werden. „Die Halle ist wettkampftauglich“, freut sich Schulleiter Uwe Hempel. Wer sich im Schulgebäude befindet, kann in sie hineinschauen – die Fenster sind bruch- und ballsicher. Draußen gibt es ein Spielfeld mit einem sechs Meter hohen Ballschutzzaun. Das Oberflächen- und Regenwasser wird direkt in den Elstermühlgraben geleitet. Noch ist die Schule nicht eröffnet, doch schon stehen die Zeichen auf Erweiterung. Geplant ist, eine Fläche neben der Kita zu nutzen, um Räume für weitere acht Klassen in Modulbauweise zu schaffen.

Gymnasium in der Karl-Heine-Straße 22 b: Abbrucharbeiten sind zu 70 Prozent abgeschlossen

Recht teuer wird das Gymnasium in der Karl-Heine-Straße 22 b. Für den denkmalgeschützten Komplex in Plagwitz sind mehr als 30,5 Millionen Euro veranschlagt. Die Sanierung des einst von Stadtbaurat Hubert Ritter entworfenen Ensembles mit vier miteinander verbundenen Häusern und der Turnhalle ist eine „komplizierte Geschichte“, wie Bauleiter Thomas Müller erzählt. Bevor es losgehen konnte, musste zunächst die Brücke samt Stützmauern erneuert werden, damit ein Zugang zur Baustelle vorhanden ist. Nach Auszug der Asylbewerberunterkunft im Herbst 2017 wird gebaut. Das Highlight ist das Haus E – mit den beiden alten Sporthallen. Daraus entsteht eine Mensa samt Aula. Die Schule bekommt eine neue Dreifeldsporthalle, für die das Baufeld vorbereitet ist. „Die Abbrucharbeiten an den Häusern sind zu 70 Prozent abgeschlossen“, erläutert Müller. „Dabei haben wir große Probleme mit schadstoffbelasteten Decken, die wir komplett ersetzen müssen.“ Projektleiterin Henriette Weber ergänzt: „Wir orientieren uns am historischen Bestand.“ Die alte Turnhalle wird zur Mensa umgebaut. Dort ist der alte Boden entfernt worden, die Pfahlgründung mit den Stahlträgern ist freigelegt, um den Zustand zu überprüfen. Danach kommt eine neue tragende Konstruktion drauf. Ein Erweiterungsneubau wird in den Komplex integriert. Der ist schon allein nötig, um die vorgeschriebenen Fachkabinette einzurichten. Umgesetzt wird ein Entwurf der Berliner Firmen M4 Architekten Ingenieure/Hager Partner AG/Senthi GmbH, die den Architektenwettbewerb gewonnen haben. Geplant ist, die Schule zum Schuljahr 2020/21 zu eröffnen – das wird sportlich. Schulleiterin Mandy Frömmel, die ab August mit ihrem Team in der Uhlandstraße 280 künftige Gymnasiasten der neuen Schule unterrichtet, kann es kaum erwarten. „Das sind gute Aussichten, das hat Perspektive“, sagt sie. Mit Eltern hat sie bereits Konzepte entwickelt. „Klasse(n) kochen“ soll den Gesundheitsaspekt der Schule als Lern- und Lebensort betonen. „Unsere Schüler sollen Verantwortung übernehmen“, erläutert sie.

Oberschule Weißeplatz: Es mangelt an Freifläche

Dafür wäre an der Oberschule Weißestraße, die nun endlich ihr Haus 2 und die kleine Turnhalle in Betrieb nehmen kann, kein Platz. Dort sind die Freiflächen für die gut 320 Schüler begrenzt – deshalb wird seit Langem darüber verhandelt, einen Teil des Weißeplatzes als Schulhof zu nutzen. „Ein Konzept dafür haben wir vorgelegt, eine Antwort steht aber aus“, sagt Schulleiterin Kerstin Berthold. Sie ist froh, dass ihre Schule nach Jahren der Improvisation nun gute Bedingungen erhält. Die Lehrküche geht im September in Betrieb. Zumindest das Mobiliar ist angekündigt. Für die Ausstattung mit Tellern und Töpfen hat das Geld nicht mehr gereicht. Doch auch hier werde es eine Lösung geben, heißt es. Was außerdem fehlt, ist ein Raum für die Bibliothek – der vorgesehene im Keller kann nicht genutzt werden. Hier streiten sich Stadt und Baufirma noch über Nässeschäden. In den Mehrzweckbau hat die Kommune 5,8 Millionen Euro, ins Haus 2 samt Turnhalle 4,3 Millionen Euro investiert.

Ex-Pablo-Neruda-Schule: Urinale sind zu hoch

Einen Mangel gibt es derzeit bei Grundschul-Plätzen. In die ehemalige Pablo-Neruda-Schule unweit des Bayerischen Bahnhofes werden daher im August gleich zwölf erste Klassen eingeschult – die Hälfte davon kommt aus der ehemaligen „3.“ am Steinplatz, deren Sanierung sich bis in die Herbstferien hinein verzögert. Das Gebäude neben der eigentlichen Neruda-Grundschule soll in etwa zwei Jahren von der Georg-Schumann-Oberschule genutzt werden. Weil das alte Neruda-Gebäude am Dösener Weg aber als Oberschule konzipiert ist, gibt es ein kleines Problem – die Urinale auf den Jungen-Toiletten sind für die Grundschüler zu hoch. Aber auch das wollen die Bauleute lösen. Die Lehrküche werde zunächst vom Hort genutzt, wie Schulleiterin Ilka Schnabel erklärt. „Das Farbkonzept ist enttäuschend. Da werden Gymnasien besser ausgestattet“, moniert Petra Elias vom Stadtelternrat Leipzig. Die Modulbaucontainer bleiben vorerst auf dem Schulhof, was die Bewegungsfreiheit der Kleinen einschränkt. Sie werden für die 24. Grundschule Döllingstraße benötigt. Dort gibt es aber noch keine Baufreiheit. „Das ist zwar nicht optimal, aber wir müssen Kompromisse eingehen“, bedauert Krell. Immerhin benötigt Leipzig so viele zusätzliche Unterrichtsräume, dass viele Baustellen gleichzeitig zu betreuen sind. Das schafft auch Probleme: Genügend Handwerksfirmen müssen erst mal gefunden werden.

Berufsschulzentren: Es geht voran

Nicht vergessen werden dabei die Beruflichen Schulzentren, obwohl die Sanierung wie am Gebäude des BSZ 7 am Rabet nur Schritt für Schritt vorangeht. Geplant waren zunächst nur Fassadenarbeiten sowie Investitionen in den Brandschutz, wofür es auch Fördermittel gab. „Eine Komplexsanierung ist derzeit nicht drin“, sagt Amtsleiter Krell. Doch Arbeiten im Keller – die Schaffung von Unterrichtsräumen und die Einrichtung von Werkstätten – kamen hinzu. „Ich freue mich über die gute Qualität des DDR-Fußbodenbelages, der in einigen Räumen noch liegt“, bemerkt Stadträtin Margitta Hollick (Die Linke). „Doch nach all den Jahren müsste nun wirklich ein neuer rein“, findet sie. Doch für vieles reicht das Budget nicht. Schulleiter Thomas Graupner: „Die ehemalige Turnhalle können wir nicht mehr nutzen. Wir haben ein Konzept erarbeitet, sie als Mensa und als Veranstaltungsraum – auch für Vereine aus der Nachbarschaft – auszubauen.“ Schulbürgermeister Thomas Fabian (SPD) kann sich durchaus mit der Idee anfreunden. Zusätzliche Räume für den Unterricht, die aufgrund des Geburtenbooms und des Zuzugs dringend gebraucht werden, haben aber Vorrang. „Es geht voran. Dieses Jahr schaffen wir weitere Schritte. Die fertig gewordenen Schulgebäude entsprechen unseren Anforderungen für eine gute Schule“, betont er und weiß, dass die Verwaltung ein Riesen-Schulpakt stemmen muss, um mit der Entwicklung annähernd Schritt zu halten. Für weitere Investitionen hat der Stadtrat gerade gut 155 Millionen Euro bewilligt.

Von Mathias Orbeck

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