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Lokales Kanaldurchstich am Lindenauer Hafen - Wohnquartier kommt nicht voran
Leipzig Lokales Kanaldurchstich am Lindenauer Hafen - Wohnquartier kommt nicht voran
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23:59 28.01.2015
Der Durchstich zwischen Lindenauer Hafen (im Hintergrund) und Karl-Heine-Kanal. Quelle: André Kempner

Die 665 Meter lange Wasserstraße, erbaut seit Herbst 2012, verbindet künftig den Lindenauer Hafen mit dem Karl-Heine-Kanal. Ein lange gehegter Traum, nicht nur von älteren Einwohnern oder dem Verein Wasserstadt, geht damit in Erfüllung. 1943 waren die Arbeiten zum Hafenbau kriegsbedingt abgebrochen worden. In die beiden, jeweils 1000 Meter langen Ankerbecken lief noch nie ein Schiff ein. Durch die Flutung des zehn bis zwölf Meter breiten und zwei Meter tiefen Verbindungsstücks erhält der Hafen mit seinen markanten Speichern nun endlich den Anschluss ans Leipziger Gewässernetz.

Wahrscheinlich ab Juli dürfen dann Paddler, Kanuten und alle sonstigen Nutzer von muskelbetriebenen Booten erstmals unter der Luisenbrücke (in der Lützner Straße) hindurch und weiter bis zu dem neun Hektar Wasserfläche umspannenden Hafenbecken fahren. Es soll ein Höhepunkt im Leipziger Jubiläumsjahr 2015 werden. Ab 2017 könnte noch ein 75 Meter langes Kanalstück auf der anderen Seite des Hafens - unter der Lyoner Brücke - entstehen. Damit wäre auch der Anschluss zum Elster-Saale-Kanal geschafft.

In den vergangenen Tagen gab es allerdings erneut Aufregung um das Großprojekt im Gesamtumfang von 18,1 Millionen Euro. Dessen Verwirklichung hatte der Stadtrat 2007 beschlossen. Vertreter der Immobilienbranche wiesen jetzt allerdings skeptisch darauf hin, dass es mit der Vermarktung der Wohngrundstücke am Wasser nicht vorangehe. Wie berichtet, hatte die Kommune vor genau zwei Jahren - im Januar 2013 - rund zwei Hektar Bauland zum Verkauf ausgeschrieben. Die Nachfrage war auch sehr rege, doch bis heute gibt es für keines der sechs Lose einen Notartermin. Dabei ist eine neue Erschließungsstraße, die von der Plautstraße in das künftige Wohngebiet für bis zu 1000 Menschen abzweigt, samt einer Buswendeschleife fertig. Diesen Monat sollten eigentlich erste Baustarts für Häuser von Investoren und Selbstnutzern erfolgen.

Wann es stattdessen so weit ist, sei im Moment noch nicht genau absehbar, erklärte gestern Baubürgermeisterin Dorothee Dubrau (parteilos) auf Nachfrage. "Wir stehen in Verhandlungen mit verschiedenen Interessenten. Interna dazu kann ich nicht preisgeben, um den Erfolg der Gespräche nicht zu gefährden." Nach LVZ-Informationen gab es gleich mehrere Bewerber zum Beispiel für jene Fläche, von der die Wohnungsgenossenschaft Lipsia wieder zurückgetreten war. Da die Kommune möglichst alle sechs Lose gleichzeitig veräußern will, hat sie dafür kürzlich intern einen neuen Zeitplan aufgestellt. Die Vermarktung weiterer 1,6 Hektar Bauland wurde verschoben. Ein finanzieller Schaden für die Gesamtfinanzierung des Hafenprojekts entstehe dadurch nicht, betonte Dubrau. Jene 7,6 Millionen Euro, die durch den Verkauf von Bauland hereinkommen sollen, würden erst ab 2018 zum Begleichen entsprechender Kredite benötigt.

Aufregung gab es gestern auch um eine Hochwasserschutz-Inspektion des Palmengartenwehrs. Das Wehr wurde für fünf Stunden komplett geöffnet - extrem niedrige Wasserstände im Elstermühlgraben, Elsterflutbett, Elster und Karl-Heine-Kanal waren die Folge. Anders als viele Leipziger vermuteten, hatte das mit der heute anstehenden Flutung des neuen Kanalstücks in Lindenau aber nichts unmittelbar zu tun, so Matthias Kopp vom Anglerverband Leipzig. "Dennoch appellieren wir an die Behörden, ähnliche Ablass-Aktionen nicht noch mal im Januar, sondern besser im November durchzuführen. Insbesondere die Quappe, um deren Wiederansiedlung wir uns seit 20 Jahren intensiv bemühen, hat im Januar ihre Laichzeit, nimmt jetzt enormen Schaden", warnte er. Zum Glück habe die Landestalsperrenmeisterei auf Bitten der Angler schon am Dienstagabend das Teilungswehr in Großzschocher langsam geöffnet. "Sonst wäre das alles zur Katastrophe für die Fische geworden." Kopp ist gespannt, wie sich die Flutung ab heute auf den Wasserstand im Lindenauer Hafen auswirkt. "Angeblich soll der um 70 Zentimeter sinken, dabei konnte ich dort schon bisher in meinen Wathosen, die bis zur Brust hinauf reichen, von einem Ufer zum anderen gehen."

Aus der Leipziger Volkszeitung vom 29.01.2015

Jens Rometsch

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