Volltextsuche über das Angebot:

19 ° / 10 ° Regenschauer

Navigation:
Google+ Instagram YouTube
Kaputte Schienen, alte Bahnen: Stellt der Freistaat Leipzig aufs Abstellgleis?

Kaputte Schienen, alte Bahnen: Stellt der Freistaat Leipzig aufs Abstellgleis?

Er ist Leipzigs Achillesferse - der öffentliche Personennahverkehr (ÖPNV). Denn ohne attraktive Beförderungsangebote wird die Stadt das rasante Bevölkerungswachstum nicht bewältigen können.

Voriger Artikel
Entenrennen als Höhepunkt: Rund 100.000 Besucher strömen zum Leipziger Wasserfest
Nächster Artikel
Nach Giftmüll-Razzia in Leipzig: Inhalt der Fässer analysiert – Stadt schließt Gefahr aus

Alte Tatra-Bahnen gehören auch 2014 noch zum Alltagsbild bei den Leipziger Verkehrsbetrieben. Die Fuhrparkerneuerung ist noch lange nicht abgeschlossen.

Quelle: André Kempner

Leipzig. Doch 25 Jahre nach der Wende liegt bei den Leipziger Verkehrsbetrieben (LVB) noch viel im Argen. Jede Menge alte, reparatur- und energieintensive Tatra-Bahnen fahren nach wie vor im Linienverkehr. Das Schienennetz ist stellenweise so marode, dass Straßenbahnen nur im Schritttempo vorankommen. Der Ausbau der Haltestellen hinkt den Gesetzesvorgaben hinterher. Bei Fahrgästen sorgen ständig steigende Ticketpreise für Unmut. Mancher Politiker prognostiziert schon einen Anstieg auf vier Euro pro Fahrschein. Wer trägt Schuld an diesem Dilemma?

Für Michael Weichert liegt die Sache klar auf der Hand. "CDU und FDP haben beim ÖPNV zwischen 2010 und 2014 zirka 132 Millionen Euro gekürzt und die Bus-Förderung reduziert", wirft der Direktkandidat der Grünen der sächsischen Landesregierung vor. Der Freistaat erhalte aus einem Bundestopf jährlich 90 Millionen Euro für die Verbesserung der kommunalen Verkehrsinfrastruktur. Weichert: "Wir wollen statt der aktuell nur 14,7 Prozent zukünftig 70 Prozent dieser Gelder für Bus und Bahn einsetzen."

Auch Volker Külow, Direktkandidat der Linken, sieht das Land in der Pflicht. "Wir sind der Auffassung, dass der Freistaat die Kommunen bei der Aufgabe des ÖPNV in stärkerem Umfang unterstützen sollte, insbesondere bei den nötigen Investitionen in Gleisanlagen, Haltestellen und Fahrzeuge sowie beim Bau der Instandhaltungszentren." Nur so könnten die LVB ihr jährliches Investitionsvolumen von rund 60 Millionen Euro auf Dauer halten. Auch die Anpassung des LVB-Netzes an das Mitteldeutsche S-Bahn-Netz erfordert nach den Worten von Külow weitere Investitionen.

Derlei Kritik an der Landesregierung hält Sven Morlok für völlig abwegig. "Bei der LVB gibt es einen erheblichen Instandhaltungsrückstau, da die Stadt Leipzig auf Grund ihrer hohen Verschuldung nicht in der Lage war, die Eigenmittel für Investitionen aufzubringen", hält der FDP-Kandidat dagegen. "So fahren in Leipzig noch die alten Tatra-Bahnen, welche in Dresden schon lange durch moderne Fahrzeuge ersetzt wurden." In dasselbe Horn bläst Wolf-Dietrich Rost vom Koalitionspartner CDU. "Die Probleme mit den zerschlissenen Gleisanlagen, veralteten Fahrzeugen und dem Investitionsstau bei den LVB sind hausgemacht", ist der Landtagskandidat überzeugt. "Seit Jahren gehen die finanziellen Zuwendungen der Stadt an die Verkehrsbetriebe erheblich zurück." Leipzig und die LVB hätten es in den letzten Jahren versäumt, die staatlichen Fördermöglichkeiten ausreichend zu nutzen. Die Verkehrsbetriebe in Chemnitz und Dresden seien da erfolgreicher gewesen. Rost: "Demzufolge verfügen sie über einen moderneren und attraktiveren Fahrzeugbestand und ein besseres Schienennetz als Leipzig. Hier hat es auch in der Vergangenheit falsche strategische Entscheidungen der alten Geschäftsführung unter Herrn Hanns gegeben."

Wirtschaftsminister Morlok erinnert daran, dass der Freistaat "trotz einer angespannten Haushaltslage" 2010 zugesagte zehn Millionen Euro für das Technische Zentrum Heiterblick bereitgestellt hat. Außerdem habe er sich mit der LVB-Geschäftsführung getroffen, um Investitionsschwerpunkte abzustimmen. Morlok: "Ergebnis war, neben den laufenden Investitionen in die Schieneninfrastruktur, die Modernisierung des Betriebshofes Dölitz und die Ersatzbeschaffung für die Tatra-Bahnen zu ermöglichen." In der Folge seien die Projekte Lützner-, Wurzner- und Karl-Liebknecht-Straße, die Antonienbrücke und der Betriebshof Dölitz unterstützt worden. Die Fördermittel in Höhe von 50 Prozent für die Beschaffung neuer Straßenbahnen seien im Landeshaushalt eingestellt.

"Der ÖPNV muss für jeden nutzbar sein, darum auch für jeden bezahlbar", fordert SPD-Direktkandidat Sebastian Walther. "Überall ist der ÖPNV ein Zuschussgeschäft für die Kommunen, darum hängen die Ticketpreise letztlich an deren finanzieller Ausstattung." Sachsen wirft er vor, seit Jahren die Zuschüsse für den ÖPNV an die Kommunen nicht angepasst zu haben - trotz steigender Energiekosten und Löhne. Walther: "Wenn der Freistaat die Kommunen mit dieser Last allein stehen lässt und lieber seinen Haushalt saniert, lösen diese natürlich zuerst ihre Pflichtaufgaben: Schulen, Kitas, öffentliche Sicherheit. Dies ist gerade für eine wachsende Stadt mit hohen Kosten verbunden. Das bedeutet, dass am Ende das Geld für Investitionen, unter anderem in den ÖPNV fehlt." Der SPD-Politiker wirbt daher für eine fairere Finanzpolitik. "Sparen ist wichtig für die Leistungsfähigkeit unseres Freistaates", argumentiert Walther, "aber auf Kosten der Bürger den Haushalt zu sanieren ist sozial ungerecht.

Mit dem Masterplan "Sachsentakt 21", so Grünen-Wahlkämpfer Weichert, habe seine Partei ein Konzept für ein "vernetztes, vertaktetes und kundenfreundliches Bahn- und Bussystem sowie ein sachsenweites Mobilitätsticket für Menschen mit geringen Einkommen" vorgelegt. Für diesen integrierten Taktfahrplan wollen die Grünen jährlich 50 Millionen Euro zusätzlich investieren und Straßenneubaumittel kürzen. Weichert: "Damit wird der ÖPNV wesentlich attraktiver, hat Mehreinnahmen und kann auf Preiserhöhungen verzichten."

Die Linke geht sogar noch einen Schritt weiter. "Langfristig", so Külow, "plädieren wir für die Einführung des fahrscheinlosen ÖPNV durch einen Bürgerentscheid auf der Grundlage eines seriösen Finanzierungskonzepts." Außerdem fordert seine Partei den Freistaat auf, die Schüler- und Ausbildungsverkehrsfinanzierung komplett zu übernehmen. Denn weder die Kommunen noch die Schüler und ihre Eltern seien für Schulschließungen, Zusammenlegungen von Berufsschulen und damit verbundenen weiten Wege verantwortlich. "Um die Fahrpreise angemessen zu halten", so CDU-Kandidat Rost, "muss sich die Stadt Leipzig wieder mehr für die Verkehrsbetriebe engagieren".

Ein Schlüssel für einen bezahlbaren ÖPNV liegt nach Auffassung der Liberalen allerdings auch in Berlin. "Leider erhöhen sich die laufenden Kosten der LVB durch die falsche Energiepolitik in Berlin", erklärt Morlok. Allein die Änderungen beim Erneuerbare-Energien-Gesetz belasteten die LVB mit 350 000 Euro pro Jahr. Morlok: "Letztendlich zahlt der Fahrgast die Zeche für das Versagen von CDU und SPD in Berlin."

Aus der Leipziger Volkszeitung vom 18.08.2014

Klaus Staeubert

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr aus Lokales
  • Lachmesse Leipzig 2017

    Vom 15. bis 20. Oktober 2017 werden in Leipzig wieder massiv die Lachmuskeln gereizt. Über 180 Künstler kommen zur Lachmesse. mehr

  • Lichtfest Leipzig 2017

    Alljährlich am 9. Oktober erinnert das Lichtfest Leipzig auf dem Augustusplatz an die Ereignisse im Herbst 1989. Hier gibt es alle Infos. mehr

  • Leipziger Opernball 2017

    Schwungvoll im Dreivierteltakt: Der Leipziger Opernball „Moskauer Nächte“ lädt am 4. November aufs Parkett. Hier finden Sie Infos und Fotos zum Event. mehr

  • Touristik & Caravaning
    Themen, Tickets, Öffnungszeiten: Die wichtigsten Infos zur Messe Touristik & Caravaning (TC) 2017 im Special auf LVZ.de

    Urlaubsstimmung im Novembergrau: Alle Infos und News zur Reisemesse Touristik & Caravaning (TC) 2017 in unserem Special. mehr

  • LVZ-Kreuzfahrtmesse
    Infos zur LVZ-Kreuzfahrtmesse

    Kommen Sie an Bord: Am Sonntag, 22. Oktober 2017, laden LVZ und Vetter Touristik zur 1. Kreuzfahrtmesse in das LVZ Verlagsgebäude ein. mehr

  • Zeitung in Schulen

    Herzlich willkommen bei den Schulprojekten der Leipziger Volkszeitung und ihrer Regionalausgaben. mehr

  • Leserreisen
    Leserreisen

    Kreuzfahrt in der Karibik, Städtetour durch die Toskana oder Busreisen in Deutschland - die Leserreisen der LVZ bieten für jeden Anspruch genau das... mehr

Wie weiter nach der Grundschule? Unsere Übersicht aller Gymnasien, Oberschulen und Freien Schulen in Leipzig will Eltern bei der Auswahl der passenden Bildungseinrichtung für ihr Kind unterstützen. mehr

  • Leipzig Wiederentdeckt
    Leipzig Wiederentdeckt

    Die 13 Filme schildern eine einzigartige Zeitreise durchs 20. Jahrhundert der Stadt Leipzig – von den Anfängen des Films bis zur Wendezeit. Mit bis... mehr

  • Leipzig-Album
    Leipzig-Album

    Welche Ereignisse sind den Bürgern der Messestadt besonders in Erinnerung geblieben, welche Orte oder Gebäude sind verschwunden oder haben sich gew... mehr

Eine Multimedia-Reportage rund um die Leipziger Eisenbahnsstraße, die sich vom Problemkiez zum Hipsterviertel wandelt mehr

Ob zur Entspannung, in der Mittagspause oder zum Spaß mit Freunden. Auf unserer Spieleseite können Sie wählen zwischen Denksport-, Geschicklichkeits-, Such- und Sportspiele. Probieren Sie es aus im Spieleportal von LVZ.de. mehr