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Lokales Karli-Händler müssen Leuchtreklamen abmontieren
Leipzig Lokales Karli-Händler müssen Leuchtreklamen abmontieren
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21:26 31.07.2018
Der Italiener La Strada musste seine große Leuchtreklame abmontieren. Kellnerin Katja Hellriegel hat dafür wenig Verständnis. Quelle: Kempner
Leipzig

Am Restaurant La Strada wurde sie bereits abgeschraubt, auch der Piercing & Headshop hat seine Leuchtreklame eingemottet. Die Stadt Leipzig geht auf der Karl-Liebknecht-Straße aktuell gegen Geschäfte und Lokale vor, die für ihre Werbeanlagen keine offiziellen Genehmigungen haben. Das Amt für Bauordnung und Denkmalpflege hat mehrere Gewerbetreibenden und Gastronomen Strafen angedroht, wenn diese ihre teilweise bereits vor Jahren angebrachten Leuchtkästen nicht entfernen. Einen Bericht des „Karli-Blog“ bestätigte die Stadtverwaltung am Dienstag auf Nachfrage. Nach Informationen von LVZ.de sind neben der Südvorstadt noch weitere Viertel betroffen.

„Seit neun Jahren hat sich niemand an meiner Leuchtreklame gestört“, erzählt Thomas Steinhof, Geschäftsführer des Piercing & Headshop. Bereits seit 2009 betreibt der 41-Jährige sein Wasserpfeifengeschäft mit angeschlossenem Piercingstudio in der Karl-Liebknecht-Straße 93. Nun soll er mehr als 500 Euro zahlen, weil er seine Leuchtwerbung an der Fassade des denkmalgeschützten Mehrfamilienhauses nicht mit dem Amt abgestimmt hat – 200 Euro Zwangsgeld plus Verwaltungsgebühren. Bereits im Januar mahnte ihn die Stadt deshalb ab. Steinhof wurde im Rathaus vorstellig, hoffte auf einen Kompromiss. „Ich hätte auch die 200 Euro gezahlt“, sagt er. Doch die Verwaltung pochte auf den Denkmalschutz. Die Reklame müsse entfernt werden, hieß es.

Eingelagert: Der Piercing & Headshop in der Karli musste seine Leuchtreklame abbauen. Quelle: Kempner

„Immer mehr und immer dominantere Werbeanlagen

Auf Anfrage von LVZ.de erklärt Kathrin Rödiger, die Leiterin des Amts für Bauordnung und Denkmalpflege, dass sich „ungenehmigte Werbung“ auf der Karli zuletzt gehäuft habe. Mitunter seien „ganze Erdgeschosszonen“ betroffen. „Aufgrund der Vielzahl der Freisitze, die öffentlichen Straßenraum einnehmen, werden immer mehr und immer dominantere Werbeanlagen installiert“, stellt die Amtsleiterin fest. Anlass für die jüngsten Kontrollen sei nicht nur die 2015 abgeschlossene Sanierung der Kneipenmeile. „Auch beschweren sich mittlerweile viele Ladennutzer, welche genehmigte Werbeanlagen installiert haben, dass das Flair der Karli und die Aufenthaltsqualität durch massives Werben beeinträchtigt werde“, so Rödiger weiter.

Gibt es auf der Karli zu viel Leuchtreklame?

Auf der Karli müssen mehrere Händler ihre Leuchtreklame entfernen. Die Stadt hat bereits Geldstrafen verhängt.

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Die Klagen anderer Gewerbetreibender betrafen offenbar vor allem den Abschnitt zwischen Südplatz und Kurt-Eisner-Straße. „In diesem Bereich wurde eine Vielzahl von nicht genehmigten Werbeanlagen festgestellt“, teilt Rödiger mit, ohne genaue Zahlen zu nennen. Zu den betroffenen Lokalen auf der Kneipenmeile gehört auch der Italiener La Strada, der deshalb seine Leuchtreklame vor einigen Tagen demontiert hat. Sie soll durch ein Schild ohne Beleuchtung ersetzt werden, erklärte eine Mitarbeiterin auf Anfrage von LVZ.de.

Strenge Regeln für neue Leuchtreklamen

Für Leuchtreklamen an Kulturdenkmalen gelten laut Stadtverwaltung strenge Vorgaben. Nicht zulässig seien Werbeanlagen, die die Architektur beeinträchtigen, keinen Bezug zur Schaufenstergliederung haben oder diese verdecken. Die Reklamen dürfen zudem gestalterisch und farblich nicht im Widerspruch zur Architektur stehen, eine Größe von 60 mal 60 Zentimetern überschreiten sowie „das Baudenkmal zum Werbeträger umfunktionieren“. Bei älteren Anlagen gebe es auch keinen Bestandschutz.

Von der Leuchtreklame in der Karli 93 sind noch die Umrisse an der Fassade zu sehen. Ein genehmigungsfähiger Ersatz würde mehr als 2000 Euro kosten. Quelle: Kempner

Empfohlen seien Werbeschriftzüge mit Einzelbuchstaben, die über eine Metallschiene an der Fassade befestigt sind. Headshop-Chef Steinhof müsste dafür das Konzept einer Werbeagentur bei der Stadt vorlegen. Die Genehmigung könnte sich über mehrere Monate hinziehen. Die Kosten würden sich schnell auf mehr als 2000 Euro summieren, rechnet er vor – zusätzlich zur Strafe, die er wohl oder übel zahlen muss. „Das können wir uns einfach nicht leisten.“

Leuchtreklamen haben in Leipzig eine lange Tradition. Die Messestadt galt einst als Hauptstadt der Neonwerbeanlagen in der DDR. Sie strahlten vor allem in der Innenstadt von Fassaden und Dächern. Erst am Donnerstag kehrte mit dem Faust-Zitat „Mein Leipzig lob‘ ich mir“ und dem viersprachigen Schriftzug „Willkommen in Leipzig“ auf dem Dach der Höfe am Brühl eine historische Leuchtreklame in die City zurück. Die Löffelfamilie schlürft seit 2011 wieder ihre Suppe am Feinkost-Gelände – die aufwendig sanierte Reklame dürfte eines der meistfotografierten Motive der Südvorstadt sein.

Eine Zeitreise durch die Welt der DDR-Leuchtreklamen in Leipzig: Historische Bilder aus fünf Jahrzehnten und aktuelle Fotos zeigen, wie sich die Stadt an vielen Orten verändert hat.

Ärger auch in Plagwitz und der Innenstadt

„Die Karl-Liebknecht-Straße ist voll mit Leuchtreklamen, das macht das bunte Flair hier aus“, findet Steinhof. Die Stadt will jedoch ihre Kontrollen ausweiten. Die Dokumentation der Werbeanlagen auf der Karli erfolge abschnittsweise, kündigt Amtsleiterin Rödiger an. Wie Gastronomen berichten, sind auch schon andere Viertel in Leipzig betroffen. So sollen Läden auf der Karl-Heine-Straße in Plagwitz und in Innenstadt-Passagen ebenfalls von der Stadt abgemahnt worden sein. Die Amtsleiterin wollte sich dazu auf Anfrage nicht äußern. Sie verwies nur allgemein auf die Genehmigungspflicht – weitere Abmahnungen nicht ausgeschlossen.

Von Robert Nößler

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