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Karli-Händler ziehen Baustellenbilanz

Leipziger Südvorstadt Karli-Händler ziehen Baustellenbilanz

Die Einzelhändler und Gastronomen auf der Karl-Liebknecht-Straßen haben die Bauphase überstanden. Sie blicken zuversichtlich in die Zukunft.

Seine Geschäftsumsätze sind während der Bauphase nur minimal zurückgegangen: Dietmar Rauch von Haushaltswaren Rauch.

Quelle: Dirk Knofe

Leipzig. Seit knapp fünf Monaten ist sie wieder befahrbar. Die Karl-Liebknecht-Straße im Süden der Leipziger City wurde von 2013 bis 2015 runderneuert. Auf dem Peterssteinweg bis hoch zum Südplatz wurde die Straßenbahntrasse und die Fahrbahn saniert, Trink- und Abwasserkanäle instand gesetzt. Jeder Fahrradfahrer oder Fußgänger, der sich durch die Baustelle wagte, begab sich auf einen kleinen Abenteuertrip. Schwierig war die Situation auch für die anliegenden Geschäfte, Händler und Gastronomen.

Schwindende Umsätze

Traditionell ist die Karl-Liebknecht-Straße die Lebensader in der Südvorstadt – unzählige Kneipen laden mit ihren Freisitzen zum Verweilen ein. „Während der Bauphase hatten wir gravierende Umsatzeinbußen“, erinnert sich Andreas Bürger, Inhaber des Volkshauses. „In der Zeit, als wir direkt betroffen waren – sprich die Straße bis zu unserer Häuserkante aufgerissen war – sank der Umsatz um etwa 60 Prozent. Kein Gast hat natürlich Lust sein Bier direkt neben einer Baugrube zu Trinken.“

Nur bedingt auf die Atmosphäre vor der Ladentür ist zum Beispiel Manuel Roth, Inhaber des Schreibwarengeschäftes Rothstift, angewiesen. Er blickt weniger kritisch auf die Baustellenzeit zurück. „Erfreulicherweise ist uns die Kundschaft treu geblieben“, sagt er. Zwar sei weniger Laufkundschaft da gewesen. Aber die Leute, die gekommen seien, hätten gezielt den Weg in den Laden gesucht. Zusammenfassen lässt sich die wirtschaftliche Situation während der Bauphase laut Roth etwa so: 20 Prozent weniger Kunden, aber nur 10 Prozent weniger Umsatz.

Wachsende Umsätze

Dass die Gewerbe der Karli noch nicht wieder auf Vorbaustellenniveau sind, darüber sind sich der Gastronom Andreas Bürger und Schreibwarenhändler Manuel Roth einig. „Über die gesamte Zeit der Baustelle haben wir ein Drittel an Umsatz eingebüßt und auch noch nicht wieder rausgeholt“, so Bürger. Allerdings stehe der Frühling und Sommer erst vor der Tür und der Inhaber des Volkshauses ist zuversichtlich, dass die Zahlen wieder steigen.

Manuel Roth erklärt sich das so: Die Wege der Kunden hätten sich in den zwei Jahren geändert. „Außerdem denke ich, dass die Parksituation für einige ein Grund sein wird, weniger auf der Karli einzukaufen.“

Weniger Parkplätze

Das verringerte Angebot von Parkplätzen sieht auch Susanne Reimann kritisch. Sie und ihr Mann Falk Reimann führen den Kinderladen Wildfang. „Vor dem Umbau hatten wir Parkflächen direkt vor der Tür, die fehlen uns jetzt. Viele Kunden halten jetzt nicht mehr so schnell an.“ Auf der anderen Seite liegt ihr Geschäft jetzt genau an der versetzten Haltestelle Hohe Straße. „Das ist natürlich ein Vorteil für uns und bringt uns auf diesem Wege mehr Kunden.“ Rückblickend auf die Baustellenphase resümiert die 38 Jährige: „In dem halben Jahr der Vollsperrung haben wir schon gemerkt, wie die Laufkundschaft fehlt. Wir hatten einen Umsatzrückgang von 30 bis 40 Prozent.“ Mittlerweile haben sich die Verkaufszahlen aber wieder stabilisiert.

Nicht alle Geschäfte betroffen

Völlig entspannt blicken Dietmar Rauch von Haushaltswaren Rauch und Carsten Nitschke von Husky Outdoor auf die Bauphase zurück. „Unsere Verkaufszahlen sind sogar leicht gestiegen“, sagt Nitschke. „Unsere Kunden sind weniger die klassische Laufkundschaft, als die gezielten Einkäufer. Zudem sind wir noch relativ frisch auf der Karli beziehungsweise im Peterssteinweg“, erläutert er seine Einschätzung. Wie die Zahlen sich ohne die Baustelle entwickelt hätten, lässt sich natürlich nur spekulieren. „Generell sind wir mit unserem Standort hier sehr zufrieden.“

Für Dietmar Rauch seien die Umsatzeinbußen während der Bauphase weniger dem Standort oder der Straßensperrung,als dem Angebot des Geschäftes geschuldet. „Unser Sortiment ist natürlich sehr breit gefächert, so dass wir von Haus aus eine große Kundschaft ansprechen.“ Nur etwa fünf bis 10 Prozent Einbußen habe sein Geschäft gehabt. „Und die haben wir schon wieder rausgeholt. Persönlich habe ich sogar das Gefühl, dass wir einen leichten Zuwachs erleben.“

Zukunftsaussichten

Auch Frank Thiel von der IG Karli blickt zuversichtlich in die Zukunft. „Die Neugestaltung der Karli stand zwar ganz unter dem Aspekt der Funktionalität – der Reiz des Unfertigen und Unregulierten wurde weggebaut. Aber ich bleibe optimistisch, dass die Karli aus innerer Kraft und mit Kreativität diesen Verlust kompensieren kann und die Gäste und Kunden der Straße die Treue halten werden.“

Dass die Karli immer noch und wieder für Kunst, Kultur und Kreativität steht, davon können sich alle Interessierten am 16. April überzeugen. Dann wird die Karli wieder zur Festmeile: Das fünfte Karli-Beben lockt mit Musik, Flohmarkt und vielen Aktionen.

Von Tatjana Kulpa

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