Menü
Leipziger Volkszeitung | Ihre Zeitung aus Leipzig
Anmelden
Lokales Karpfensterben im Schladitzer See: Bereits knapp zwei Tonnen Fisch abtransportiert
Leipzig Lokales Karpfensterben im Schladitzer See: Bereits knapp zwei Tonnen Fisch abtransportiert
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
23:59 05.05.2015
Der Anblick, der sich Spaziergängern am Schladitzer See derzeit bietet: Mitglieder der Anglervereine Wolteritz und Nördliche Rietzschke fischen zwei Mal pro Woche tote Karpfen aus dem Wasser. Quelle: Alexander Bley

Genauer gesagt sind es kapitale Karpfen, die für ein Novum an dem See sorgen. "Das tut in der Seele weh", sagt Friedrich Richter, der Geschäftsführer des Anglerverbandes Leipzig, dessen Telefon seit ein paar Tagen kaum Verschnaufpausen kennt. Beunruhigte Spaziergänger melden sich, weil sie unzählige der leblosen Schuppentiere am Ufer entdecken.

Dabei handelt es sich nur um ausgewachsene Karpfen. Knapp zwei Tonnen des Speisefisches haben Vereins- und Verbandsmitglieder schon abtransportiert. Ein Ende ist bisher noch nicht abzusehen. "Das wird uns die nächsten zwei Wochen noch begleiten", ist sich Richter sicher.

Auch die Wolteritzer Angler sind beim Anblick, der sich ihnen rund um den See bietet, sprachlos. "Da blutet das Herz", sagt Hartmut Peter, als er Montagabend den ersten Fisch entdeckt, "das macht keinen Spaß." Es sollen noch 30 weitere werden. Zwei Stunden sind die Petrijünger unterwegs. Mindestens zweimal in der Woche holen sie die Kadaver aus dem Wasser und verfrachten diese in Mülltüten. Norbert Jahnke kommt in seiner Wathose kaum hinterher, zieht einen Fisch nach dem anderen an Land. "Was ist mit denen, die nicht an Land gespült werden?", fragt er sich.

Grit Bräuer vom Fischgesundheitsdienst gibt Entwarnung für das Gewässer, weil dieses nicht intensiv bewirtschaftet wird. Auch die Untersuchungen im Labor und vor Ort ergaben an den Tieren keine Anhaltspunkte auf gefürchtete Krankheiten wie Koiherpes und Frühjarsvirämie.

Für das nicht alltägliche Phänomen, das massive Karpfensterben, hat sie dennoch eine Erklärung. Denn alle Fische weisen in etwa ein ähnliches Alter auf. Mit etwa 20 Jahren gehören die meisten Exemplare zu den eher betagten. Außerdem handelt es sich bei dem Gros der Cypriniden um Damen, die voll im Laich stehen. Der milde Winter hat den normalen Zyklus beschleunigt. "Die Karpfen befinden sich kreislaufmäßig in einem Ausnahmezustand", erklärt die Fachtierärztin.

Diese wird in solchen Fällen vom Pächter des Gewässers, also dem Anglerverband, verständigt. Genauso wie das Veterinäramt des Landkreises Nordsachsen. Es folgen Untersuchungen und Ortstermine. Danach werden die toten Fische von Verbandsmitgliedern eingesammelt, später in der Tierkörperverwertung verbrannt.

"Das ist bei den Karpfen fast der einzige Fall in den vergangenen Jahren", erinnert sich Bräuer und betont nochmals, dass die Fische nicht krank sind. Dennoch sollen die toten Tiere keinesfalls von Spaziergängern angefasst werden, des Schleimes wegen. Der schützt sonst die Flossenschwimmer vor Bakterien. Genau diese könnten nach kleinen Verletzungen Entzündungen begünstigen. Auch auf Hunde sollte deshalb aufgepasst werden. Und das noch eine ganze Weile, denn ein Ende des Karpfen-sterbens ist noch nicht abzusehen.

Aus der Leipziger Volkszeitung vom 06.05.2015

Alexander Bley

Kommentare
Die Debatte geht am Morgen weiter
Die Kommentarfunktion ist zwischen 23:00 und 06:00 Uhr nicht aktiv – denn wir wollen eine gute Moderation der Beiträge gewährleisten.
Wir freuen uns am Morgen über Ihre konstruktiven Beiträge zum Thema!

Schlechte Neuigkeiten für die Pläne, am Lindenauer Hafen ein Wohngebiet für 1000 Menschen zu errichten. Mit der Leipziger Firma Arcadia hat am Dienstag der Hauptinvestor die Segel gestrichen.

05.05.2015

Noch vier Tage bis zur Weihe der neuen Propsteikirche in der Nonnenmühlgasse. Für die 4700 Mitglieder der katholischen Pfarrei St. Trinitatis ist der 9. Mai ein Meilenstein.

05.05.2015

Ungewöhnliche Reaktionen hat der Plan der Stadtverwaltung ausgelöst, die Merseburger Straße zwischen der Miltitzer Straße und der Straße Am Rain zu sanieren.

05.05.2015