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Lokales Karstadt Leipzig schickt seinen Mitarbeitern die Kündigung
Leipzig Lokales Karstadt Leipzig schickt seinen Mitarbeitern die Kündigung
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09:17 30.08.2018
Mit einer Menschenkette hatten Karstadt-Mitarbeiter im Mai für den Erhalt ihres Warenhauses in Leipzig protestiert. Quelle: André Kempner
Leipzig

Der Schritt kam nicht unerwartet: Bereits vor zweieinhalb Wochen hatte Karstadt in einer Betriebsversammlung angekündigt, wohl bis Ende des Monats allen Mitarbeitern in Leipzig die Kündigung zu schicken. Jetzt haben die 400 Mitarbeiter im Warenhaus die traurige Gewissheit: Am Mittwoch erhielten die ersten die Kündigung.

„Heute und morgen erhalten die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter die Kündigungen“, sagte Warenhaus-Chef Michael Zielke der LVZ. Gekündigt werde allen zum 31. März – am selben Tag soll dann auch das Warenhaus schließen. „Es ist schlimm, dass wir diese Entwicklung nicht aufhalten konnten.“ Grund: „Die Karstadt-Filiale in Leipzig war vom Vermieter mit Wirkung zum 31. 3. 2019 gekündigt worden. Alternativ hatten wir ein Angebot mit einer fast 70-prozentigen Mieterhöhung bekommen. Eine solche Mietsteigerung nimmt uns wirtschaftlich die Luft zum Atmen.“

Verhandlungen mit dem Vermieter hätten zu keinem Ergebnis geführt. Bereits vor einer Woche hatte Zielke im Interview mit der LVZ angekündigt, dass man sich nun auf den Auszug vorbereite. Daher, so ein Unternehmenssprecher, habe man nun die Kündigungen verschicken müssen. Denn langjährige Mitarbeiter hätten sieben Monate Kündigungsfrist. Und das betreffe 80 Prozent der Kollegen im Haus. Das Enddatum 31. März gelte aber für alle, auch für diejenigen, die eigentlich eine kürzere Frist hätten, fügte der Sprecher hinzu.

Ersatzarbeitsplätze in München, Duisburg und Berlin angeboten

Kritik kam von der Gewerkschaft. Zwar hat Karstadt nach eigenen Angaben allen Betroffenen eine Versetzung in ein anderes Warenhaus angeboten – das sei aber oft am anderen Ende der Republik. „Das ist völlig unzumutbar“, kritisierte Jörg Lauenroth-Mago von der Gewerkschaft Verdi. Zudem sei mit den Betroffenen vorher nicht darüber gesprochen worden, wer sich einen Wechsel wohin vorstellen könne. „Ich hätte erwartet, dass man sich ernsthafter um Alternativen und Ersatzarbeitsplätze kümmert und das nicht so lapidar mitteilt“, so der Gewerkschafter,

Betroffene berichten von Angeboten aus München, Duisburg oder Berlin. Und wer das nicht annehme, sei automatisch gekündigt. Es habe aber auch Angebote aus Dessau, Dresden oder Erfurt gegeben, sagte der Karstadt-Sprecher. Man habe halt nur solche Stellen anbieten können, die gerade frei seien. „Und in Leipzig gibt es ab April kein Karstadt-Warenhaus mehr.“ Und auch in den Nachbarstädten Halle und Gera sei man nicht vertreten.

Einen Hoffnungsschimmer für die Gekündigten gibt es aber noch: Sollte der Streit mit dem Vermieter doch noch beigelegt werden und der Mietvertrag verlängert werden, werden auch die Kündigungen zurückgenommen. So steht es laut Verdi in dem Sozialplan, den Karstadt Anfang des Monats mit dem Betriebsrat vereinbart hat. „Dort ist festgehaltenen, dass die Mitarbeiter dann unter den alten Konditionen weiterbeschäftigt werden“, sagte Lauenroth-Mago.

Entlassene erhalten Abfindung und eine Transfergesellschaft

Vereinbart wurden zudem Abfindungen – nach LVZ-Informationen 0,5 Monatsgehälter pro Beschäftigungsjahr – und auch eine Transfergesellschaft, in der sich die Entlassen sechs Monate lang qualifizieren können. Die stehe allen Mitarbeitern offen, die den angebotene Wechsel in ein anderes Warenhaus nicht annehmen wollen, sagte der Karstadt-Sprecher.

Bereits am vergangenen Donnerstag hat sich die Transfergesellschaft auf einer Betriebsversammlung im Warenhaus vorgestellt. Nach LVZ-Informationen soll sie bereits im Januar starten – und damit drei Monate vor der geplanten Schließung des Warenhauses. Das Weihnachtsgeschäft im Dezember werde Karstadt noch mitnehmen, im Januar dann mit dem Ausverkauf starten, ist im Warenhaus zu hören. Das Unternehmen selbst wollte das nicht bestätigen.

Viel lieber wäre man in dem Haus geblieben, sagte Zielke. „Wir haben mit dem Eigentümer wochenlang verhandelt – auch unter der engagierter Moderation des Oberbürgermeisters“, so der Warenhauschef. „Aber der Vermieter hat sich nicht so bewegt, dass wir zu wirtschaftlich vertretbaren Bedingungen an diesem Standort bleiben können.“

Von Frank Johannsen

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