Menü
Leipziger Volkszeitung | Ihre Zeitung aus Leipzig
Anmelden
Lokales Karstadt in Leipzig ist Geschichte – Kaufhaus wird lange leer stehen
Leipzig Lokales Karstadt in Leipzig ist Geschichte – Kaufhaus wird lange leer stehen
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
19:37 08.02.2019
Die letzten Kunden stöberten am Freitag in den Restbeständen des Karstadt-Kaufhauses in Leipzig. Am Mittag schlossen sich die Türen für immer. Quelle: Kempner
Leipzig

Noch ein letztes Mal schoss die Wasserfontäne zum Song „Time to say goodbye“ in die Höhe, dann war Schluss: Das Karstadt-Kaufhaus in der Leipziger Innenstadt ist seit Freitagmittag endgültig Geschichte. Um 12 Uhr schlossen sich nach 104 Jahren die Türen des Warenhauses in der Petersstraße für immer.

Ursprünglich sollte der Ausverkauf mit Sonderpreisen bis Samstag andauern. Doch schon Freitagmittag standen die Kunden vor verrammelten Türen. „Unsere Filiale ist heute ab 12:00 Uhr geschlossen!“ war auf Aushängen zu lesen. Am Morgen hatte ein Kaufhaus-Sprecher noch 15 Uhr als Zeit für die Schließung avisiert. Manchen Leipzigern, die Abschied nehmen wollten, blieb dadurch ein letzter Besuch verwehrt.

Am Freitagmittag standen die Kunden vor verschlossenen Türen. Quelle: Anita Kecke

Das sagen die letzten Kunden

Bei den letzten Kaufhaus-Kunden schwankte die Stimmung zwischen Wehmut, Wut und Enttäuschung. „Bei Karstadt bekamen Sie alles auf einmal: Drogerie, Post, Lebensmittel, Kleidung... was will man mehr? So gut sortiert war keiner und das verschwindet jetzt einfach“, sagte Elisabeth Herzog. „Ich persönlich glaube, dass es vom Konzern beschlossen wurde, den Leipziger Karstadt zu schließen“, meinte Wolfgang Stoiber.

LVZ-Reporterin Katharina Storck sprach am letzten Öffnungstag mit Kunden des traditionsreichen Warenhauses.

Am Freitag wurden auch erste Pläne bekannt, wie es mit dem Haus weitergehen soll. Wie die Stadt mitteilte, plane der luxemburgische Eigentümer Even Capital in den unteren Etagen auch künftig eine Einzelhandelsnutzung. „Eigentümer und Stadt werden sich jetzt eng abstimmen und alles tun, um dieses traditionsreiche Haus wieder mit Leben zu füllen“, erklärte Oberbürgermeister Burkhard Jung (SPD). Über die Nutzung der oberen Etagen sei noch keine Entscheidung gefallen. Immobilienexperten halten dort Büroflächen für denkbar.

Eine lange Tradition geht zu Ende: Am Freitag hat Karstadt in Leipzig das letzte Mal geöffnet – überraschend kam die endgültige Schließung sogar schon einen Tag früher als angekündigt.

Ex-Kaufhaus wird mindestens ein Jahr umgebaut

Das Kaufhaus wird nun mindestens ein Jahr geschlossen bleiben – so lange werde der Umbau dauern. Zuvor müssten insbesondere noch baurechtliche Fragen geklärt werden, hieß es aus der Stadtverwaltung. Dies werde zusätzlich mehrere Monate in Anspruch nehmen. Fest stehe, dass die denkmalgeschützte Fassade des Gebäudes aus dem Jahr 1914 erhalten bleibe.

Die Kaufhaus-Besitzer hatten ihre Überlegungen zur Zukunft des Hauses in dieser Woche im Rathaus vorgestellt. „Wir hatten sehr vertrauensvolle Gespräche und sind uns mit dem Eigentümer einig, dass dieses Haus in bester Lage so schnell wie möglich weiterentwickelt und genutzt werden muss“, so Jung. Das ehemalige Kaufhaus solle sich langfristig zu einem zentralen Publikumsmagneten in der City entwickeln. Aufgrund der Schließung hatten zahlreiche Innenstadt-Händler ihr Sorge über einen Rückgang der Kundschaft geäußert (die LVZ berichtete).

Vor 100 Jahren zählte Leipzig mehr als ein Dutzend große Kaufhäuser. Doch mit Ausnahme von Karstadt in der Petersstraße sind sie alle längst zu.

Der Mietvertrag für das Kaufhaus war zu Ende März 2019 gekündigt worden, nachdem Karstadt eine Mieterhöhung von rund 68 Prozent nicht zahlen wollte. Bereits Ende August hatte Karstadt allen 230 Beschäftigten in Leipzig gekündigt. Seit vergangenem Oktober lief in dem Traditionshaus der Ausverkauf. Auf großen Werbetafeln hieß es: „Alles muss raus“ und „Grosser Abverkauf“. Nach dem Verkaufsschluss soll die Immobilie für die Übergabe hergerichtet werden.

Mitarbeiter klagen gegen Kündigungen

Vor dem Arbeitsgericht Leipzig wehren sich derzeit mehr als 50 Mitarbeiter gegen ihre Kündigung. Eine erste Klage war in der vergangenen Woche vom Leipziger Arbeitsgericht abgewiesen worden, weil das Gericht die Kündigung für begründet hielt (Az.: 3 Ca 2670/18), hatte ein Gerichtssprecher am Montag mitgeteilt. Am 22. Februar soll der nächste Fall verhandelt werden.

Mehr zum Thema: Wie geht es jetzt weiter mit dem Leipziger City-Handel?

Von LVZ/nöß/kast

Kommentare
Die Debatte geht am Morgen weiter
Die Kommentarfunktion ist zwischen 23:00 und 06:00 Uhr nicht aktiv – denn wir wollen eine gute Moderation der Beiträge gewährleisten.
Wir freuen uns am Morgen über Ihre konstruktiven Beiträge zum Thema!