Menü
Leipziger Volkszeitung | Ihre Zeitung aus Leipzig
Anmelden
Lokales Karstadt macht in Leipzig viel früher dicht als geplant
Leipzig Lokales Karstadt macht in Leipzig viel früher dicht als geplant
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
06:57 09.10.2018
„Alles muss raus“: Weil das Kaufhaus im Leipziger Zentrum schließen muss, hat jetzt der große Ausverkauf begonnen. Quelle: André Kempner
Leipzig

Neue Hiobsbotschaft bei Karstadt: Das Warenhaus in der Leipziger City macht früher als gedacht zu. Nicht erst Ende März 2019, wenn der Mietvertrag ausläuft, sondern schon Ende Januar soll das Traditionshaus schließen, kündigte Karstadt-Anwalt Arnd Hüsch am Montag bei mehreren Güteterminen vor dem Leipziger Arbeitsgericht an. „Letzter Verkaufstag ist voraussichtlich der 31. Januar 2019.“ Zwar läuft der Mietvertrag dann noch zwei Monate. Doch die brauche man, um das Kaufhaus herzurichten. „Am 31. März muss die Immobilie besenrein übergeben werden.“

Bereits seit einer Woche läuft der Ausverkauf. Seinen 230 Mitarbeitern hatte Karstadt schon Ende August gekündigt – zum 31. März. Weitere 170 sind bei den Untermietern wie dm und Rewe betroffen. Sie sollen schon zum Jahresende ausziehen. Insgesamt fallen dadurch sogar 400 Jobs weg.

Vor Gericht ging es am Montag um fünf von insgesamt 54 Klagen von Mitarbeitern, die gegen ihre Kündigung vorgehen. Zwar hatte Karstadt allen eine Versetzung in eine andere Filiale angeboten – aber oft in München, Duisburg oder Berlin. Wer ablehnt, bekommt stattdessen eine Abfindung: ein halbes Monatsgehalt pro Beschäftigungsjahr. Lange verhandelt wurde vor Gericht am Montag nicht. Es ging zunächst nur darum, eine gütliche Einigung zu versuchen. Dafür gebe es keinerlei Spielraum, sagte Anwalt Hüsch. Im Fünf-Minuten-Takt stellte Richter Olaf Steffen dann fest, dass der Versuch einer gütlichen Streitbeilegung gescheitert sei – und setzte die Verhandlungen für den 21. März an. Dann dürfte das Warenhaus längst geschlossen sein.

Hintergrund ist der Streit mit dem neuen Vermieter Even Capital. Weil Karstadt sich nicht auf eine Mieterhöhung um 68 Prozent einlassen wollte, hatte der den Mietvertrag zum 31. März 2019 gekündigt. Statt bisher 6,8 Millionen Euro pro Jahr sollten künftig 11,3 Millionen Euro fällig werden. So viel war es schon vor der Karstadt-Insolvenz 2009 gewesen. In den Verhandlungen, die im Sommer liefen, sollen sich beide Seiten zwar angenähert haben. Dem Vernehmen nach lagen sie am Ende noch eine Million Euro auseinander. Das sei immer noch unbezahlbar, befand Karstadt – und beschloss, den Standort stattdessen wirklich zu schließen.

Vorwürfe, der Rauswurf komme Karstadt angesichts der bevorstehenden Fusion mit Kaufhof ganz gelegen, hatte Warenhaus-Chef Michael Zielke im Interview mit der LVZ zurückgewiesen. „Ich bin überzeugt, dass Leipzig mehrere Warenhaus-Standorte vertragen kann.“ Karstadt hat die Leipziger Immobilie 2002 an einen Immobilienfonds verkauft, der sie 2017 dann an den heutigen Vermieter weitergab. Dem künftigen Partner Kaufhof gehört dessen Leipziger Warenhaus dagegen nach wie vor selbst.

Von Frank Johannsen

Kommentare
Die Debatte geht am Morgen weiter
Die Kommentarfunktion ist zwischen 23:00 und 06:00 Uhr nicht aktiv – denn wir wollen eine gute Moderation der Beiträge gewährleisten.
Wir freuen uns am Morgen über Ihre konstruktiven Beiträge zum Thema!

Das Palmengartenwehr nimmt im Leipziger Hochwasserschutz eine Schlüsselrolle ein. Damit im Ernstfall alles funktioniert, prüft die Flussmeisterei die Anlage einmal im Jahr gründlich.

08.10.2018

Coffee to go – aber mit Pfand. Das soll es künftig auch in Leipzig geben. Ziel ist die Reduzierung von Müll. Informationen dazu gibt es am Mittwoch im Leipziger Rathaus.

09.10.2018

Studierende müssen in Deutschland immer mehr Miete bezahlen – auch in Leipzig. Im Vergleich mit München oder Frankfurt lebt es sich in der Messestadt aber weiterhin günstig. Das geht aus einer Studie des Instituts der deutschen Wirtschaft (IW) hervor.

09.10.2018