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Lokales Kassen zahlen künftig Vierfach-Impfstoff
Leipzig Lokales Kassen zahlen künftig Vierfach-Impfstoff
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23:48 05.04.2018
Stephan Helm, Geschäftsführer der Krankenhausgesellschaft Sachsen, fordert Reserven an Kliniken. Quelle: Pr
Leipzig

Gesetzlich versicherte Patienten in Deutschland bekommen künftig bessere Grippe-Impfungen von ihrer Krankenkasse bezahlt. Der Gemeinsame Bundesausschuss (GBA) aus Spitzenvertretern von Ärzten, Zahnärzten, Kassen und Kliniken beschloss gestern in Berlin, dass in der kommenden Grippesaison 2018/19 ein neuer Vierfach-Impfstoff zu verwenden ist. Damit wird gleichzeitig eine Empfehlung der Ständigen Impfkommission des Robert Koch-Instituts (rki) umgesetzt.

Vorausgegangen war eine wochenlange Diskussion, da der bisher meist genutzte Dreifach-Impfstoff laut Experten teils nur bedingt wirkt, weil er weniger Virenstämme abdeckt. Laut Deutscher Stiftung Patientenschutz zahlten allerdings nicht alle Kassen die empfohlene Vierfach-Impfung, sondern nur den halb so teuren Dreifach-Wirkstoff. Die Schutzimpfungen sind seit 2007 Pflichtleistungen der gesetzlichen Krankenkassen.

Kritik an den Krankenkassen kam gestern von der Krankenhausgesellschaft Sachsen. Geschäftsführer Stephan Helm sagte gegenüber der LVZ: „Mich irritiert schon die Länge des Zeitraums, der vergangen ist, bis der GBA eine Entscheidung treffen konnte, damit dann die Akteure vor Ort handeln können.“ Im Hinblick auf die Patientenversorgung sei das unangemessen. Helm monierte weiter, dass die Entscheidung nicht von den Krankenkassen selbst getroffen wurde. „Experten-Empfehlungen gab es ja zuhauf, dass der Vierfach-Impfstoff besser ist.“

Er kündigte an, dass man eventuell zusätzlich entstandene Kosten den Kassen in Rechnung stellen werde. Im vertragsärztlichen Bereich waren zuletzt Leistungen nicht mehr honoriert worden, weil das dafür vorgesehene Budget überschritten war. Helm warnte, dass die Krankenhausplanung des Freistaats gegenwärtig nicht auf derartige Situationen mit extrem wachsenden Versorgungsbedarf ausgerichtet sei. „Wir haben Häuser, die zurecht darauf hingewiesen haben, dass es keine erträgliche Situation ist, für solche Patienten zusätzliche Betten in Zwei-Bett-Zimmer oder auf die Gänge eines Krankenhauses zu stellen. Das ist kein akzeptabler Zustand“, so Helm. „Deshalb brauchen wir für solche Lagen Reserven.“ Dazu müssten an drei bis fünf Standorten in Sachsen zusätzliche Kapazitäten an Betten, Medizintechnik und Personal geschaffen werden. „In anderen europäischen Ländern ist das bereits der Fall“, sagte Helm.

Nach Angaben des rki waren infolge der Grippe in Sachsen mindestens 93 Menschen gestorben, in Thüringen mindestens 17. Deutschlandweit wird von 1095 Toten ausgegangen. Das dürfte die höchste Opferzahl seit 2010 sein. Mittlerweile gibt die Landesuntersuchungsanstalt für das Gesundheits- und Veterinärwesen leichte Entwarnung. „Der Höhepunkt der Grippewelle in Deutschland ist überschritten. Die Influenza-Aktivität ist deutlich gesunken, aber immer noch hoch“, hieß es.

Von Roland Herold

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