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Kaufhaus Held in Leipzig-Lindenau wird jetzt eine Wohnanlage

Sanierung hat begonnen Kaufhaus Held in Leipzig-Lindenau wird jetzt eine Wohnanlage

In Lindenau wird jetzt das völlig marode, historische Kaufhaus Held saniert und zu 50 Wohnungen sowie drei Läden umgebaut. Die 1913 eröffnete Handelsinstitution und deren frühere Besitzer – die jüdischen Brüder Moritz und Albert Held – haben eine besondere Geschichte.

Mit einem ungewöhnlich breiten Sortiment und vielen Schnäppchen-Angeboten eroberte das Lindenauer Kaufhaus einst die Herzen der Kundschaft. Ab 1929 galt Held mit 360 Beschäftigten als größtes und bestes Warenhaus im Leipziger Westen.

Quelle: privat

Leipzig. In Lindenau wird jetzt das völlig marode, historische Kaufhaus Held saniert und zu 50 Wohnungen sowie drei Läden umgebaut. Die 1913 eröffnete Handelsinstitution und deren frühere Besitzer – die jüdischen Brüder Moritz und Albert Held – haben eine besondere Geschichte.

Welche Bedeutung das Kaufhaus Held einst für den Stadtteil hatte, zeigte sich wohl am deutlichsten in der sogenannten Kristallnacht. Am Abend des 9. November 1938 zerstörten die Nazis auch in Leipzig Synagogen und etliche jüdische Geschäfte. Vor dem beliebten Kaufhaus an der Demmeringstraße 84 hatten sich indes viele Einwohner versammelt, um es vor Anschlägen zu schützen – mit Erfolg.

„Wir gehen zu Held“, sagten die Leipziger auch zu DDR-Zeiten, als in dem Viergeschosser mit Kuppelturm längst das staatliche Warenhaus Centrum einquartiert war. Der alte Name blieb sogar nach der Wende im Sprachgebrauch – als dort von 1990 bis 1995 Karstadt residierte. Anschließend riss die Erfolgsgeschichte jedoch ab. Es folgten hauptsächlich Leerstand und Sicherungsmaßnahmen gegen herabfallende Fassadenteile. „Das Dach ist undicht. Das Parkett hat sich gehoben“, sagt Stephan Praus. Er ist Geschäftsführer der Leipziger Firma Lewo Bau, die nun mit der denkmalgerechten Sanierung des ganzen Ensembles begonnen hat.

Bei jüngeren Einwohnern führt der Name „Kaufhaus Held“ mitunter zu Missverständnissen. Denn er steht seit vielen Jahren in blauen Lettern auch an einem anderen Gebäude, dessen helle Fassade an der Ecke Lützner Straße/Merseburger Straße leuchtet. Dieses Gebäude ist aber eigentlich das frühere Kaufhaus Hollenkamp, welches nach der deutschen Wiedervereinigung von einem Nürnberger Unternehmer erworben wurde. Er investierte 70 Millionen D-Mark in den Ausbau, vervierfachte die Handelsfläche und kaufte die Rechte an dem deutlich bekannteren Namen Held von Nachfahren der Familie. Es brachte ihm aber kein Glück. 1996 warf Hans Wiesend das Handtuch. Sein „Kaufhaus Held“ wurde nie ein richtiges Warenhaus, steht gegenwärtig leer.

Das historische Original hatten die Brüder Moritz und Albert Held geschaffen. Als junge Kaufleute zogen sie 1906 vom badischen Külsheim in den aufstrebenden Industriestandort im Leipziger Westen, eröffneten hier zunächst einen Eckladen an der heutigen GutsMuthsstraße. Weil sich der Laden bald als zu klein erwies, gingen sie im Mai 1913 mit einem größeren Projekt an den Start: das Kaufhaus in der Merserburger Straße 84 (Ecke Demmeringstraße). Auf zwei Etagen gab es dort ein für die Zeit ungewöhnlich breites Sortiment: Bekleidung, Stoffe, Teppiche, Gardinen, Korbwaren und vieles mehr.

1926 wurde die Verkaufsfläche in dem Gründerzeithaus auf eine dritte Etage ausgedehnt – zuvor hatten die vormaligen Mieter andere Wohnungen erhalten. 1929 folgte schließlich die letzte Erweiterung samt einem Anbau im Hof. Mit 360 Beschäftigten war Held nun das größte und beste Kaufhaus im Leipziger Westen. „Spare Geld – kauf bei Held!“, lautete ein Werbeslogan. Ansehen in dem Arbeiter-Stadtteil genossen die Besitzer vor allem auch wegen ihres sozialen Engagements. So wurde Schaufensterware an Bedürftige verschenkt, arbeitslose Einwohner erhielten täglich ein kostenloses Mittagessen im zweiten Stock. In der jüdischen Gemeinde Leipzigs spielten die Brüder ebenfalls eine wichtige Rolle, sie engagierten sich ehrenamtlich, gaben beträchtliche Spenden.

Nachdem Hitler an die Macht kam, wurde die Lage für die Helds immer schwieriger. Zum Beispiel wurde ein Sohn in der Gohliser Leibniz-Schule vor allen Schülern aufs Podium zitiert. Der Direktor sagte dann: „Ich habe die Ehre, Peter Held die Tür zu zeigen. Damit ist unsere Schule vollkommen judenrein.“ Noch vor Beginn des Zweiten Weltkriegs floh die Familie nach Großbritannien und Chile. Erst ein halbes Jahrhundert später erhielt sie das Haus in der Merseburger Straße zurück, verkaufte es an den Karstadt-Konzern.

Nach langem Leerstand wurde das arg ramponierte Baudenkmal von der Leipziger EBV Grundbesitz – einer Schwesterfirma der Lewo Bau – erworben. „Wir planen 50 Eigentumswohnungen, die bereits alle verkauft sind, und drei Läden im Erdgeschoss. Bis zum Baustart wurden noch nutzbare Flächen Leipziger Künstlern kostenlos zur Verfügung gestellt“, berichtet Praus. Nun ist das Haus eingerüstet.

Bei einem Investitionsvolumen von 14 Millionen Euro werde alles denkmalgerecht saniert. Zwei Fahrstühle, etliche Balkone und Terrassen an der Hofseite kommen neu hinzu. Auf einer benachbarten Brachfläche in der Demmeringstraße 43 entstehe ein Parkhaus für die Autos der künftigen Bewohner. „Durch einen Mix aus Solaranlage, Erdwärme, energiesparender Fußbodenheizung und Wärmerückgewinnung erfüllen wir die Vorgaben eines KfW-Denkmal-Effizienzhauses“, erläutert er. Im Herbst 2017 sollen die ersten Quartiere bezugsfertig werden. Dann sei an der Fassade auch wieder der historische Schriftzug „Gebr. Held“ zu sehen.

Von Jens Rometsch

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