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Lokales Kaum noch Kundschaft in der Bornaischen Straße - Händler in Not
Leipzig Lokales Kaum noch Kundschaft in der Bornaischen Straße - Händler in Not
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23:59 25.07.2013
Adele Voigt macht ihren Laden wegen der Baustelle dicht. Quelle: André Kempner

Denn wegen der beiden Baustellen kommen weder Autos noch Bahnen durch. Folge: Die Kundschaft bleibt aus. Ein Ende der Misere ist nicht abzusehen: Auch nach Fertigstellung der Bornaischen Brücke im Sommer 2014 wird in Connewitz gebaut.

Adele Voigt hat lange nachgedacht, bis zuletzt ernsthaft in Erwägung gezogen, wegen der Großbaustelle vor der Ladentür ihre Boutique Adele für immer zu schließen. "Schon die Sperrung der Brücke in der Bornaischen Straße macht mir zu schaffen, hält seit anderthalb Jahren die Kundschaft aus Markkleeberg fern. Meine Kunden benötigen Parkmöglichkeiten. Die kann ich wegen der Bauarbeiten nicht bieten", sagt die 55-Jährige. Die Reaktion auf ihre Gedankenspiele fiel heftig aus, es sollen sogar Tränen geflossen sein.

Letztlich machten der Ehemann, die Stammkunden und die Ankündigung des Hauseigentümers, die Miete ob der angespannten Lage zu senken, der Geschäftsfrau so viel Mut, dass sie von der Ultima Ratio abließ. Stattdessen nimmt sie Lärm und Dreck zum Anlass, länger als üblich Betriebsferien zu machen. "Ich führe die Boutique seit September 2002. In dieser Zeit habe ich pro Jahr höchstens eine Woche zugemacht. Jetzt werden es bestimmt zwei bis drei, vielleicht sogar vier Wochen." Das hänge von der Baustellen-Entwicklung ab. "Ich kann so gut wie nichts raushängen, der Staub zieht durch alle Ritzen."

Auch Hubertus Wistuba, Besitzer von Tinten-Toner-Stempel, hat Sorgen. "Wir sind hier eingeschlossen", schimpft der Ladenbesitzer. "Erst die Brücke, jetzt die Straße. Das ist eine doppelte Belastung und wir bekommen dafür noch nicht einmal Schadensersatz." Beide Baustellen zusammen kosten ihn nach eigenen Angaben rund 75 Prozent des üblichen Umsatzes. Die Konsequenz: Das Geschäft hat kürzere Öffnungszeiten, sonnabends bleibt der kleine Laden dicht. Normalerweise hilft an Wochenenden eine Saisonkraft aus, die kann Wistuba derzeit nicht beschäftigen. "63 Euro lagen am Mittwoch in der Kasse, davon kann ich nicht noch jemanden bezahlen", so der Ladenbetreiber, der sein Geschäft außerdem von 1. bis 10. August schließen wird.

In Brakers Backshop macht sich der Kundenmangel gleichfalls bemerkbar. "Das sind locker 150 Euro weniger Umsatz am Tag", rechnet Teilhaberin Cordelia Sturm vor. Stammgäste, die sonst auf der täglichen Fahrt zur Arbeit vorbeikämen, würden derzeit fehlen. "Schließen müssen wir aber nicht. Und wenn die Bahn ab 25. August wieder fährt, wird sich die Lage hoffentlich beruhigen."

Doch auch nach Fertigstellung des rund 500 Meter langen Straßenteilstücks im Oktober kommt noch einiges auf die Händler zu. "Im Jahr 2014 müssen noch die Haltestelle Raschwitzer Straße und das Gleisstück erneuert werden", betont Marc Backhaus, Sprecher der Leipziger Verkehrsbetriebe, "2015 folgt die Haltestelle Pfeffingerstraße. Wir versuchen, die meisten Arbeiten noch im Schatten des Brückenbaus fertigzustellen und die Belastung so gering wie möglich zu halten." Kürzere Teilabschnitte unter 500 Metern Länge ließen sich leider nur sehr schwer planen. Nach 2015 könnten die Händler dann aber von den vielen neuen Parkplätzen profitieren, so Backhaus. Wenn sie denn so lange durchhalten.

Aus der Leipziger Volkszeitung vom 26.07.2013

FlorianTheis/Dominic Welters

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