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Keime im Wasser: Erster Fall von Legionellen-Erkrankung in Leipzig

Keime im Wasser: Erster Fall von Legionellen-Erkrankung in Leipzig

"Es ist furchtbar", sagt Christine Hoffmann. Seit Wochen quälen die Grünauerin sehr starke Hustenanfälle. Sie kann oft kaum aufstehen. Nun hat ein Laborbefund bewiesen: Die 66-Jährige leidet an einer Legionellen-Erkrankung.

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Gefährliche Erreger: Legionellen sind die Verursacher der unter Umständen tödlich endenden Legionärs-Krankheit.

Quelle: dpa

Leipzig. Der Husten hatte Christine Hoffmann schon eine Woche lang voll im Griff, als sie am 7. September erstmals zum Arzt ging. "Damals gab es bereits Medienberichte, dass in 300 Wohnungen an der Grünauer Ringstraße hohe Legionellen-Werte entdeckt wurden", erzählt die Rentnerin, die früher bei der AOK tätig war. Beunruhigt habe sie obendrein ein Aushang in ihrem eigenen Haus an der Selliner Straße. Der Zettel kündigte eine Reparatur der Warmwasserversorgung für den 9. September an. Hintergrund: Die gefährlichen Bakterien verbreiten sich oft in Warmwassersträngen.

Ihr Arzt nahm die Sache ernst. Er veranlasste einen Bluttest, der nach einiger Zeit wiederholt werden muss, um eine sichere Diagnose zu stellen. Die Patientin bekam ein Antibiotikum. "Das habe ich zehn Tage nach Vorschrift eingenommen. Es hat aber nichts gebracht."

Die Grünauerin fühlte sich von dem trockenen Husten, der ohne die sonst typische Erkältungssymptome bleibt, zunehmend aus der Bahn geworfen. "Ich versuchte an mehreren Stellen, Informationen zu erhalten, ob mein Wohnblock auch von Legionellen betroffen ist. Doch das verlief katastrophal", berichtet sie. "Die Wasserwerke gaben sich ahnungslos, das Ordnungsamt hatte keine Ahnung. Beim Gesundheitsamt erklärten mir zwei Mitarbeiter, dass es höchst unwahrscheinlich ist, dass ich die Legionärskrankheit habe. Statt meine Hinweise zu hinterfragen oder mir Hilfe zu leisten, wurde ich einfach abgeschmettert." So hätten ihr die Fachleute vom Gesundheitsamt erklärt, dass in Leipzig bislang keinerlei Erkrankung bekannt sei. Dass die Grünauerin längst im Krankenhaus liegen würde, wenn sie wirklich so etwas hätte. "Oder dass in einer Erdgeschoss-Wohnung keine Gefahr besteht. Legionellen würde sich nur in den obersten Stockwerken einnisten."

Nur im Bürgeramt an der Ratzelstraße fand Christine Hoffmann Unterstützung. Grund: Dort stieß sie auf eine Mitarbeiterin, in deren eigenem Wohnblock am Grünauer Deiwitzweg gerade eine Legionellen-Belastung festgestellt worden war. Die Mitarbeiterin wusste zudem von weiteren Fällen aus Großzschocher.

Ihre Hausverwaltung mit Sitz in Berlin hatte die Patientin schon am 9. September zum Thema Legionellen angefragt. "Mir wurde versichert, dass dazu keine Erkenntnisse vorliegen, aber zugesichert, dass die zuständige Bearbeiterin sich bald telefonisch bei mir meldet. Leider ist das bis heute nicht erfolgt."

Der Gesundheitszustand von Christine Hoffmann hat sich noch nicht gebessert. Obwohl sie den Duschkopf an der Wanne abschraubte, sich die Haare nun mit Wasser aus einer Schüssel wäscht. Vergangene Woche erhielt sie in Auswertung des zweiten Bluttests die Diagnose aus dem Labor: Es ist wirklich eine Legionellen-Erkrankung. Der so genannte Titer-Wert betrug bei ihr 1:512, was eindeutig ist. Dass die Krankheit von einem Urlaub Ende Juni in Südtirol herrühren könnte, hält die Grünauerin für unwahrscheinlich. Ihr Arzt verschrieb ihr jetzt ein anderes Antibiotikum, das sie in dieser Woche einnimmt. Danach geht es erneut zum Bluttest. Christine Hoffmann hat das Gesundheitsamt und ihren Vermieter auch über den Labor-Befund informiert. Im Gesundheitsamt war der Befund bis gestern noch nicht eingetroffen, erklärte Nils Lahl, Sachgebietsleiter für Infektionsschutz. Er betonte, die Behörde habe die Grünauerin mehrfach - mündlich wie schriftlich - beraten. Ob in ihrem Haus an der Selliner Straße eine erhöhte Legionellen-Belastung vorliege, dies überhaupt schon mal getestet wurde, dazu dürfe er aus Datenschutzgründen nichts sagen, so Lahl. Auf LVZ-Nachfrage räumte er ein, dass in Leipzig zurzeit "in mehreren Objekten" vorbeugend Duschverbote verhängt wurden. Wie viele es sind und wo sie sich befinden - auch dazu dürfe er nichts sagen.

Laut Lahl sieht das Gesundheitsamt keine erhöhte Legionellen-Gefahr in Leipzig. Dass nun häufig solche Erreger entdeckt werden, liege daran, dass alle Vermieter ihre Objekte bis Ende 2013 auf Legionellen untersuchen müssen. Auf LVZ-Anfrage teilte die Hausverwaltung gestern mit, die Selliner Straße 22 sei noch nicht getestet. Dies erfolge spätestens im November.

Aus der Leipziger Volkszeitung vom 01.10.2013

Jens Rometsch

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