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Kein Anschluss unter 110 - "Ein Ding der Unmöglichkeit"

Kein Anschluss unter 110 - "Ein Ding der Unmöglichkeit"

Großreinemachen am Tag nach dem Gewitterguss: Die Feuerwehr pumpte gestern weiter emsig Keller sowie Garagen aus, zersägte umgestürzte Bäume. Und bei der Polizei kehrte Normalität ein.

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Aufräumarbeiten nach dem schweren Unwetter des Vorabends.

Quelle: Christian Nitsche

Leipzig. Dass der Notruf 110 am Donnerstagabend über Stunden nicht erreichbar war, sondern erst kurz vor Mitternacht wieder ans Netz ging, schlug hohe Wellen.

Roland Lennig (57) aus Heiterblick: "Es liegt in der Natur der Sache, dass wir Naturgewalten wie dieser ausgesetzt sind. Dass diejenigen, die im Sinne der Bürger handeln sollen, nicht erreichbar sind, ist allerdings ein Ding der Unmöglichkeit." Und Hans Bode (60) aus Plagwitz meinte: "Dass das Führungs- und Lagezentrum der Polizei nicht erreichbar ist, geht gar nicht. Aber so anfällig wie die Technik dort ist, kann uns das jeden Tag passieren. Und das, obwohl Geld da ist, es besser zu machen. Aber das steckt man lieber in das Umlackieren der Streifenwagen oder in Sirenen nach amerikanischem Vorbild. So ist es eben, wenn der Finanzminister die Sicherheit macht. Dann ist die Sicherheit nicht gewährleistet." Dass das Notstromaggregat schon nach kurzer Zeit ausgefallen ist, hat Hans-Joachim Berger überrascht: "Da ist ja jede Amateur-Gang besser ausgestattet. Ist denn so wenig Geld für unsere Polizei da?" Womöglich hat die Kapazität des Gerätes nicht ausgereicht, vermuteten weitere Leipziger.

Wie berichtet, fiel am Donnerstag kurz vor 20 Uhr im Führungs- und Lagezentrum, das die Einsätze für die Stadt und den Landkreis Leipzig sowie Nordsachsen koordiniert, der Strom aus. "Das Notstromaggregat sprang zunächst auch an, es gab aber Schwankungen. Deshalb war unser Computersystem mal da, dann stürzte es wieder ab", sagte Polizeisprecher Ralph Härtwig am Freitag. Über Verkehrsfunk teilte die Polizei mit, dass sich die Bevölkerung in Notfällen an die örtlichen Reviere wenden solle beziehungsweise an die 112. Gegen Mitternacht kehrte wieder Normalität ein. Warum auch das Notstromgerät seinen Dienst versagte, werde überprüft. Es sei bislang noch nie vorgekommen. Ein Ergebnis liege allerdings noch nicht vor, hieß es gestern bei der Polizei.

Bei der Feuerwehr- und Rettungsleitstelle - 112 - gingen infolge des Unwetters 350 Notrufe ein. Bis Freitag 6 Uhr waren 273 davon "abgearbeitet", sagte Sprecher Joachim Petrasch. Der Rest konnte erst im Laufe des gestrigen Tages erledigt werden. So massiv viele Einsätze nach einem Gewitter bezeichnete Petrasch als "außergewöhnlich". "Das ist nur zu vergleichen mit dem großen Regen vom August 2002." Bei knapp der Hälfte der Notrufe vom Donnerstag ging es um vollgelaufene Keller beziehungsweise Wasserschäden. Ein Großteil betraf umgestürzte Bäume und herabgefallene Äste. In Holzhausen habe zudem ein Rinderstall unter Wasser gestanden, in Böhlitz-Ehrenberg sei eine Stromleitung heruntergerissen worden. Aufgrund der atmosphärischen Störungen durch das Gewitter schlugen auch gleich mehrere Brandmeldeanlagen an, so im Porsche-Werk, dem Messehaus am Markt und in der Markt- galerie - wobei es sich jeweils um Fehlalarme handelte.

Aus der Leipziger Volkszeitung vom 22.06.2013

Kreuz, Sabine;Zangemeister, Ut

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