Volltextsuche über das Angebot:

23 ° / 12 ° heiter

Navigation:
Google+ Instagram YouTube
„Kein Protzbau“: Moschee in Leipzig-Gohlis mit zwei Zier-Minaretten – Stadt wirbt um Toleranz

„Kein Protzbau“: Moschee in Leipzig-Gohlis mit zwei Zier-Minaretten – Stadt wirbt um Toleranz

Der geplante Neubau einer Moschee in Leipzig nimmt konkrete Formen an. Wie Abdullah Uwe Wagishauser, Bundesvorsitzender der Religionsgemeinschaft Ahmadiyya Muslim Jamaat (AMJ), erklärte, sei im Stadtteil Gohlis ein eher kleines Gebetshaus mit zwei Minaretten geplant: „Wir bauen keinen Protzbau“, so der 63-Jährige am Donnerstag im Rahmen einer Pressekonferenz im Neuen Rathaus.

Voriger Artikel
Sondertickets zum Völkerschlacht-Jubiläum: "Bona-Card" plus Fußmarsch
Nächster Artikel
Leipziger SPD-Fraktion will sich für Erhalt von Sozialarbeiterstellen an Schulen einsetzen

Abdullah Uwe Wagishauser, Bundesvorsitzender der Religionsgemeinschaft Ahmadiyya Muslim Jamaat (AMJ) und Leipzigs Baubürgermeisterin Dorothee Dubrau.

Quelle: André Kempner

Leipzig. Die zweistöckige Moschee werde mit Kuppel etwa zehn Meter hoch und an den Seiten mit zwölf Meter hohen Zier-Türmen versehen. Die Minarette seien allerdings nur aus ästhetischen Gründen eingeplant und werden auch nicht betretbar sein. Muezzin-Rufe seien ohnehin nicht angedacht. „Wir wollen ja nicht, dass unsere Nachbarn uns jeden Morgen verfluchen“, so Wagishauser weiter. Insgesamt werde der voraussichtlich 500.000 Euro teure und maximal 100 Menschen fassende Bau kleiner, als die Nachbarhäuser an der Kreuzung zwischen Georg-Schumann- und Bleichertstraße.

Baubeginn im ersten Halbjahr – Stadt signalisiert grünes Licht

Wie Baubürgermeisterin Dorothee Dubrau bestätigte, habe die Gemeinde inzwischen einen Bauvorantrag gestellt. Nachdem der Verfassungsschutz die AMJ auf Anfrage der Stadt als unbedenklich eingestuft habe, könne nun auch der Bauantrag erfolgen. Abhängig von der Dauer des Genehmigungsverfahrens sollen die Arbeiten im kommenden Frühjahr oder Sommer beginnen, hofft Wagishauser. Dubrau signalisierte am Donnerstag, dass die Stadtverwaltung dem Projekt sehr positiv gegenüberstehe, forderte die Bauherren aber auch auf, noch einen Architekturwettbewerb auszuschreiben.

Angesichts von aufkeimenden Protesten gegen die Moschee im Stadtteil erinnerte die Baubürgermeisterin auch daran, dass „Leipzig immer eine Weltstadt mit unterschiedlichen Kulturen war.“ Und diese müssten tolerant miteinander umgehen. „Solch ein Vorhaben sollte eigentlich Normalität sein, aber noch ist es das ja leider nicht“, so Dubrau weiter, die sowohl Gohliser Nachbarschaft, als auch Moschee-Erbauer zu gegenseitigem Verständnis und zu Toleranz aufrief.

Zweite AMJ-Moschee in Ostdeutschland – Infoabend im November

phpAcUZYO20131010155614.jpg

Die Ahmadiyya-Moschee aus Richtung Süd-Ost. Im Hintergrund das höhere Nachbargebäude.

Quelle: Stadt Leipzig

„Wir Muslime haben gelernt, Transparenz an den Tag zu legen und auf unsere Nachbarn zuzugehen“, sagte Ahmadiyya-Vorsitzender Wagishauser. Man verstehe sich als Reformgemeinde und wolle den Islam als eine friedfertige Religion präsentieren. Der 63-Jährige verwies darauf, dass seine Religionsgemeinschaft kürzlich in Hessen als Körperschaft öffentlichen Rechts anerkannt wurde und somit dort als erste muslimische Gemeinschaft mit den großen christlichen Kirchen gleichgestellt sei.

Bereits 1957 habe Ahmadiyya in Hamburg die erste Moschee in Deutschland gebaut, inzwischen betreibt die Gruppe deutschlandweit 35. Nach der Khadija-Moschee in Berlin-Heinersdorf wäre die Leipziger die zweite Ahmadiyya-Moschee in Ostdeutschland. Auch in Heinersdorf gab es anfänglich Protesten gegen den Bau, inzwischen sei die Lage aber entspannt. „Wir haben dort ein tolles Verhältnis zu unseren Nachbarn“, so Wagishauser.

Bereits am Mittwochabend fanden in Gohlis erste Gesprächen mit dem dortigen Bürgerverein statt, die laut Heike Will vom Amt für Stadterneuerung weniger kontrovers verliefen als befürchtet. Im November soll in großer Runde über den Moscheebau informiert und diskutiert werden. „Es ist mir eine Herzensangelegenheit, möglichst frühzeitig über dieses Thema zu reden“, so Baubürgermeisterin Dubrau weiter. Ein genauer Termin des Bürgerabends noch nicht bekannt.

Die Ahmadiyya-Glaubensgemeinschaft stammt ursprünglich aus dem heutigen Indien und Pakistan und wurde dort Ende des 19. Jahrhunderts von Mirza Ghulam Ahmad gegründet. Dieser glaubte, Jesus habe die Kreuzigung überlebt und sei nach Indien ausgewandert und dort auch gestorben. Die Anhänger von Mirza Ghulam Ahmad sehen in ihm unter anderem die Wiedergeburt des Messias. Heute gibt es zwei Strömungen in der Glaubensgemeinschaft. Die Ahmadiyya Muslim Jamaat mit Hauptsitz im pakistanischen Rabwah hat laut ihres deutschen Vorsitzenden bundesweit etwa 35.000 Mitglieder in 225 Gemeinden.

Matthias Puppe

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr aus Lokales
  • Lachmesse Leipzig 2017

    Vom 15. bis 20. Oktober 2017 werden in Leipzig wieder massiv die Lachmuskeln gereizt. Über 180 Künstler kommen zur Lachmesse. mehr

  • Lichtfest Leipzig 2017

    Alljährlich am 9. Oktober erinnert das Lichtfest Leipzig auf dem Augustusplatz an die Ereignisse im Herbst 1989. Hier gibt es alle Infos. mehr

  • Leipziger Opernball 2017

    Schwungvoll im Dreivierteltakt: Der Leipziger Opernball „Moskauer Nächte“ lädt am 4. November aufs Parkett. Hier finden Sie Infos und Fotos zum Event. mehr

  • Touristik & Caravaning
    Themen, Tickets, Öffnungszeiten: Die wichtigsten Infos zur Messe Touristik & Caravaning (TC) 2017 im Special auf LVZ.de

    Urlaubsstimmung im Novembergrau: Alle Infos und News zur Reisemesse Touristik & Caravaning (TC) 2017 in unserem Special. mehr

  • LVZ-Kreuzfahrtmesse
    Infos zur LVZ-Kreuzfahrtmesse

    Kommen Sie an Bord: Am Sonntag, 22. Oktober 2017, laden LVZ und Vetter Touristik zur 1. Kreuzfahrtmesse in das LVZ Verlagsgebäude ein. mehr

  • Zeitung in Schulen

    Herzlich willkommen bei den Schulprojekten der Leipziger Volkszeitung und ihrer Regionalausgaben. mehr

  • Leserreisen
    Leserreisen

    Kreuzfahrt in der Karibik, Städtetour durch die Toskana oder Busreisen in Deutschland - die Leserreisen der LVZ bieten für jeden Anspruch genau das... mehr

Wie weiter nach der Grundschule? Unsere Übersicht aller Gymnasien, Oberschulen und Freien Schulen in Leipzig will Eltern bei der Auswahl der passenden Bildungseinrichtung für ihr Kind unterstützen. mehr

  • Leipzig Wiederentdeckt
    Leipzig Wiederentdeckt

    Die 13 Filme schildern eine einzigartige Zeitreise durchs 20. Jahrhundert der Stadt Leipzig – von den Anfängen des Films bis zur Wendezeit. Mit bis... mehr

  • Leipzig-Album
    Leipzig-Album

    Welche Ereignisse sind den Bürgern der Messestadt besonders in Erinnerung geblieben, welche Orte oder Gebäude sind verschwunden oder haben sich gew... mehr

Eine Multimedia-Reportage rund um die Leipziger Eisenbahnsstraße, die sich vom Problemkiez zum Hipsterviertel wandelt mehr

Ob zur Entspannung, in der Mittagspause oder zum Spaß mit Freunden. Auf unserer Spieleseite können Sie wählen zwischen Denksport-, Geschicklichkeits-, Such- und Sportspiele. Probieren Sie es aus im Spieleportal von LVZ.de. mehr