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Kein Umweltskandal: Behörden geben Entwarnung zum Golfpark Seehausen

Trotz Grenzwert-Überschreitungen Kein Umweltskandal: Behörden geben Entwarnung zum Golfpark Seehausen

Im Streit um Bauschutt- und Bodenablagerungen im Golfpark Seehausen gibt die Landesdirektion Sachsen jetzt Entwarnung. Ein neues Boden-Gutachten habe nur „punktuell erhöhte Werte weniger Parameter“ gezeigt.

Im Dezember 2016 wurden auf dem Gelände des Golfparks Seehausen Probebohrungen vorgenommen. Das Bodenmaterial ist mittlerweile untersucht, zeigt laut der Landesdirektion Sachsen nur „punktuell erhöhte Werte weniger Parameter“.

Quelle: privat

Leipzig. Im Streit um Bauschutt- und Bodenablagerungen im Golfpark Seehausen gibt die Landesdirektion Sachsen jetzt Entwarnung. Ein neues Gutachten habe „keine Anhaltspunkte ergeben, die den Verdacht auf das Entstehen einer schädlichen Bodenveränderung begründen“, teilte die Behörde auf LVZ-Anfrage mit. „Auch Schadstoffgehalte, die geeignet sind, eine schädliche Bodenveränderung oder einen Grundwasserschaden herbeizuführen, wurden nicht gefunden“, erläuterte Sprecher Ingolf Ulrich.

Jedoch hätten die Bodenproben, die Ende 2016 für das Gutachten genommen wurden, „punktuell erhöhte Werte weniger Parameter“ gezeigt. Dies sei für Aushub mit Trümmer- und Bauschuttanteilen nicht untypisch, so Ulrich. Das Umweltamt der Stadt habe seine Aufsichtspflichten nicht verletzt. Die Landesdirektion teile auch die Ansicht des Umweltamtes, dass ein „Verbleib dieser Abfälle“ unter Auflagen akzeptabel wäre. Dazu gehöre, dass alle belasteten Materialien „zur Herstellung eines technischen Bauwerkes genutzt und mit einer Deckschicht zur Verhinderung beziehungsweise Reduzierung der Durchsickerung mit Niederschlagswasser versehen werden“.

Rückblick: 2015 hatte der Leipziger Unternehmer Michael Klemmer (Besitzer vom Golf&Country-Club Machern) einen Kaufvertrag für den Golfpark Seehausen geschlossen. Noch bevor der Preis von 6,1 Millionen Euro fällig wurde, erhielt seine Firma Vicus aber Hinweise von Abbruchunternehmern, so Klemmer: „Wir sollten uns dringend genau ansehen, was dort im Boden schlummert.“ Es folgten Probebohrungen, bei denen ein Teil der Befunde der Schadstoffklasse Z2 entsprach. Solches Material darf nur unter besonderen technischen Sicherungen (vor allem zum Schutz des Grundwassers) zur Bodenmodellierung verwendet werden. Die Sicherungen fehlten aber komplett.

Klemmer forderte den Besitzer – Franz Lauer aus Nürnberg – auf, die Mängel zu beheben. Schließlich habe Lauer im Kaufvertrag zugesichert, das Areal sei „altlastenfrei“. Hingegen beteuerte Rolf Hartmann, der Geschäftsführer des Golfparks Seehausen, es gebe keine nennenswerten Grenzwertüberschreitungen. Das hätten auch von ihm veranlasste Gegenproben gezeigt. Vicus versuche nur, durch viele Vorwürfe den Kaufpreis zu drücken.

Bei den Staatsanwaltschaften in Leipzig und Nürnberg laufen seit Monaten Ermittlungsverfahren gegen Lauer sowie vier Personen aus dessen Umfeld. In Leipzig werden Vorwürfe eines Umweltdeliktes und wegen Betrugs untersucht. Noch sei nicht absehbar, was die Ermittlungen ergeben, betonte die hiesige Staatsanwaltschaft auf Nachfrage. In Nürnberg soll es um steuerliche Aspekte der gewaltigen Bodenanlieferungen gehen, die der 140 Hektar große Golfpark gratis erhielt.

Außerdem wurden einige Zivilprozesse angestrengt. Diesen Sommer entschied das Leipziger Landgericht, der Kaufvertrag für das Areal in Seehausen sei nichtig, weil Vicus den Preis nicht zum vereinbarten Termin gezahlt habe. Die Gründe für die Zurückbehaltung des Geldes habe die Kammer dabei nicht berücksichtigt, sagte Klemmer, der deshalb das Oberlandesgericht als nächste Instanz anrief.

Laut Angelika Freifrau von Fritsch, der Chefin des Leipziger Umweltamtes, kann der Spielbetrieb in Seehausen fortgesetzt werden. Das neue Gutachten sei gemäß den Vorgaben ihres Amtes durch ein bisher unbeteiligtes Ingenieurbüro erstellt worden. Die Kosten trage der Golfpark Seehausen. „Wichtigstes Ergebnis ist: Es gibt keinen Umweltskandal“, so Fritsch.

Klemmer, der das neue Gutachten noch nicht kennt, sieht sich durch die Aussagen der Landesdirektion ebenfalls bestätigt: „Wenn nun nachträglich Abdeckungen eingebaut werden müssen und Grenzwertüberschreitungen festgestellt werden, heißt das doch: Wir hatten recht. Das Grundstück ist nicht altlastenfrei.“

Bei einem weiteren Vorwurf Klemmers hat der Golfpark Seehausen (der sich erst nach Abschluss aller Verfahren öffentlich äußern will) eingeräumt, dass er stimmt. An mehreren Stellen erfolgten Aufschüttungen ohne die erforderlichen Genehmigungen. Zurzeit prüfe die Stadt Leipzig in einem Baugenehmigungsverfahren, ob sie für einen Lärmschutzwall zur Regensburger Straße nachträglich die Erlaubnis erteilen kann, erklärte dazu Roland Quester vom Baudezernat. Die Kommune habe die Zuständigkeit dafür erst 2016 von der Landesdirektion übernommen. Für einen Berg aus 500 000 Tonnen Bodenmaterial fehle bisher sogar das Planungsrecht, so Quester: „Der Antrag zur Einleitung eines Bebauungsplanverfahrens soll nach Aussage der Verantwortlichen im September im Stadtplanungsamt gestellt werden.“

Von Jens Rometsch

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