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Lokales Keine City Trees: Leipzig lehnt Biofilter gegen Feinstaub ab
Leipzig Lokales Keine City Trees: Leipzig lehnt Biofilter gegen Feinstaub ab
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09:00 12.07.2016
Ein City Tree in Norwegens Hauptstadt Oslo.  Quelle: PR
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Leipzig

 „Wir können Leipzigs Feinstaubproblem ein für allemal lösen!“ Mit dieser Ansage ließ ein Start-up-Unternehmen aus Dresden die grünen Herzen an der Pleiße im März höher schlagen (die LVZ berichtete). Die Idee von Green City Solutions klang so einfach wie vielversprechend: Man errichtet auf einer Fläche von sechs Quadratmetern eine Moos-Wand, die die Filterwirkung von 275 Bäumen hat. Eine Leistung, die ausreichen würde, um den Feinstaub von 417 Pkw aus der Luft zu eliminieren. Städte wie Oslo, Paris und Dresden setzen die Bio-Filter testweise schon ein. Im Leipziger Rathaus hält man davon allerdings nichts.

„Grundsätzlich schätzt die Stadtverwaltung ein, dass der Effekt der Wirkung der City Trees im Feldversuch nur äußerst schwierig nachzuweisen ist“, schreibt das Umweltdezernat jetzt auf eine Anfrage der Grünen-Ratsfraktion nach einem möglichen Einsatz der „Stadtbäume“ auch in Leipzig. Die Ergebnisse der Laborversuche, wonach die Pflanzenfilter die Feinstaubkonzentration um bis zu 30 Prozent verringerten, ließen sich nicht auf den Straßenraum übertragen. Es sind nicht allein die Zweifel an der Wirksamkeit der Wunderwaffe gegen die urbane Luftverschmutzung, die mit Professor Alfred Wiedensohler auch noch ein namhafter Wissenschaftler des Leipziger Leibniz-Instituts für Troposphärenforschung teilt. „Gegen den experimentellen Einsatz spricht, dass in den relevanten, das heißt stark belasteten Straßenräumen in der Regel keine ausreichend breiten Seitenräume zur Verfügung stehen“, heißt es zur Begründung aus dem Rathaus weiter. Dort befürchtet man zudem „Verschattungseffekte“ durch die vier Meter hohen und drei Meter breiten Module, die zu Konflikten mit den Anwohner führten könnten.

Aus Sicht der Stadtverwaltung sollten daher die Erfahrungen anderer Städte hinsichtlich eines messtechnisch belegten Wirkungspotenzials erst einmal abgewartet werden. Es sind wohl auch die Kosten, die manch einen im Rathaus bei den grünen Filtern Rot sehen lassen. Mit 25000 Euro hat ein „Stadtbaum“ einen durchaus stattlichen Preis, auch wenn er sich gleichzeitig als Sitzgelegenheit, WLAN-Hotspot, Ladestation für E-Bikes und Werbewand nutzen ließe. Mit 200 Anlagen, so vermuten die City-Tree-Erfinder, könne Leipzig von seinem Feinstaubproblem jedoch dauerhaft befreit werden.

 An der Messstation in der Lützener Straße wurde der zulässige Grenzwert für die Feinstaubbelastung von 50 Mikrogramm pro Kubikmeter in diesem Jahr 15 Mal erreicht, in Stadtmitte an neun Tagen und in West an vier Tagen. 35 Überschreitungstage im Jahr sind erlaubt. Auch wenn es Leipzig gelingt, die Vorgabe in diesem Jahr wie schon 2015 einzuhalten: Aus der Welt ist das Feinstaub-Problem für die Stadt damit noch lange nicht. Denn Leipzig wächst, ebenso die Zahl der Kraftfahrzeuge, und selten zuvor wurde so viel gebaut wie heute.

Von Klaus Staeubert

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