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Lokales Keine Stadt für Kita-Initiativen: Leipzig macht es Eltern schwer
Leipzig Lokales Keine Stadt für Kita-Initiativen: Leipzig macht es Eltern schwer
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15:44 20.01.2014
Gründen ihre eigene Kita: Ronny Eichhorn (43) und Ulrike Ihling (38) mit ihren Kindern Esther (3) und Jolantha (2) und Daniel Bäde (36) und Nadine Bäde (35) mit Sohn Nils (2). Quelle: Regina Katzer
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Leipzig

Eine Leipziger Initiative nimmt den harten Weg trotzdem auf sich. Noch in diesem Jahr möchten die engagierten Eltern vom Verein Leikila (Leipziger Kinderladen) ihre eigene, familiäre Kita eröffnen.

Kindergeburtstag bei den Bädes. Sohn Nils spielt lautstark mit Esther und Jolantha, die heute zwei Jahre alt wird. Zwischen Kindern und Kuchen findet Daniel Bäde Zeit, über die Kita-Initiative „Leikila“ (Leipziger Kinderladen) zu sprechen. Seit August 2013 versuchen er und eine Handvoll engagierter Eltern, eine Klein-Kita auf die Beine zu stellen: Etwa 20 Kinder sollen in familiärer Atmosphäre betreut werden. „Die Idee ist, dass wir als Eltern mitgestalten können“, sagt Bäde. „Das ist in großen Kitas ja nicht möglich.“  

Leipzig. Wer in Leipzig eine eigene Kita gründen will, muss einige Hürden nehmen. Die höchste: die Stadt – denn die steht Elterninitiativen aufgrund des hohen Verwaltungsaufwands kritisch gegenüber. Eine Leipziger Initiative nimmt den harten Weg trotzdem auf sich. Noch in diesem Jahr möchten die engagierten Eltern vom Verein Leikila (Leipziger Kinderladen) ihre eigene, familiäre Kita eröffnen.
Dass dies kein einfaches Unterfangen ist, merkten die Eltern ziemlich schnell: Auflagen über Auflagen sind zu bearbeiten. Über 500 Stunden habe allein Bäde schon in das Vorhaben gesteckt. Mittlerweile sind viele der Mitglieder des extra gegründeten Leikila-Vereins aufgrund des hohen Arbeitsaufwandes wieder abgesprungen. Die Eltern von Esther und Geburtstagskind Jolantha, Ronny Eichhorn und Ulrike Ihling, sind noch dabei. „Die Hürden sind, im Vergleich zu Berlin zum Beispiel, extrem hoch“, sagt Eichhorn. Bäde fügt hinzu: „Mittlerweile hilft uns das Jugendamt. Aber am Anfang hatten wir ganz schön Gegenwind von der Stadt.“ 

 

„Wir rufen nicht dazu auf, Elterninitiativen zu gründen.“

  

Heike Förster, Leiterin der Abteilung Planung und Fachaufsicht beim Jugendamt, berät die Leikila-Initiative, was die pädagogische, finanzielle und räumliche Konzeption betrifft. „Wirtschaftlich stellt sich eine Kleinkita leider nicht wirklich gut dar.“ Da wären allein die Kosten, die eine solche Elterninitiative in der Verwaltung verursache: Jede Kita müsse einzeln abgerechnet werden. „Für 200 Kita-Plätze 20 Abrechnungen zu machen – das können wir rein personell nicht leisten“, sagt die Abteilungsleiterin. Außerdem müsste die Übersicht über die Vergabe der Plätze durch das elektronische Vergabesystem behalten werden. „Eine große Anzahl an Kleinkitas könnten wir gar nicht controllen. Deshalb rufen wir nicht dazu auf, Elterninitiativen zu gründen. Wenn es die Eltern aber ernst meinen, dann unterstützen wir sie natürlich.“  

Kritik an dieser Einstellung kommt von der Leipziger Kita-Initiative. „Gerade vor dem Hintergrund des Kitaplatzmangels in Leipzig ist das ein großer Missstand“, sagt Sprecherin Victoria Jankowicz. „Ich kann mir vorstellen, dass viele Eltern Massenkitas ab 75 Plätzen problematisch und eine familiärere Betreuung sehr gut finden.“ Der bürokratische Aufwand könne kein Grund sein, warum es Elterninitiativen in Leipzig so schwer gemacht werde. „Immerhin ist das Jugendamt gesetzlich dazu verpflichtet, Klein-Kitas bei der Gründung zu helfen.“ Und was in Berlin klappe, das könne doch auch in Leipzig funktionieren.  

In Berlin gibt es fast 600 Klein-Kitas – in Leipzig gerade einmal zwei

  

In der Hauptstadt gibt es laut Bundesarbeitsgemeinschaft Elterninitiativen (BAGE) derzeit 579 Elterninitiativen mit jeweils bis zu 30 Plätzen. Zum Vergleich: In Leipzig sind beim Jugendamt gerade einmal zwei bekannt: der Waldkindergarten „Wurzeln und Flügel“ und die „Regenbogenkinder“. Ein Grund dafür könnten die unterschiedlichen Finanzierungsmodelle sein, vermutet Norbert Bender von der BAGE. Anstatt der Abrechnungen für jede einzelne Kita in Sachsen vergibt das Bundesland Berlin Pauschalen für die Kita-Plätze, egal ob städtische Kita oder freier Träger. Das erleichtere die bürokratische Handhabung. „Aber, was wahrscheinlich noch wichtiger ist: Seit den 1970er-Jahren sind die Kinderläden in Westberlin und Westdeutschland Teil der Kultur.“ Der Osten habe noch Nachholbedarf.  

Trotz der erschwerten Bedingungen in Leipzig hat die Leikila-Gruppe bisher nicht aufgegeben. „Ich sehe die Startschwierigkeiten mittlerweile als eine Art Prüfung“, sagt Bäde, während Sohn Nils es sich auf dem Schoß von Mutter Nadine bequem macht. „Die Stadt weiß jetzt, dass wir es ernst meinen und auch in Zukunft sehr viel Zeit und Arbeit investieren werden.“ Mit zwei bis drei Stunden in der Kita pro Woche müssten die Eltern der Leikila-Kinder rechnen. Grund für den hohen Arbeitsaufwand sei auch der vom Land vorgeschriebene Betreuungsschlüssel von einem Betreuer für 13 Kinder. Für eine Kita mit 20 Plätzen sind nach Berechnungen des Jugendamts 1,5 Betreuer vorgesehen.  

Und dann wären da noch diverse andere Baustellen: die Raumsuche beispielsweise. Derzeit ist ein Haus in Lindenau im Gespräch. Bäde ist aber zuversichtlich. „Es ist noch ein Berg Arbeit“, sagt er, „aber unsere Kita soll im August eröffnen. Damit möchten wir auch anderen Kita-Initiativen in Leipzig Mut machen, es zu probieren.“

Lisa Berins

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