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"Kennst Du mich noch?" - Ehemalige Heimkinder treffen sich in Leipzig

"Kennst Du mich noch?" - Ehemalige Heimkinder treffen sich in Leipzig

Udo Blume ist dankbar für die Zeit im Kinderheim. "Ich habe viel gelernt und nichts versäumt", sagt der 55 Jahre alte Mann fast 40 Jahre nachdem er das Heim im Waldstraßenviertel verlassen hat.

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Freuen sich über das Wiedersehen: Daniel Bortmann, Ines Heinicke, Udo Blume und Carole Schiebe (v. l.).

Quelle: André Kempner

Leipzig. Blume wuchs mit sechs Geschwistern bei seiner alleinerziehenden Mutter auf. Als jüngstes Kind war er vom Jugendamt ausgesucht worden; weil die Mutter überfordert war, musste ein Kind ins Heim. "Ich habe immer einen guten Draht zu meiner Familie behalten", sagt Blume. Die Schwestern hätten ihn jedes Wochenende nach Hause geholt.

Als Blume an Sonnabend vor dem ehemaligen "Kinderheim 3. Weltfestspiele" in der Fregestraße 35 steht, seinem Zuhause von 1968 bis 1976, kommen viele Erinnerungen hoch. Das erste große Treffen ehemaliger Heimkinder und Erzieher, 16 Jahre nach der Schließung, ist für viele ein Sprung in die Vergangenheit. Mehr als 100 ehemalige Bewohner sind gekommen, sie füllen den Gehweg, rufen bei der Begrüßung laut die Namen bekannter Gesichter über die Straße. "Kennst du mich noch?", "Ich muss mir gleich Deine Telefonnummer aufschreiben!".

Organisiert hat das Treffen Daniel Bortmann, der Größte in der Runde, fliederfarbenes Hemd, schwarze Hose, nicht zu übersehen. Der 41 Jahre alte Gohliser hat vor einem Jahr mit einigen Freunden von damals beschlossen, ein Ehemaligentreffen vorzubereiten. Er ist stolz darauf, an diesem Sonnabend Heimkinder begrüßen zu können, die zwischen 1962 und 1998 im weißen Altbau mit Türmchen gewohnt haben; 1953 war das "Kinderheim 3. Weltfestspiele" gegründet worden. Bortmann selbst war von 1987 bis 1990 in der Fregestraße zu Hause, das Treffen ist auch ein Dankeschön an Erzieher und den Heimleiter. "Mir war es wichtig, etwas zurückzugeben." Es sei "eine Mega-Zeit" gewesen, sagt der Leipziger Straßenbahnfahrer im Rückblick.

Für Ines Heinicke ist das Haus "ein Stück Zuhause". Zwölf Jahre lang, bis zur Schließung des Kinderheims 1998, war die heute 47 Jahre alte Frau dort Erzieherin. "Das war mein Stockwerk", sagt sie, als sie in der kleinen Küche in der dritten Etage sitzt. Sie habe in dieser Zeit so viel von Kindern und Kollegen gelernt. Im Haus hat sich inzwischen viel verändert, die Raumaufteilung ist anders, ein Aufzug wurde eingebaut, und die meisten Wohnungen werden an Urlaubsgäste vermietet. Der dritte Stock ist an diesem Samstag jedoch offen, eine Ferienwohnung kann besichtigt werden, und die Familie nebenan erklärt sich spontan bereit, die Besucher auch in ihre Wohnung schauen zu lassen. "Das ist mein Jungs-Schlafzimmer, das ist mein Große-Mädchen-Schlafzimmer", sagt Heinicke etwas wehmütig und deutet in der Ferienwohnung herum. Ihre "Jungs", von denen viele gekommen sind, sind heute erwachsene Männer.

Aus der Leipziger Volkszeitung vom 29.09.2014

Sofia Dreisbach

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