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Lokales Kind stirbt bei Geburt in Uniklinik - Staatsanwaltschaft klagt Hebamme an
Leipzig Lokales Kind stirbt bei Geburt in Uniklinik - Staatsanwaltschaft klagt Hebamme an
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17:44 18.03.2011
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Leipzig

Ein externes Gutachten kommt laut Uni-Klinik hingegen zu dem Schluss, dass die behandelnde Hebamme sowie die Ärzte bei Anamnese und Behandlung die notwendige Sorgfalt walten ließen.

Wie die LVZ berichtete, starb der völlig gesunde Sohn von Marcus und Swantje R. durch Komplikationen bei der Geburt. Wegen starker Schmerzen hatte die in der 35. Woche schwangere Frau am 27. September 2008 die Uni-Klinik aufgesucht. Nach Ansicht der Ermittler unterließ es die Hebamme jedoch, sofort einen Arzt hinzuzuziehen. Aufgrund der Schmerzen der Betroffenen sowie weiterer Symptome hätte Kathrin S. allerdings das Risiko eines Gebärmutterrisses erkennen müssen, fasste Oberstaatsanwalt Ricardo Schulz die Vorwürfe am Donnerstag zusammen. "Ein Not-Kaiserschnitt wäre sofort angezeigt gewesen", sagte er. Zumal die Hebamme gewusst habe, dass die Frau bereits ihr erstes Kind durch einen Kaiserschnitt zur Welt brachte.

Die Beschuldigte habe in der damaligen Situation lediglich ein CTG, eine Untersuchung mit einem Cardiotokographen, veranlasst. "Als bei dem Kind keine Herztöne mehr festgestellt wurden, rief die Hebamme einen Arzt hinzu", so der Oberstaatsanwalt weiter. Erst dann sei eine Not-Operation angeordnet worden. "Der Junge kam hirntot zur Welt." Aufgrund des Gebärmutterrisses war er nicht mehr ausreichend mit Sauerstoff versorgt gewesen, hieß es. Am 7. Oktober 2008 sei das Neugeborene offiziell für tot erklärt worden.

Laut Schulz gibt es ein Gutachten eines Sachverständigen, eines Gynäkologen, das die Anklage der Staatsanwaltschaft stützt.

Dasselbe Gutachten entlastet aber auch die Hebamme, erklärte die Uni-Klinik am vergangenen Freitag per Mitteilung. In der Untersuchung wird angezeigt, dass eine gründliche Anamnese (Erhebung der Krankengeschichte) und umfangreiche medizinische Betreuung seitens der Hebamme wie auch der Ärzte veranlasst, durchgeführt und dokumentiert wurde. Aufgrund der Patientengeschichte und den zum Zeitpunkt bekannten Details „war eine andere Art der Überwachung in der Universitätsfrauenklinik nicht angezeigt gewesen", heiße es dazu in der Untersuchung.

Der Fall gilt nach Ansicht der Ermittler als rechtlich brisant. Denn bei einem ungeborenen Kind läge laut Gesetz keine Straftat vor. Die Staatsanwaltschaft gehe aber davon aus, dass im vorliegenden Fall die Eröffnungswehen eingesetzt und der Geburtsakt somit begonnen habe.

Das Amtsgericht hat noch keinen Verhandlungstermin bestimmt. Zunächst müsse entschieden werden, ob die Anklage zugelassen und somit das Hauptverfahren eröffnet wird. Wann der Prozess stattfindet, ist Pressesprecher Stefan Blaschke zufolge völlig offen. Wie berichtet, kämpfen die Eltern seit dem Tod des Sohnes um die Aufklärung der Umstände.

Sabine Kreuz/ joka

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