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Kinder- und familienfreundliche Stadt Leipzig: Unternehmen unterstützen Aktionsplan

Kinder- und familienfreundliche Stadt Leipzig: Unternehmen unterstützen Aktionsplan

Die Firma Spreadshirt, ansässig in Leipzig-Plagwitz, ist als 114. Partner dem "Aktionsplan kinder- und familienfreundliche Stadt Leipzig" beigetreten. "Wir haben erst vor Kurzem erfahren, dass es diesen Aktionsplan gibt und deshalb jetzt die Gemeinsame Erklärung 'Kinder und Familien willkommen!' unterzeichnet", sagt Theresa Kretzschmar, Personalleiterin bei Spreadshirt.

"Familienfreundlichkeit leben wir in unserem Unternehmen schon lange", so Kretschmar. Das Internet-Unternehmen, das seinen Kunden eine Plattform zur Verfügung stellt, auf der sie ihre Wunsch-Shirts selbst entwerfen, kaufen und auch verkaufen können, wurde 2002 in Leipzig gegründet. Mittlerweile produziert die Firma ebenfalls in Polen, den USA sowie in Brasilien und unterhält Büros in Berlin, London, Paris und Utrecht. Der Umsatz im Jahr 2013 belief sich auf 72 Millionen Euro.

 Am Stammsitz in Leipzig arbeiten 250 Beschäftigte. Deren Altersdurchschnitt liegt bei 32 Jahren. Schon als junges Start-up bot Spreadshirt seinen Mitarbeitern flexible Arbeitszeiten und die Möglichkeit, Teil- und Elternzeit zu nutzen. "Flexible Arbeitszeit setzt immer einen Vertrauensvorschuss in den Mitarbeiter voraus", sagt die Personalleiterin. "Aber bisher haben wir damit nur gute Erfahrungen gemacht." Schon in den Einstellungsgesprächen werde darauf geachtet, dass die zukünftigen "Spreadster" zur Unternehmenskultur passen. Wer eine "Stechuhr-Mentalität" habe, sei woanders sicher besser aufgehoben. "Unser Haus ist von 6 bis 22 Uhr geöffnet, da kommen Frühaufsteher zum Zuge und Nachteulen auch", erklärt Kretzschmar. "Und wer am Nachmittag eher das Büro verlässt, weil das Kind zum Fußball muss oder sich ein Handwerker angekündigt hat, kann auch mal abends noch etwas vom heimischen Schreibtisch aus erledigen." Lediglich im Bereich Produktion und Kundenservice sei die Flexibilität durch Schichtdienst und Kundenkontakt begrenzt. Das Ergebnis dieser Unternehmenskultur seien tolle, kreative Teams - und Mitarbeiter, die gern auch mal länger bleiben, wenn Not am Mann ist.

 Ihre Erfahrungen im Bereich Personalführung beschreibt Kretzschmar, die Mutter einer sechsjährigen Tochter ist, so: "Das Normale ist doch, dass Menschen, die einen neuen Job anfangen, hoch motiviert sind. Als Arbeitgeber muss man eigentlich nur dafür sorgen, dass die Motivation nicht zerstört wird." Pedanterie und Kleinlichkeit zum Beispiel in Bezug auf die Einhaltung von festen Arbeitszeiten seien da eher abträglich.

 Indem das Unternehmen seinen Mitarbeitern Freiheiten bei der Gestaltung ihres Arbeitsalltags lässt, gewinnt es auch Wettbewerbsvorteile. "Gerade im IT-Bereich sind Fachkräfte Mangelware, und Arbeitnehmer achten zunehmend auf diese Rahmenbedingungen, wenn sie sich für eine Stelle entscheiden", sagt die Personalmanagerin.

 Um Mitarbeiter im Unternehmen zu halten, versucht die Firmenleitung immer wieder, deren Bedürfnissen entgegenzukommen: Wer zum Beispiel bei familiären Veränderungen den Wechsel in Teilzeit anstrebe, werde unterstützt. Um die Schwankungen in der Personaldecke auszugleichen, greift die Firma unter anderem auf Werksstudenten zurück oder verteilt Aufgaben innerhalb der Abteilungen neu. Auch bei der Beschaffung eines Betreuungsplatzes für den Nachwuchs hilft der Arbeitgeber.

 Ein Ergebnis dieser Familienfreundlichkeit war auf dem letzten Sommerfest, bei dem auch die Familien der Mitarbeiter eingeladen waren, zu sehen. "Wir waren ganz erstaunt, wie viele Kinder da waren, mehr als 35. Der Bastelstand wird von Jahr zu Jahr größer", erzählt Stefanie Häußler, die als Feelgood-Managerin tätig ist und als solche ein offenes Ohr für die Anliegen der Arbeitnehmer hat. Dass sich Spreadshirt diese Stelle leistet, sei auch eine Art Statement: "Es zeigt an, dass Mitarbeiter ein zentraler Wert des Unternehmens sind und ist ein Zeichen für eine besondere Firmenkultur", sagt die 29-Jährige.

 Der "Aktionsplan kinder- und familienfreundliche Stadt Leipzig" ist seit 2011 in Kraft. "Als wir 2009 begonnen haben, über einen solchen Aktionsplan nachzudenken, war das Ziel, dem demografischen Wandel entgegenzuwirken. Dass sich die Anzahl der Kinder in Leipzig durch steigende Geburtenraten und Zuzüge von jungen Familien so rasant erhöhen würde, hätte damals niemand erwartet", sagt Cornelia Pauschek, Referentin für Familienpolitik der Stadt Leipzig.

 In dem Strategiepapier setzt sich die Verwaltung selbst elf Handlungsschwerpunkte für die Entwicklung zu mehr Familienfreundlichkeit. Die flächendeckende Versorgung mit Kita- und Krippenplätzen, aber auch die Qualität des Bildungsangebotes in Kindertagesstätten und in der Tagespflege sowie bauliche Aktivitäten an Schulgebäuden stehen dabei ganz oben auf der Liste. Von der Weiterentwicklung von Kultur-, Sport- und Freizeitangeboten für Kinder, Jugendliche und Familien ist darin zu lesen ebenso wie von der Aktivierung der Eltern zur stärkeren Nutzung von Angeboten der Gesundheitsvorsorge. Und auch die Stadtverwaltung selbst will ihre Familienfreundlichkeit nach innen und außen ausbauen.

 Um die formulierten Ziele noch breiter umsetzen zu können, plante die Stadt Leipzig von Anfang an, andere gesellschaftliche Akteure mit ins Boot zu holen. So unterzeichneten bereits im Frühjahr 2011 rund 80 Unternehmen und Institutionen die Gemeinsame Erklärung, in der sie sich zu dem Ziel bekennen, "Leipzig als kinder- und familienfreundliche Stadt weiter voranzubringen". Damit verpflichteten sie sich auch, bestimmte Maßnahmen aus Bereichen wie Vereinbarkeit von Familie und Beruf oder familienfreundliches Wohnen umzusetzen. Mittlerweile sind mehr als 30 Partner hinzugekommen. Die Unterzeichner der Erklärung erhalten eine Urkunde und ein Logo, das sie verwenden können. Der Aktionsplan ist noch bis 2015 gültig. "Wie es dann weitergeht, steht noch nicht fest", so Pauschek.

Einige Partner des Aktionsplanes und ihre Maßnahmen

Das BMW-Werk Leipzig hält ein "Spielmobil" bereit. Den Anhänger, gefüllt mit Spielutensilien, können sich beispielsweise Vereine kostenlos für Kinderfeste ausleihen. Außerdem ermöglicht der Autohersteller seinen Mitarbeitern Telearbeit, Teilzeit und Sabbaticals.

 Das  Grassi Museum für Angewandte Kunst bietet Programme für Schulklassen, Berufsschulen und Kitas sowie die "Enkelzeit" als generationsübergreifende Veranstaltung. Angebote für Familien sind der Familiensonntag oder das Grassi-Fest.

 Im Kreativzentrum Grünau können Eltern und Kinder, die im Besitz eines Leipzig-Passes sind, an den Kursen für 50 Prozent der Kursgebühr teilnehmen.

 Das Studentenwerk Leipzig bietet unter anderem kostenloses Essen für Kinder von Studierenden in seinen Mensen, hält Wohnungen für studentische Familien in den Wohnheimen bereit und arbeitet in der Projektgruppe "Familienfreundliche Hochschule" der Universität Leipzig mit.

 Der Senioren- und Familienselbsthilfeverein in der Wittenberger Straße gewinnt ehrenamtliche Großeltern im Rahmen des generationsübergreifenden Projektes "Großelterndienst".

 Bei der ECG Erdgas-Consult GmbH gibt es für die Mitarbeiter neben Gleit-, Teil- und Elternzeit die Möglichkeit für Heimarbeit und für Sport während der Arbeitszeit. Für die Kinder der Arbeitnehmer gibt es Ferienlagerangebote.

Aus der Leipziger Volkszeitung vom 25.10.2014

Katrin Kleinod

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