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Kinderbande: Leipziger Jugendamtschef räumt Fehler ein - "Hätten eher eingreifen müssen"

Kinderbande: Leipziger Jugendamtschef räumt Fehler ein - "Hätten eher eingreifen müssen"

Jugendamtsleiter Siegfried Haller hat im Umgang mit der kriminellen Kinderbande Fehler eingeräumt. „Wir hätten viel früher eingreifen müssen“, so Haller gestern gegenüber der LVZ.

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Siegfried Haller, Leiter des Leipziger Jugendamts.

Quelle: Volkmar Heinz

Die beiden Rädelsführer der Clique, 13-jährige Zwillingsbrüder, sollen nun getrennt und außerhalb von Leipzig intensivpädagogisch betreut werden.

Bereits seit 2008 würden die Zwillinge vom Jugendamt in verschiedenen Maßnahmen betreut. „Das Elternhaus hat damals um Unterstützung gebeten“, so Haller. Als der Vater der beiden Jungen auszog, habe die Mutter sich sehr intensiv bemüht und immer wieder gehofft, dass sich die Situation stabilisiert. Doch es passierte das Gegenteil: Beschränkten die Grünauer Zwillinge ihre Straftaten zunächst auf das Allee-Center, breiteten sie sich spätestens 2011 im gesamten Stadtgebiet aus - scheinbar unaufhaltsam. Allein dieses Jahr  hat die Bande mit sechs überwiegend strafunmündigen Tätern  schon über 80 Straftaten verübt, vorwiegend Diebstahl, Körperverletzung, Sachbeschädigung.

Insider aus dem Jugendamt berichteten gegenüber der LVZ, dass bei der städtischen Behörde in den vergangenen fünf Jahren mehr als 300 polizeiliche Informationen über die Bande eingegangen seien. „Aber man wollte das Problem offenbar aussitzen bis die Jungs nächstes Jahr strafmündig sind“, so ein Mitarbeiter.

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Wurden von der Leipziger Kinderbande heimgesucht: der Delia Modeladen im Hansahaus undder Tabakladen in der Karl-Liebknecht-Straße.

Quelle: André Kempner

Ende voriger Woche hatte der  renommierte Kriminologe Christian Pfeiffer im LVZ-Interview kritisiert, dass die Stadt im Umgang mit der Kinderbande zu lange tatenlos zugesehen habe. „Ich teile die Auffassung von Christian Pfeiffer“, sagte Haller gestern. „Nach dem, was ich jetzt in den Akten gesehen habe, hätten wir schon vor einem halben Jahr massiv intervenieren müssen. Das, was die Jungs an Schrecken in der Händlerschaft erzeugt haben, ist auf gar keinen Fall zu dulden.“

Jahrelange Bemühungen des Jugendamtes wie Schulsozialarbeit und die sogenannte suchende Straßensozialarbeit mit Streetworkern verpufften wirkungslos. Haller: „Wir hatten Situationen, da wurden die Kinder zur Schule begleitet, gingen zu einer Tür rein und zur anderen Tür wieder raus. Auf diese Weise gab es eine erhebliche Zahl von Fehlstunden.“

Auch eine therapeutische Wohngemeinschaft, in der die Problemkids mehrere Monate lang bis zum Sommer dieses Jahres lebten, hatte nicht den erhofften Erfolg. „Dieses Grundmodell hat bei den beiden 13-Jährigen nicht funktioniert“, konstatierte Haller. „Hier muss mit intensivpädagogischen Maßnahmen gegengesteuert werden.“ Für die Stadt kommen dabei exakt jene zwei Varianten in Betracht, die Pfeiffer gegenüber der LVZ nannte: Betreuung durch sogenannte Profi-Eltern oder geschlossene Heimunterbringung.

Heute werden die Zwillinge aber zunächst zu einer Feindiagnostik in der Leipziger Uniklinik für Kinder- und Jugendpsychiatrie erwartet. „Wir wollen eine genaue Prüfung, welche Indikation angezeigt ist“,   so Haller, „denn die Zwillinge sind  von ihrer Persönlichkeit her durchaus unterschiedlich.“

Nach dieser Untersuchung werde entschieden, ob sie in eine speziell geschulte Familie kommen oder in eine vollstationäre Einrichtung mit einem Angebot an intensivpädagogischen  Maßnahmen.

„Auf jeden Fall wird es so sein, dass die Zwillinge getrennt voneinander für längere Zeit außerhalb von Leipzig untergebracht werden“, sagte Haller. „Das, was wir jetzt verordnen, ist ein harter Eingriff in eine beginnende kriminelle Karriere. Ein Zwillingspaar zu trennen, ist eine extreme Maßnahme.“

Allerdings sei der Fall auch außergewöhnlich. „Ein solches Ausmaß an Straftaten von strafunmündigen Kindern habe ich noch nicht erlebt, seit ich in Leipzig bin“, so Haller, der im November 1999 zum Leipziger Jugendamtsleiter berufen worden war.

Neben den Zwillingen gebe es noch drei Kinder aus der berüchtigten Bande, mit denen das Jugendamt „in intensivem Kontakt“ stehe. Ob die Clique ohne ihre derzeitigen Rädelsführer weiter auf Beutezüge gehen wird, bleibe abzuwarten.  Frank Döring

Frank Döring

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