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Kinderschwert und Segelohrenfigur: Kuriose Funde bei Grabungen im Katharinenhof

Kinderschwert und Segelohrenfigur: Kuriose Funde bei Grabungen im Katharinenhof

Die Funde fielen nicht unglaublich spektakulär aus - trotzdem war es etwas ganz Besonderes als das sächsische Landesamt für Archäologie am Mittwoch zum Pressetermin in die Katharinenstraße 19 einlud.

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Grabungsleiterin Petra Schug freut sich über die ungewöhnlichen Funde.

Quelle: Christian Nitsche

Leipzig. Immerhin fand im Hof des barocken Handelshauses in den letzten Wochen eine Grabung mit dem internen Kürzel "L 200" statt, erklärte Thomas Westphalen, Abteilungsleiter für Archäologische Denkmalpflege. "Diese Nummer steht für die Anzahl der Grabungen im Leipziger Stadtgebiet seit dem Jahr 1993. Ich kann mich noch gut an die allererste erinnern. Das war im Barthels Hof und ich selbst habe sie geleitet", erzählte er. Die räumliche Situation damals sei ganz ähnlich wie bei dem Untersuchungsareal gewesen, das gestern abgeschlossen wurde - erforscht werden nur die Bereiche zwischen den Häusern, in denen alte Erdschichten ohnehin einem Neubau weichen.

Diesmal ging es auf lediglich 200 Quadratmetern bis zu 3,50 Meter in die Tiefe. Zum Vorschein kam unter anderem ein kleines Holzschwert, mit dem "sicherlich ein Kind in der Zeit um 1300 den Rittern nacheiferte", so Grabungsleiterin Petra Schug. "So etwas hatten wir noch nie." Auch der Probierstein eines Goldschmieds, mit dem dieser den Goldgehalt von Materialien bestimmen konnte, sowie eine menschliche Spaßfigur "mit Glubschaugen und Segelohren - vielleicht von einem Schachspiel" gehörten zu den ungewöhnlichen Funden.

 

Für die Fachleute oft weit interessanter sind jedoch die freigelegten Bodenprofile. "Hier fanden wir Schichten aus Mist mit vielen Holz- und Lederanteilen", ergänzte Westphalen. Das seien Anzeichen für frühere Fachwerkbauten und für umfangreiche Tierhaltung. "Pferde, Schweine, Ziegen - in den Höfen des Mittelalters muss es ganz schön gestunken haben." Aus solchen Befunden sowie Millionen von Scherben, welche die Archäologen in 21 Jahren in Leipzigs City zu Tage förderten, lasse sich die Entstehungsgeschichte der Stadt immer besser rekonstruieren und mitunter auch korrigieren. "So wissen wir heute, dass die berühmte urbs Libzi, die Thietmar von Merseburg 1015 erstmals schriftlich erwähnte, keinesfalls nur eine Burg war. Es handelte sich um eine etwa vier Hektar große Fläche nahe des Matthäikirchhofs, die neben der Burg und einem Franziskanerkloster bereits eine dichte Besiedlung aufwies."

Um deren genaue Lage oder die der bedeutenden Handelsstraßen Via Regia und Via Imperii zu beschreiben, müsse man sich jedoch vom heutigen Straßenraster trennen. "In Zusammenarbeit mit dem Stadtgeschichtlichen Museum werden wir im Mai 2015 eine große Ausstellung zur Stadtarchäologie Leipzigs eröffnen. Anlass dafür sind die Feierlichkeiten zum 1000. Jubiläum der Ersterwähnung", kündigte Westphalen an. In der Ausstellung solle zum Beispiel auch die genaue Lage der urbs Libzi veranschaulicht werden: "Erstmals überhaupt."

Aus der Leipziger Volkszeitung vom 31.07.2014

Jens Rometsch

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