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Kinderstation des Herzzentrums Leipzig: "Das war unser schwierigster Fall"

Kinderstation des Herzzentrums Leipzig: "Das war unser schwierigster Fall"

Luisi, schwarzes Wuschelhaar, schwarze Knopfaugen, macht, was alle vier Monate alten Babys machen: Sie fordert bei Hungergefühlen plärrend ihre Portion Muttermilch ein, lächelt zufrieden, wenn sie satt ist, kuschelt sich an Mama.

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Die kleine Luisi mit Mutti Susan Duky und Professor Martin Kostelka diese Woche im Leipziger Herzzentrum.

Quelle: André Kempner

Leipzig. Und momentan ist Luisi auch noch eine große Portion Zuneigung aller Schwestern und Ärzte auf der Kinderstation des Herzzentrums Leipzig gewiss. Viele Schutzengel hatten sich in den vergangenen Wochen zusammengetan, damit die Kleine überleben kann.

Ihre Geburt am 16. Juni in der ugandischen Hauptstadt Kampala, wo ihre Eltern leben, stand unter keinem guten Stern: Mama Susan Duky (28) litt an Malaria. Das Baby musste per Kaiserschnitt geholt werden. Zudem hatten die dortigen Ärzte per Herzkatheter-Eingriff Luisis Leben überhaupt zu retten: Das Kind litt an einem seltenen, hochkomplexen Herzfehler. Aorta und Lungenarterie waren vertauscht. Helles, sauerstoffangereichertes Blut floss in die Lunge zurück, statt umgekehrt. Und kohlendioxidreiches, verbrauchtes Blut wurde in den Körper transportiert. Mit der Folge, dass die Lunge mehr und mehr ihren Widerstand aufgab, letztlich auch der Muskel der linken Herzkammer - permanent nicht gefordert - schwächer und schwächer wurde. Ohne ärztliche Korrektur hätte das Mädchen nicht mal das erste Lebensjahr erreicht.

In Kampala war der komplizierte Eingriff nicht machbar. "Die Ärzte sagten mir, es gebe eine Chance im Ausland", erzählt Mutter Susan. Über die Hilfsorganisation Chain of Hope sollte sie nach Deutschland, nach Leipzig kommen. Doch für die gebürtige Sudanesin hieß das, erst einmal zurück in den Südsudan, um für sich und die Kleine ein Visum zu beantragen. "Was dauerte und die schnell nötige Behandlung der Kleinen enorm verzögerte", sagt Martin Kostelka, leitender Oberarzt der Kinderherzchirurgie am Herzzentrum Leipzig. "In so einem Fall ist ein Kind in zwei Schritten zu operieren, wozu jegliche Fachliteratur besagt, dass das am besten in den ersten zwei Lebensmonaten möglich ist." Doch Luisi und ihre Mutter trafen erst am 29. August in Leipzig ein. "Eigentlich schon viel zu spät. Und wir hatten so etwas zu so einem überschrittenen Zeitpunkt auch noch nie gemacht. Aber letztlich blieb uns bei Luisi dann keine andere Wahl", so der Professor.

Am 2. September wagten er und sein Team den ersten Eingriff - als Vorbereitung auf die eigentliche Korrektur der beiden Hauptgefäße. "Die geschwächte linke Herzkammer musste stabilisiert und retrainiert werden - was man durch eine Einengung der Lungenschlagader erreicht. Die Herzkammer sollte ja zunächst wieder arbeiten", erklärt Kostelka. Eine Friemelarbeit für große Männerhände. Luisis Herz mochte etwa groß wie ein Tennisball sein. Die OP Nummer eins verlief gut. Doch dann, plötzlich, versagte die linke Herzkammer. "Offenbar war die Einengung der Lungenschlagader zu straff. Das war schlimm. Wir mussten Luisi reanimieren, die Einengung mit einer schnellen OP wieder lockern. Das war ein Punkt, wo wir sie fast verloren hätten." Kostelka macht die Erinnerung an jenen kritischen Moment noch im Nachhinein zu schaffen. Er nennt es dann schlicht "Luisi hat Glück gehabt", was eigentlich ärztliche Kunst nach zweitägigem Ringen auf der Intensivstation wieder hinbog: Die Kleine kam zurück ins Leben.

Am 15. Oktober dann der ganz große zweite Eingriff, die sogenannte Switch-Korrektur, bei der die beiden vertauschten Großgefäße am Herzen richtig verortet werden sollten. Doch hier tat sich eine weitere Baustelle auf: "Wie sich zeigte und was die Sache noch einmal extrem schwierig machte, hatte das Baby auch noch eine Herzkranzanomalie. Statt zwei Herzkranzarterien besaß es nur eine. Durch mehrere technische Tricks und jahrelange Erfahrung lässt sich aber auch so etwas beheben", erzählt Kostelka.

Das Unglaubliche: Seit dieser Woche erinnert nur noch die kleine Narbe auf Luisis Brust an den Albtraum, den sie, ihre Mutter sowie die dreijährige Schwester und alle Angehörigen in der Heimat durchlebten. "Kinder haben ein hohes Selbstheilungspotenzial", weiß Kostelka. Und Luisi sei bereits geheilt. Keine Medikamente. Keine Einschränkungen. "Die Kleine hat jetzt eine Lebenserwartung wie jeder andere Säugling auch."

Die Organisation "Chain of Hope" hat der weltweit geschätzte Londoner Kinderherzchirurg Professor Sir Magdi Yacoub etabliert. Als Kostelka 2000 nach Leipzig kam, bat ihn Freund Yacoub, dabei zu helfen. "Ich bin sehr froh, dass unsere Geschäftsführung das seither mitträgt", erzählt Kostelka. Jährlich werden bis zu zehn Kinder im Leipziger Herzzentrum kostenlos behandelt. Für Reise und Unterkunft sorgt "Chain of Hope". Allen kleinen Patienten konnte bisher geholfen werden. Luisi war das 100. Kind. "Und unser mit Abstand schwierigster Fall", sagt Kostelka.

Aus der Leipziger Volkszeitung vom 01.11.2014

Raulien, Angelika

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