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Lokales Kita-Engpässe – Leipzig braucht 1500 Plätze zusätzlich und baut nun auch kleinere Häuser
Leipzig Lokales Kita-Engpässe – Leipzig braucht 1500 Plätze zusätzlich und baut nun auch kleinere Häuser
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00:18 06.05.2017
Sozialbürgermeister Thomas Fabian (SPD) forciert das Tempo, um den Engpass bei Kita-Plätzen in Leipzig abzubauen. Quelle: Christian Modla
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Leipzig

In Leipzig fehlen derzeit mehr als 1100 Betreuungsplätze. In sieben von zehn Stadtteilen gibt es Engpässe bei der Versorgung. Dabei baut die Stadt seit Jahren zusätzliche Einrichtungen. Doch das Tempo reicht offenbar nicht. Die LVZ sprach darüber mit Sozialbürgermeister Thomas Fabian (SPD).

Eltern haben einen Rechtsanspruch auf einen Kitaplatz. Doch derzeit muss die Stadt viele vertrösten. Woran liegt das?

Wir haben das Kita-Netz in Leipzig in sehr großem Umfang ausgebaut und in den letzten zehn Jahren nahezu 9000 zusätzliche Plätze in Kitas und 1881 Plätze in der Tagespflege geschaffen. Gleichzeitig werden jedes Jahr mehr Kinder geboren. Das zeigt sich erneut im ersten Quartal 2017, wo mit 1774 Geburten bereits 183 Kinder mehr zur Welt kamen als im ersten Quartal des Vorjahres. Allein dafür brauchen wir eine weitere große Kita zusätzlich. Auch der Wanderungssaldo – also der Zuzug von Familien mit Kindern – ist seit drei Jahren positiv. 2015 waren das 569 Kinder unter 6 Jahren, also viele junge Neuleipziger mit einem Rechtsanspruch auf Betreuung. Dem stellen wir uns, aber die dafür notwendigen Kitas müssen erst gebaut werden.

Viele haben den Eindruck, dass das Tempo beim Bauen nachgelassen hat. 2015 wurden 19 Einrichtungen erweitert oder neu gebaut, in diesem Jahr sind es höchstens zehn. Verschläft die Stadt erneut den Geburtenboom?

Nein. 2015 haben wir mehr als 2500 zusätzliche Plätze geschaffen, da konnten wir die Ernte aus den Vorbereitungen in den Vorjahren einholen. 2016 sind fast 1100 Plätze neu entstanden, 2017 werden es 1000 sein. Wir sind davon ausgegangen, dass mit diesem relativ stabilen Niveau des Platzzuwachses der Bedarf gedeckt werden kann. Doch die früheren Bevölkerungsprognosen sind überholt. Die Anzahl der zu betreuenden Kinder ist schneller gewachsen als angenommen. Deshalb weiten wir nun das Investitionsprogramm deutlich aus, zeitnah müssen weitere 1500 Plätze zusätzlich her. Möglichst schon im nächsten Jahr.

Wie wollen Sie das schaffen?

Wir sind dabei, Verfahren und Abstimmungen innerhalb der Ämter zu beschleunigen. Die Steuerungsgruppe Schulhausbau kümmert sich inzwischen auch um Planungen für den Kita-Bau. Durch eine Straffung der Prozesse lassen sich in der Planungsphase einige Monate Zeit gewinnen. Dazu gehört, von bisherigen Festlegungen abzuweichen. Neue Kitas sollten bislang mindestens 165 Plätze haben. Zukünftig können es weniger sein, 90 ist allerdings die Untergrenze. Dadurch wird der Bau zwar etwas teurer, dafür können auch kleinere Grundstücke genutzt werden. Bauland ist in Leipzig inzwischen knapp, größere Grundstücke brauchen wir außerdem für Schulen.

Gibt es überhaupt noch ausreichend Grundstücke?

Ich hoffe, dass das für kleinere Kitas der Fall ist. Wir prüfen gerade eine Liste mit kleineren Grundstücken, die wir vorher nicht in den Blick genommen hatten, weil sie für die bisherige Mindestgröße einer Kita mit 165 Plätzen zu klein waren.

Die Linke haben eine „Task Force Kitas“ innerhalb der Verwaltung angeregt, die Entscheidungen beschleunigt. Ist die überflüssig?

Ja. Die vom Oberbürgermeister geleitete Steuerungsgruppe Schulhausbau befasst sich bereits mit Kindertagesstätten.

Die Stadt wird immer dichter bebaut. Gibt es künftig mehr Kitas mit Freiflächen auf Dachterrassen?

Das kann ich momentan nicht einschätzen. Auf jeden Fall müssen Kitas auch mehrgeschossig gebaut werden, wenn Flächen knapp sind. Das wird dann allerdings teurer.

Ist genügend Geld für die notwendigen Investitionen da?

Wir setzen auch künftig auf die Zusammenarbeit mit privaten Investoren. Diese bauen eine Kita, freie Träger mieten sie als Betreiber und bekommen Mietzahlungen von der Kommune erstattet. Über die Betriebskosten wird die Investition refinanziert.

Wo klemmt der Schuh am meisten, um schneller voranzukommen?

Die Planung dauert oft länger als die Umsetzung einer Baumaßnahme. Diese Phase müssen wir verkürzen, da sind wir dabei.

Reicht das Tempo, um mit Geburtenboom und Zuzug Schritt zu halten?

Ich hoffe, dass wir mit der Errichtung von Kitas in Modulbauweise Bauabläufe beschleunigen können. Damit sind nicht Container gemeint, sondern vorgefertigte Bauteile. Das ist zwar nicht das Allheilmittel, aber ein sinnvoller Weg, um Engpässe zügig abzubauen. Das haben wir ja bei Erweiterungsbauten an Schulen wie bei der Paul-Robeson-Oberschule gesehen.

Bis 2030 werden in Leipzig mindestens 80 weitere Kitas benötigt, haben Sie mal als Richtwert gesagt. Ist das überhaupt zu stemmen?

Für 2018 sind bereits 19 Baumaßnahmen geplant, darunter 13 Neu- und Ersatzneubauten. Für 2019 sind weitere 14 Vorhaben in Vorbereitung. Das sind zusammen 3200 neue Plätze. Zehn Kitas in Modulbauweise sollen im nächsten Jahr oben draufkommen. Wenn dies gelingt, bin ich zuversichtlich. Dann wird allmählich ein Niveau erreicht, um den Bedarf decken zu können. Aber auch dann müssen weitere Investitionen bis 2030 auf den Weg gebracht werden, zumal auch bestehende Kitas saniert werden sollen.

Bis wann hat sich die Situation entspannt?

Im Laufe der nächsten drei Jahre muss das gelingen. Unter entspannt verstehe ich, dass wir ein gesundes Maß an Überkapazität haben.

Ist an eine Erhöhung der Zahl der Tagespflege gedacht?

Ja, in den kommenden Jahren soll auch das Angebot an Tagespflegeplätzen erhöht werden.

Kitas sind das eine, die notwendigen Erzieher das andere. Reichen die?

Diese Entwicklung beobachte ich seit Jahren mit Sorge und habe mich deshalb mit der Bitte an den Freistaat gewandt, die Ausbildungskapazitäten in Sachsen zu erhöhen. Inzwischen sind erste Anzeichen eines Fachkräftemangels unübersehbar. Schon jetzt ist es nicht einfach, ausreichend Erzieherinnen und Erzieher zu gewinnen. Die Situation wird sich in den nächsten Jahren verschärfen.

Von Mathias Orbeck

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