Menü
Leipziger Volkszeitung | Ihre Zeitung aus Leipzig
Anmelden
Lokales Kita-Gebühren belasten auch in Sachsen vor allem ärmere Familien
Leipzig Lokales Kita-Gebühren belasten auch in Sachsen vor allem ärmere Familien
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
22:18 28.05.2018
Kita kostet – und die Beiträge belasten auch in Sachsen das Budget von ärmeren Familien besonders stark. (Symbolbild) Quelle: dpa
Leipzig

Ärmere Familien werden durch Kita-Beiträge deutlich stärker belastet als andere. Haushalte unterhalb der Armutsgrenze geben einen fast doppelt so hohen Anteil ihres Einkommens für die Kinderbetreuung aus. Und das, obwohl die Beiträge vielerorts schon sozial gestaffelt sind. Das geht aus einer am Montag vorgestellten Studie der Bertelsmann-Stiftung hervor. Auch in Sachsen drücken die Elternbeiträge vor allem bei Alleinerziehenden aufs Budget.

Im Bundesdurchschnitt geben ärmere Familien rund zehn Prozent ihres Einkommens für die Betreuung des Nachwuchses aus. Bei sozialer Staffelung schlagen rund 118 Euro zu Buche, während wohlhabendere Eltern durchschnittlich fünf Prozent ausgeben, absolut gesehen rund 178 Euro.

Die Studie fordert, dass Beiträge bundesweit einheitlich gestaltet werden müssten. Armutsgefährdete Eltern sollten vollständig von Kita-Beiträgen und Zusatzkosten für Essen, Ausflüge etc. befreit werden, fordert Jörg Dräger, Vorstand der Bertelsmann-Stiftung, deshalb am Montag.

Auch konkrete Zahlen in Sachsen spiegeln das Ergebnis des „ElternZOOm“ von infratest dimap wider. Durchschnittlich zahlen die befragten Eltern laut Studie zwischen 1,3 Prozent und 13,6 Prozent ihres Einkommens für Kita-Beiträge. Der Mittelwert liegt bei 6,3 Prozent – und der wird vor allem von armutsgefährdeten Familien überschritten. Darunter fallen Haushalte, die weniger als 60 Prozent eines durchschnittlichen Einkommens zur Verfügung haben. Die Quote der Armutsgefährdung liegt im Freistaat bei 17,3 Prozent.

Einkommen in Leipzig steigen

Die Ausgangslage in Leipzig ist nicht schlecht. Die Zahlen des Leipziger Amts für Statistik und Wahlen zeigen: Seit Jahren steigen in der stark wachsenden Metropole die Haushaltsnettoeinkommen. Danach haben Paare mit Kindern rund 3281 Euro zur Verfügung. Eine Familie zahlt für einen 9-Stunden-Krippenplatz 211,14 Euro, wendet demnach 6,4 Prozent auf. Das liegt im sächsischen Mittel.

Für einen Kindergartenplatz sind die Konditionen günstiger. In Leipzig werden dafür 130,12 Euro fällig, der Beitrag macht also knapp vier Prozent des Haushaltsnettoeinkommens aus. Die aktuellsten veröffentlichen Zahlen der Stadt Leipzig stammen aus dem Jahr 2016.

Alleinerziehende stärker belastet

Alleinerziehende in der Messestadt haben mit rund 1665 Euro pro Monat nur etwa die Hälfte im Vergleich zu Paaren mit Kindern zur Verfügung. Sie geben aber mit 190,03 Euro für einen Krippenplatz rund 11,4 Prozent ihres Einkommens für Kinderbetreuung aus. Das nähert sich dem sächsischen Höchstwert von 13,6 Prozent an. Für einen Kindergartenplatz werden pro Monat 117,11 Euro fällig, immer noch sieben Prozent des Einkommens, und im Verhältnis deutlich mehr als bei Paaren mit Kindern.

Laut Bertelsmann-Umfrage packen sächsische Eltern pro Kind rund 60 Euro pro Monat an Zusatzkosten für Mittagessen und Snacks, Ausflüge oder Bastelmaterial oben drauf.

Die Mehrheit der armutsgefährdete Familien in Deutschland zahlt einen Kita-Beitrag. Auch die Mehrheit der armutsgefährdeten Familien zahlt Kita-Beiträge. Quelle: Bertelsmann-Stiftung

Beiträge in Dresden und Chemnitz

Zum Vergleich: In Dresden haben Paare mit Kindern laut Kommunaler Bürgerumfrage 2016 rund 3580 Euro zur Verfügung. Für neun Stunden Betreuung der Jüngsten in der Krippe zahlen sie 212,81 Euro, also 5,9 Prozent ihres Einkommens. Der Kindergartenplatz schlägt mit 146,02 Euro zu Buche, ein Anteil von 4,1 Prozent.

Alleinerziehende zahlen auch hier drauf. Mit einem Haushaltnettoeinkommen von 1740 Euro finanzieren sie einen Krippenplatz für 191,53 Euro – satte 11 Prozent der Einkünfte. Beim Kindergartenplatz für 131,42 Euro geben Single-Mama oder –Papa immer noch anteilig 7,5 Prozent vom schmalen Budget aus.

Für Chemnitz ist die Vergleichbarkeit schwierig, denn das Landesamt für Statistik weist nur ein über alle Haushalte ermitteltes durchschnittliches Nettoeinkommen von 1783 Euro aus. Absolut gesehen zahlen die Chemnitzer laut Stadt diese Kita-Beiträge: Dort liegt die Gebühr für die unter Dreijährigen bei 171,42 Euro pro Monat (Alleinerziehende 154,28 Euro), ein Kindergartenplatz kostet 116,75 Euro (Alleinerziehende 105,07).

Berlin günstig – Mecklenburg-Vorpommern teuer

Bundesweit wurden für die Untersuchung mehr als 10.000 Haushalte mit Kindern befragt, 724 kamen aus Sachsen. Die Studie zeigt auch: Ob Eltern in Leipzig, Berlin, Mecklenburg-Vorpommern oder Schleswig-Holstein wohnen, macht finanziell auch bei Kita-Beiträgen einen Unterschied. So gilt in der Bundeshauptstadt weitgehend die Beitragsfreiheit – Kita-Beiträge plus Zusatzkosten machen nur rund zwei Prozent eines durchschnittlichen Eltern-Haushaltseinkommens aus. In Schleswig-Holstein ist die Belastung mit einem Durchschnitt von 8,9 Prozent am höchsten, gefolgt von Mecklenburg-Vorpommern mit 7,8 Prozent.

Von Evelyn ter Vehn

Kommentare
Die Debatte geht am Morgen weiter
Die Kommentarfunktion ist zwischen 23:00 und 06:00 Uhr nicht aktiv – denn wir wollen eine gute Moderation der Beiträge gewährleisten.
Wir freuen uns am Morgen über Ihre konstruktiven Beiträge zum Thema!

So heiß wie am Montag war es in Teilen Sachsens im Mai noch nie. Landesweit wurden gleich an mehreren Stationen die Temperaturrekorde geknackt.

28.05.2018

Das Stadtarchiv zieht ab 1. Juni in den ehemaligen Sowjetischen Pavillon auf der Alten Messe. Deshalb werden einige Leistungen des Archivs vorerst nicht mehr verfügbar sein.

28.05.2018

Fast 12 000 Fahrzeuge fahren täglich über den westlichen Innenstadtring. Am Montag wurde er in eine Richtung gesperrt – doch die befürchteten Staus blieben weitgehend aus. Am Dienstag starten die eigentlichen Bauarbeiten. Sie dauern bis Oktober.

28.05.2018