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Kita-Krise in Leipzig: Das zähe Ringen um eine Mini-Krippe

Kinderbetreuung Kita-Krise in Leipzig: Das zähe Ringen um eine Mini-Krippe

„Kobelei“ nennt Steffi Rothe ihre Mini-Kita, die in der Erich-Köhn-Straße entsteht und die im August an den Start gehen darf. Bis dahin musste die Erzieherin etliche Hindernisse überwinden, damit die 16 Plätze in den Bedarfsplan der Stadt Leipzig gelangen.

Nach zähem Ringen kann es losgehen: Steffi Rothe (rechts) und Kollegin Helene Corrot gehen mit einer Mini-Kita in Altlindenau an den Start.
 

Quelle: André Kempner

Leipzig. Eichhörnchen bauen Nester, die Kobel heißen. „Kobelei“ nennt Steffi Rothe ihre Mini-Kita, die in der Erich-Köhn-Straße entsteht und die nun im August an den Start gehen darf. Bis dahin musste die Erzieherin etliche Hindernisse überwinden, damit die 16 Plätze in den Bedarfsplan der Stadt gelangen. Das funktionierte nur, weil der Freie Kindergarten in der Lobstädter Straße ihr als Träger zur Seite steht.

Sie kennt die meist aus einer Elterninitiative heraus entstandenen „Kinderläden“, die in der Regel 15 bis 25 Steppkes betreuen, aus Berlin. Dort und in vielen anderen Städten sind diese Mini-Kitas normal und werden auch unkompliziert mit einer Pauschale von der dortigen Behörde gefördert. „Im Leipziger Jugendamt stieß ich mit meiner Idee jedoch auf wenig Gegenliebe. Es wurde versucht, sie mir mit vielen Einwänden und Vorbehalten auszureden“, erzählt Rothe, die von Beruf eigentlich Architektin ist. „So als wäre es völlig abwegig, wenn Eltern selbst bei der Schaffung von Betreuungsplätzen aktiv werden wollen.“

Voraussetzungen erfüllt

Die Voraussetzungen, eine Kita zu betreiben, erfüllt sie: Nach zweijähriger Tätigkeit im Industriebau wechselte sie, machte eine Ausbildung zur staatlich anerkannten Erzieherin und spezialisierte sich auf Pikler-Pädagogik. Die geht auf die ungarische Kinderärztin Emmi Pikler zurück, die ein auf Kleinkinder orientiertes Konzept entwickelte. Später studierte Steffi Rothe an der Uni Zürich sogar noch Erziehungswissenschaften. Ihr Wunsch ist es, mit unter Dreijährigen zu arbeiten. Die Pikler-Pädagogik sei dafür eine ideale Grundlage. Krabbelkiste, Kriechtunnel oder Kletterdreieck gehören zu den Spiel- und Bewegungsmaterialien. Bei alltäglichen Situationen werde das Kind gefördert. „Wenn wir ein Kind wickeln, kommentieren wir das und fördern so die Sprache“, nennt die Mutter von zwei Kindern ein Beispiel.

2014 kaufte die Familie in Altlindenau ein Haus, um darin zu wohnen und um eine Krippe zu eröffnen, die in Leipzig dringend benötigt wird. Drei Jahre lang hat die Architektin („Sonst hätte ich mir das nicht zugetraut“) das Haus mit hohem finanziellen sowie Kraftaufwand umbauen lassen. Bei vielen Behörden, darunter auch beim Landesjugendamt, stieß sie auf Wohlwollen. Schließlich musste sei die Baugenehmigung einholen und im Vorfeld prüfen lassen, ob es für die Mini-Kita überhaupt eine Betriebserlaubnis gibt.

Langes Hin und Her

Während das Landesjugendamt zustimmte, fand das Leipziger Jugendamt den Betrieb einer Mini-Kita zunächst wohl nicht wirtschaftlich genug. Es setzt vor allem auf größere Einrichtungen. Doch mehr als die Betreuung von 16 Kindern lässt das Gebäude samt vorgeschriebener Freifläche im Garten gar nicht zu. „Kleinere Einrichtungen sind auch für die seelische Gesundheit der Kinder besser“, ergänzt Kollegin Helene Corrot, eine in Frankreich ausgebildete Grundschullehrerin und Erzieherin.

Die Suche nach einem Ausweg begann. „Mir wurde geraten, die Einrichtung rein privat zu betreiben. Das wollte ich aber nicht, weil durch Betriebskosten von mindestens 600 Euro monatlich ein Großteil Eltern von vornherein ausgeschlossen ist“, sagt die 40-Jährige. Also musste sie sich einen freien Träger suchen, dem sie sich angliedern konnte. Das war der Freie Kindergarten, der sich 1992 gründete. „Es war außerordentlich zäh, eine Lösung zu finden“, sagt Jürgen Brehme, der die Einrichtung in der Lobstädter Straße leitet. „Kinderläden sind ein Modell, das in vielen Städten funktioniert. Bei uns ist es aber offenbar nicht gewollt.“

Keine Lösung, aber ein Mosaikstein

So habe das Amt offenbar Angst, dass es in kleineren Einrichtungen häufiger zu Beschwerden kommt. Doch in jenen eher familiären Einrichtungen ziehen Erzieher und Eltern besser an einem Strang. „Natürlich brauchen solche Initiativen durch die Vielzahl der Vorschriften eine fachliche Unterstützung, doch das wäre eigentlich die Aufgabe des Jugendamtes.“ Der Freie Kindergarten, der auch schon den Verein Leikila unterstützt, ist nun eine Kooperation mit dem Projekt eingegangen.

Steffi Rothe hatte sich auch an Bürgermeister Thomas Fabian (SPD) gewandt. Er hatte bei der Demo vor dem jüngsten Stadtratssitzung versprochen, dass Elterninitiativen, die mit der Gründung von Mini-Kitas nicht weiterkommen, sich an ihn wenden können. Mittlerweile steht dem Projekt nur noch die Abnahme vor dem Start bevor. Die Aufnahme in den Bedarfsplan ist zugesichert. 16 Kinder, im Alter von sechs Monaten bis drei Jahren, und Eltern können sich freuen. Mini-Kitas lösen zwar das Problem der mehr als 1100 fehlenden Betreuungsplätze nicht. Sie sind aber ein wichtiger Mosaikstein.

Von Mathias Orbeck

Leipzig, Erich-Köhn-Straße 51.340289 12.331943
Leipzig, Erich-Köhn-Straße
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