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Lokales Kita-Platz-Notstand: Erste Leipziger drohen mit Wegzug aus der Stadt
Leipzig Lokales Kita-Platz-Notstand: Erste Leipziger drohen mit Wegzug aus der Stadt
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23:30 07.07.2014
Quelle: dpa

Die erste Familie will nun sogar aus Leipzig wegziehen, falls sie für ihren Nachwuchs keinen Betreuungsplatz findet.

Annett Quetschke (31) und Carsten Anders (30) trifft die Misère hart. Die Leipziger suchen seit Mai 2013 krampfhaft nach einem Betreuungsplatz. Dabei hatten sie sich schon vor der Geburt der mittlerweile neun Monate alten Lotta Marie umgeschaut. Ohne Erfolg.

Dann nach etlichen Absagen endlich ein Lichtblick. "Wir sind in der Nacht zum 1. Juli wach geblieben, um auf dem Internetportal der Stadt Leipzig einen Krippenplatz für unser Kind zu reservieren", berichtet das junge Paar. Und siehe da. Es wurde fündig! Es gelang den jungen Eltern, im Online-Reservierungssystem der Stadt einen Platz zu ergattern. Doch beim Telefonat am nächsten Morgen mit der Kita "Straßenkindergarten" kam das böse Erwachen. Ihnen wurde mitgeteilt, dass es sich bei der Vergabe um einen Systemfehler gehandelt hätte.

Annett Quetschke und Carsten Anders sind am Verzweifeln. "Nach dem Telefonat hatte ich einen Nervenzusammenbruch", erzählt die junge Mutter. "Wir hatten so viel Kraft und Zeit in die Suche investiert und nun fängt alles wieder von vorne an." Die Zeit wird langsam knapp, denn bald endet ihre Elternzeit. Am ersten Geburtstag von Lotta Marie im Oktober müsste Annett Quetschke ihre Arbeit als Technische Mitarbeiterin bei der Universität Halle wieder aufnehmen.

Beinahe täglich schaut sie nun in das Online-Portal, aber es rührt sich nichts. Das Info-Angebot sei gut, sagt sie, aber das Internetportal der Stadt überflüssig, wenn keine neuen Betreuungsangebote ins Netz gestellt würden. "Gerade in unserer Gegend sieht es sehr schlecht aus. Derzeit wird zwar ein Kindergarten an der Gohliser Straße gebaut, aber bis der fertig ist, dauert es." Eine private Kita kommt für die Eltern von Lotta Marie schon aus Kostengründen nicht infrage. Und auch bei Tagesmüttern sei nichts frei.

Das Jugendamt bestritt dies gestern gegenüber der LVZ. 2908 Tagespflegeplätze seien für 2014 geplant. Im Juni hätten 2752 Plätze zur Verfügung gestanden, belegt wären aber nur 2673. Und: "Eine Erhöhung der Platzzahlen ist durch das Amt für Jugend, Familie und Bildung problemlos möglich, da ausreichend Plätze geplant wurden", erklärte die Behörde. Bis Ende dieses Jahres gingen zudem 1800 Kita-Plätze durch Neu- und Erweiterungsbauten ans Netz, weitere 1700 bis Ende 2015. Eltern, die bislang nicht durch Eigeninitiative zu einen Kinder- oder Tagespflegeplatz gefunden hätten, könnten sich Unterstützung bei ihren persönlichen Beratern im Amt für Jugend, Familie und Bildung holen (Infos unter: www.leipzig.de/jugend-familie-und-soziales/kinderbetreuung/kindertagesstaetten).

Annett Quetschke und Carsten Anders erlebten das allerdings völlig anders. Die Stadtverwaltung habe bislang jede Kooperation vermissen lassen, das Jugendamt sie harsch abgewiesen - mit der Begründung, dass es dafür nicht zuständig sei. Das wäre Angelegenheit der einzelnen Kitas. Die Not der kleinen Familie ist mittlerweile so groß, dass sie sogar zum letzten Mittel greifen würde. "Wir schließen einen Umzug nicht mehr aus", sagt Annett Quetschke.

Aus der Leipziger Volkszeitung vom 08.07.2014

Melanie Steitz

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