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Kleine Sensation im Bachmuseum: Ausstellung zeigt altes Stammbuch des Thomanerchors

Kleine Sensation im Bachmuseum: Ausstellung zeigt altes Stammbuch des Thomanerchors

Etwa 55 Sänger gehörten zu Johann Sebastian Bachs Zeiten zum Thomanerchor. Wie sie lebten und ihre vielen Verpflichtungen überhaupt bewältigen konnten, wird in der Sonderschau "Netzwerk Thomanerchor" gezeigt.

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Das kürzlich wiederentdeckte Album Alumnorum Thomanorum gilt als kleine Sensation. Es ist Teil einer neuen Ausstellung im Leipziger Bachmuseum.

Quelle: Dirk Knofe

Leipzig. Dort ist auch das kürzlich wiederentdeckte Album Alumnorum Thomanorum - eine Matrikel mit Handschriften von Bachs Schülern - zu sehen.

Es ist schon eine kleine Sensation: Der Inhalt des fast 700-seitigen Bandes Album Alumnorum Thomanorum ist zwar bekannt. Das Original galt allerdings lange Zeit als verschollen. "Wir haben gewissermaßen das Stammbuch von Bachs Sängern wiedergefunden", erläutert Bach-Forscher Michael Maul. Der Band schlummerte seit den 1960er-Jahren nahezu unbeachtet mit anderen Dokumenten aus der Thomasschule im Stadtarchiv. Das Besondere: Alle 650 Alumnen, die von 1729 bis 1800 neu in die Thomasschule aufgenommen worden waren, haben dort eigenhändig einen Kurzlebenslauf eingetragen.

Das wiederum liefert der Wissenschaft neue Hinweise zur Datierung der Bach-Werke. Denn damals konnten die Noten nicht einfach so kopiert werden. Bach beschäftigte daher zahlreiche seiner Schüler, die die Noten für die Aufführungen einfach abschreiben mussten. Maul: "In einem Sonderprojekt haben wir gerade begonnen, systematisch die Lebensläufe der Bach-Thomaner zu erkunden. Dabei wird uns die Matrikel vielfältige Dienste leisten."

In der Sonderschau wird übrigens jene Seite aufgeschlagen, auf der sich Johann Ludwig Krebs verewigt hat. Das soll Bachs Lieblingsschüler gewesen sein. Einer Anekdote zufolge soll der Thomaskantor gesagt haben, dieser sei "der einzige Krebs in meinem Bach" gewesen. Thomaner zu werden war - trotz strenger Regeln - sehr attraktiv. Auch Kinder ärmerer Eltern konnten eine hervorragende Ausbildung erhalten, ohne dafür Schulgeld zahlen zu müssen. Dafür steht das Beispiel eines Bauernsohnes.

"Die Matrikel ist das Filetstück unserer Ausstellung", erläutert Kerstin Wiese, die Leiterin des Bach-Museums. Die Schau zeigt anhand von Originaldokumenten, wie die Schüler gelebt haben und was Bach so in Rage brachte. Die Knaben sangen an Sonn- und Feiertagen immerhin in vier Stadtkirchen, bei Beerdigungen, Hochzeiten und vielen anderen Anlässen, erlernten Musikinstrumente und hatten ein beträchtliches Schulpensum zu absolvieren.

"Die Fürsorge der Leipziger für die Thomaner ist bemerkenswert", ergänzt Ausstellungskuratorin Maria Hübner: "Bürger haben gespendet, dadurch eine gute Versorgung ermöglicht." So gab es zwar nur zwei Mahlzeiten am Tag, dafür stand aber jedes Mal Fleisch auf dem Speiseplan. "Die älteren Knaben, die oft schon 23 Jahre alt waren, zeigten sich aber erfinderisch und ließen sich von Mädels ein Frühstück bringen. Das wurde an Schnüren hinaufgezogen", so Stefan Altner, der Geschäftsführer des Thomanerchores. Viele Thomaner konnten übrigens auch zeichnen: Davon zeugt beispielsweise eine Karikatur der Stadtwachen, die als Schweinchen mit Gewehr zu sehen sind.

Die Schau thematisiert ebenso Konflikte und Ereignisse, die den berühmten Kantor so in Rage brachten. Im Sommer 1730 kam es beispielsweise zu heftigen Auseinandersetzungen zwischen der Stadt Leipzig und Bach. Aus Sicht der Ratsherren soll dieser seine Aufgaben im Schuldienst grob vernachlässigt und sich zu viele Freiheiten herausgenommen haben. Einige Ratsherren kündigten an, "dem Cantor die Besoldung zu verkümmern." Bach reagierte mit seinem später berühmt gewordenen "Entwurff einer wohlbestallten Kirchen Music" auf die Vorwürfe. Darin stellt er mit aller Deutlichkeit seine Situation dar: zu wenige Sänger, zu schlechte Sänger und fehlende Musiker. Gezeigt werden etwa 40 Objekte in der kleinen Schau, darunter viele Bach-Autografen.

Eröffnung ist am Donnerstag, 18 Uhr. Die Sonderschau ist ab 16. März jeweils dienstags bis sonntags 10 bis 18 Uhr geöffnet. Der Eintritt ins Bach-Museum kostet 6, ermäßigt 4 Euro. Kinder und Jugendliche bis 16 Jahre sind frei.

Mathias Orbeck

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