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Kleiner Gasometer wird Veranstaltungsort - bereits 400.000 Besucher in Amazonien-Schau

Kleiner Gasometer wird Veranstaltungsort - bereits 400.000 Besucher in Amazonien-Schau

Für 2010 hat sich Panometer-Macher Yadegar Asisi viel vorgenommen: Unter anderem will er ab Frühjahr den kleinen Gasometer dauerhaft als Veranstaltungsort etablieren, ein Lernatelier und eine neue Gesprächsreihe aus der Taufe heben.

Leipzig. Sein 360-Grad-Panorama Amazonien ist derweil auf dem besten Weg, seine erfolgreichste Ausstellung im Leipziger Panometer zu werden. "Seit der Eröffnung im März kamen gut 400.000 Besucher", sagt der Künstler im Gespräch auf dem LVZ-Stadtsofa. Zum Vergleich: Fast genau so viele Menschen sahen die Everest-Schau innerhalb von zwei Jahren, zum Rom-Riesenbild kamen im ersten Jahr 220.000.

Im Frühjahr soll der kleine Gasometer, der sich unmittelbar neben dem Panometer (auch ein ehemaliger Gasometer) in der Richard-Lehmann-Straße befindet, endgültig wachgeküsst werden. Seit Oktober hat Asisi das Gebäude von den Stadtwerken gepachtet. Im Gegensatz zum Nachbarbau besitzt der kleine Gasometer allerdings kein Dach. "Als Veranstaltungsraum gibt dieser wunderbare Ort dennoch sehr viel her", schwärmt Asisi. "Man kann mit Bezug zu Amazonien Veranstaltungen zu Brasilien machen, klassische bis poppige Konzerte, Videoproduktionen - wir prüfen derzeit viele Möglichkeiten." Eine ist jedenfalls schon sicher: In die Museumsnacht, die im April stattfindet, werde "dieser glücklich machende Raum" integriert, verspricht Asisi.

Auch das Thema 200 Jahre Völkerschlacht beschäftigt den Architekten der Illusionen. Ein Schlachtengetümmel interessiere ihn zwar nicht, sagt er, "aber die "Auseinandersetzung mit dem Bedeutungsraum der Völkerschlacht schon". Dazu gebe es jetzt eine Idee, "die ich noch konkretisieren muss". Eine von vielen. Wenn man den Professor für Freie Darstellung nach seine Zukunftsplänen fragt, dann sprudelt der kreative Kopf nur so über. Aber vieles müsse noch reifen, setzt er sofort hinzu.

Ausgreift dagegen scheint sein Projekt Schule des Sehens zu sein. Dahinter verbirgt sich nichts Geringeres als Asisis eigenes Lernatelier "Bis zum sechsten Lebensjahr lernt ein Kind die Komplexität der Welt über Bilder. Dann kommt die Rationalität und die frühe Fähigkeit verkümmert." Sehen im Sinne eines Sinnlich-die-Welt-Begreifens - das ist es, was sich der Mann auf seine Fahnen geschrieben hat, der 1955 in Wien als Sohn persischer Emigranten geboren wurde. Und das ist es, was seinen Werdegang als Künstler prägte, als Architekt, als Maler, als Firmenchef. Zeichnen ist für ihn Zustand höchster Schöpferkraft. "Ihre Batterie, die sich immer wieder entlädt, wird dadurch aufgeladen."

Und es ist für ihn eine universelle Form der Erkenntnis wie Lesen und Schreiben. Deshalb wird es demnächst eine Kooperation mit dem Bildermuseum geben. Deshalb trägt der erste Vortrag, den er beim Atelierbeginn in Dresden halten wird, auch den Titel "Zeichnen als gesellschaftliche Voraussetzung". Es wird ein Programm geben, mit Halbtags-, Ganztags-, Wochen-, Semesterkursen. Und es wird ordentlich Geld kosten. "Die Schüler sollen anfangs sagen: Mein Gott ist das teuer! Und sie sollen am Ende denken: Mein Gott, war das günstig!" In Deutschland habe es sich eingebürgert, für Medizin und Bildung kaum etwas zu zahlen, meint der Künstler. Deshalb werde deren Wert selten geschätzt. Ab Frühjahr will Asisi auch Vorträge und Kurse in Leipzig halten. Die ersten Veranstaltungen wird er allein leiten, sich dafür auch in andere Räume einmieten. Die Gruppen sollen nicht größer als 20 Personen sein. "Wir fangen erst einmal an. Wenn wir wissen, wie es ankommt, können wir weiterplanen."

Fest eingeplant ist dagegen schon der erste Gast des neuen Gesprächsforums "Asisi im Dialog". Sachsens Ministerpräsident Stanislaw Tillich (CDU) soll die Reihe eröffnen. Sie beginnt im April im Panometer. Das Debüt hat durchaus programmatischen Charakter. Schließlich gehe es ihm, so der Gastgeber, in der Reihe vor allem auch "um das Verhältnis von Staat und Kultur". Ironie der Asisi-Geschichte: Seine Projekte kommen alle ohne staatliche oder kommunale Förderung aus.

Peter Krutsch

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