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Lokales Kleiner Mensch, großer Schatten: Siegerentwurf für Leipzigs Wagner-Denkmal vorgestellt
Leipzig Lokales Kleiner Mensch, großer Schatten: Siegerentwurf für Leipzigs Wagner-Denkmal vorgestellt
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19:06 15.07.2011
Richard Wagner vor seinem übergroßen Schatten: Der Entwurf von Künstler Stephan Balkenhol. Quelle: André Kempner
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Leipzig

Bis zum 200. Wagner-Geburtstag 2013 hat er nun Zeit, das Denkmal anzufertigen.

Nicht ohne Kontroverse blieb der Mitte Juni von einer Jury auserwählte Entwurf Balkenhols für das Projekt Richard-Wagner-Denkmal. Als "Allerweltsfigur", die Leipzig nicht verdient hätte, äußerten sich Komponisten, Gewandhausmusiker, Schauspieler, bildende Künstler und andere Bürger in einem Protestschreiben. "Von den Aufregungen habe ich nichts mitbekommen, es hat mich nicht bei meiner künstlerischen Arbeit beeinflusst", kommentiert Balkenhol die Diskussion, als er seine Idee der Öffentlichkeit präsentiert.

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"Es ist normal und wünschenswert, wenn Kunst kontrovers diskutiert wird." Sie solle nicht per se gefallen, so der Karlsruher Kunstprofessor. "Der Sinn von Kunst ist es, Irritationen auszulösen. Ich hoffe auf die Offenheit der Leipziger." Durch den Zuschlag fühle er sich geehrt, wisse aber auch, dass die Verantwortung der Umsetzung nun auf ihm laste.

"Ein kleiner Mensch, der vor seinem großen Werk steht"

Schwierigkeiten habe er am Anfang gehabt, ein Motiv zu finden. "Die Figur Wagner hat mich dann doch inspiriert. Er polarisiert, war von seiner Kunst getrieben." Das sei der Schlüsselpunkt seiner Idee gewesen: Eine lebensgroße Figur Wagners, die im Verhältnis zum von Max Klinger geschaffenen Sockel doch klein wirkt und vor einem vier Meter hohen, übergroßen Schatten steht. "Wie gehe ich mit Wagners Pathos um? Das habe ich mich gefragt. Der Ausweg war genau das: die Selbstüberschreitung. Ein kleiner Mensch, der vor seinem großen Werk steht, das über ihn hinaus wächst", erklärt Balkenhol.

Markus Käbisch vom Verein Wagner Denkmal zeigt sich erfreut, mit der Plastik einen hier geborenen "großen Sohn der Stadt" endlich in den Vordergrund zu rücken. "Leipzig gibt sich als Musikstadt von Bach und Mendelssohn. Das Thema Wagner ist zu sehr unterbelichtet. Das Denkmal ist die beste Möglichkeit, den Komponisten hier wieder ansässig werden zu lassen." Für die negativen Kommentare zum Entwurf könne er nur Unverständnis äußern. "Es gibt so viele Diskussionen, bevor der Vorschlag überhaupt an die Öffentlichkeit kommt."

Klinger-Sockel mit Balkenhol-Plastik ist "legitimes Anliegen"

Ein Kritikpunkt war unter anderem, dass die ursprünglichen Denkmal-Entwürfe vom Leipziger Bildhauer und Grafiker Max Klinger nicht als mögliche Variante in Betracht gezogen wurden. Hans-Werner Schmidt, Leiter des Bildermuseums, winkt ab: "Diese Debatte gab es bis 1921, erst jetzt ist sie wieder aufgekommen. Klinger hat viele Entwürfe gemacht, aber alle verworfen." Klinger war 1920 verstorben, noch bevor er sein Projekt abschließen konnte.

Auch Rainer Ilg vom Freundeskreis Max Klinger verteidigt das Vorhaben, den Klinger-Sockel am Promenadenring mit der Balkenhol-Plastik zu verbinden: "Aus unserer Sicht ist das ein durchaus legitimes Anliegen." Ähnliche Ansätze habe es schon bei der Kaiser-Wilhelm-Gedächtniskirche in Berlin gegeben, bei der 1961 neben die 70 Jahre jüngere Turmruine ein zeitgenössischer Neubau gesetzt wurde. Auch beim Kölner Museum Kolumba habe die Alt-Neu-Kombination funktioniert.

Einweihung zum 200. Wagner-Geburtstag

2012 will Balkenhol die Anfertigung in Angriff nehmen, bis zur feierlichen Einweihung anlässlich des 200. Wagner-Geburtstages im Mai 2013 sei "noch reichlich Zeit". Die Komponisten-Statue werde er zunächst aus Ton modellieren, die dann in Bronze abgegossen werde. Das fertige Denkmal wird anderthalb Tonnen wiegen, 150.000 Euro kostet die Herstellung. Eine Summe, die der Denkmal-Verein allein über Spendengelder zusammenträgt.

Balkenhols Plastik war einer von drei Vorschlägen – neben ihm reduzierte der Chemnitzer Carsten Nicolai das Thema Wagner auf einen schwarzen Basalt-Kubus, der Leipziger Bildhauer Bernd Otto Steffen entwarf eine abstrahierende Skulptur aus Aluminium. Alle drei Entwürfe sind noch bis zum 31. Juli im Erdgeschoss des Bildermuseums ausgestellt.

Tobias Ossyra

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