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Lokales Klimatrend: Machen Regenwolken einen Bogen um Leipzig?
Leipzig Lokales Klimatrend: Machen Regenwolken einen Bogen um Leipzig?
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15:54 31.05.2018
Wenn es nicht regnet, muss das Grünflächenamt in Leipzig nachhelfen. (Archivfoto) Quelle: André Kempner
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Leipzig

Schwüle Hitze und die Gefahr von heftigen Gewittern bestimmen aktuell die Wettervoraussagen in Leipzig und Umgebung. Mindestens bis zum Wochenende bleibt es auch so drückend heiß, muss im Laufe des Tages immer mit Unwettern gerechnet werden, so der Deutsche Wetterdienst (DWD). Ob die Gewitter aber tatsächlich auch kommen werden, ist nicht klar vorauszusagen. „Da spielt natürlich eine Rolle, was in den Höhen passiert und das lässt sich schwer messen“, sagte DWD-Experte Jens Oehmichen gegenüber LVZ.de. Am Ende könnten die Gewitter trotz Warnung unverrichteter Dinge wieder an der Messestadt vorbeiziehen.

Wie sich Starkregen und schwere Gewitter anfühlen, war am Mittwochabend örtlich vor allem rings um die Messestadt zu erleben. Innerhalb einer Stunde liefen Unterführungen voll, wurden Straßen von Wassermassen geflutet – so zum Beispiel in Großbothen bei Grimma. Aus der Messstation der Kreisstadt an der Mulde wurden später insgesamt 34,2 Liter Regenwasser pro Quadratmeter gemeldet. Am Rand von Leipzig am DWD-Sitz in Holzhausen registrierten die Wetterexperten sogar 43,1 Liter Regenwasser pro Quadratmeter, aus Mölkau berichten uns Leser von bis zu 50 Litern, die plötzlich ins Untergeschoss eines Hauses liefen und in Reudnitz hagelte es. Für die meisten Messestädter blieben dunkle Wolken am Himmel aber dennoch wieder das einzige Anzeichen von Regen. Schulterzucken, wie so oft in den vergangenen Monaten.

DWD-Experte: Extreme nehmen zu

Angesichts der gefühlten Hitze in der Stadt – am Mittwoch waren es 28 Grad im Schatten – und der zunehmenden Trockenheit auf dem Rasen oder am Blumenbeet im Garten, könnte sich die Frage stellen: Wird es etwa immer heißer und trockener in Leipzig? Machen Regenwolken inzwischen einen Bogen um das immer staubiger werdende Klein-Paris? „Das ist schwer zu belegen, mir sind auch keine entsprechenden Studien bekannt“, sagte DWD-Meteorologe Oehmichen und schiebt hinterher: „Ich kann aber zumindest sagen, dass die Maximalrekorde in den vergangenen Jahren zugenommen haben. Heute muss ich viel häufiger schauen, ob die hohen Temperaturen schon wieder einen Rekord gebrochen haben könnten, als das früher der Fall war.“ Allerdings nehmen mit der Tendenz zu Höchsttemperaturen gefühlt auch die Starkregenphänomene zu, sagte Oehmichen – insofern könne man nicht von zunehmender Trockenheit sprechen.

Dass Leipzig eine immer wärmere und trockene Metropole ist, dagegen sprechen auch die Daten aus dem Amt für Statistik und Wahlen. Mit 542 Millimetern lag die gesamte Niederschlagshöhe im vergangenen Jahre in Leipzig sechs Prozent über dem Normalwert. Vergleicht man die Werte mit denen aus den vergangenen 18 Jahren, erkennt man ein ständiges Auf- und Ab. Anno 2012 regnete es in Leipzig beispielsweise mit 468 Millimetern deutlich weniger als 2017, dafür beispielsweise im Jahr 2010 mit 719 Millilitern deutlich mehr. Im verheerenden Hochwasserjahr 2002 waren es 670 Millimeter Jahresniederschlagshöhe.

Von tendenziell mehr Trockenheit in Leipzig kann also keine Rede sein. Sicher ist aber: Es gibt Orte in Sachsen, in denen es viel mehr regnet als in Leipzig, allen voran das Erzgebirge mit doppelt so hohen Niederschlagsmengen. Daran haben Berge ihren Anteil, auch die Seen rings um die Messestadt – die vielleicht dazu führen, dass sich Regenwolken eher vor der Stadt, als innerhalb leeren. „Ich denke, dass kann einen Einfluss haben. Allerdings gibt es dazu bisher keine verlässlichen Daten“, so DWD-Experte Oehmichen weiter.

Temperaturniveau gleichbleibend

Und wird es tatsächlich immer heißer in Leipzig? Auch das lässt sich in der Statistik aus den vergangenen Jahren nicht nachweisen: Der Jahresmittelwert zur Jahrtausendwende lag bei 10,6 Grad, im vergangenen Jahr dann bei 10,3 Grad. Zwischendrin ging es mal rauf auf durchschnittlich 11 Grad, mal runter bis auf 9,4 auf. Tage mit mehr als 30 Grad in Leipzig gab es vor 18 Jahren in Leipzig insgesamt neun – genauso viele wie im vergangenen Jahr. Beides waren diesbezüglich keine Rekordsommer. Denn 2003 zählten die Statistiker in Leipzig beispielsweise 21 Tage mit mehr als 30 Grad, 2006 waren es 18 und 2016 immerhin noch 15.

Und dieses Jahr? Legt der Sommer zumindest gut los, ist das Quecksilber schon mehrfach in Richtung 30-Grad-Marke angestiegen. April und Mai lagen klar über dem Temperaturschnitt, auch bei den Sonnenstunden war der Frühling in Leipzig erfolgreicher als im Durchschnitt. Im bisher heißesten Sommerjahr dieses Jahrtausends anno 2003 schien die Sonne in Leipzig übrigens insgesamt 2.086 Stunden. Und wie das Portal „Wetterkontor“ ausgerechnet hat, waren es in den ersten fünf Monaten in diesem Jahr bereits mehr als 860 Sonnenstunden über der Messestadt.

Von Matthias Puppe

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