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Klinikum St. Georg: Geburshelferinnen in Not - 150 KInder pro Hebamme

Klinikum St. Georg: Geburshelferinnen in Not - 150 KInder pro Hebamme

Unzufriedenheit hat sich unter Hebammen im Klinikum St. Georg angestaut. Die Situation im Kreißsaal sei prekär, nicht länger tragbar. Auch vor dem Hintergrund des kürzlichen Prozesses gegen eine Hebamme des Uni-Klinikums Leipzig, die wegen des Todes eines Babys vor dem Kadi stand.

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Blick in eine Geburtenstation

Quelle: Frank May

"Unterbesetzt, wie wir permanent sind, könnte das auch mal einer von uns passieren", meint eine der Geburtshelferinnen, die ungenannt bleiben wollen. "Wir fürchten um unseren Job, brauchen ihn aber alle."

Gewerkschaft gibt Schützenhilfe: "Ich habe bereits Anfang März auf einer Betriebsratsversammlung im Beisein von Leipzigs Oberbürgermeister auf den Missstand aufmerksam gemacht", sagt Gabriele Meyer von der Gewerkschaft Verdi. Wenn ein Kreißsaal für 1000 Geburten im Jahr ausgelegt sei und es dann 500 mehr sind, müsse man auch die personellen Voraussetzungen dafür schaffen, schimpft sie. Bis jetzt, Mitte Juni, hätten aber weder sie noch die Hebammen mit ihrer Klage im Klinikum Gehör gefunden.

 

 

Zwei bis drei Kräfte mehr nötig: Die Hebammen des Hauses weisen auf den Charakter als Perinatalzentrum hin. "Wir versorgen und behandeln Risikoschwangere, kranke Neu- und Frühgeborene. Wir weisen ständig steigende Geburtenzahlen auf und erwirtschaften Gewinne - die Umsatzrendite-Steigerung betrug zuletzt 24 Prozent. Die Geburtenzahlen im Vorjahr betrugen 1560, im Jahr 2011 halfen wir 1416 Kindern auf die Welt", rechnen die Frauen vor. "Unsere Personalstellen belaufen sich - auch wenn im März die Stelle einer weggegangenen Kollegin ersetzt wurde - nach wie vor auf 10,6 Vollzeitkräfte. Das bedeutet exakt 10,6 Hebammen für rund 1600 Geburten. Damit entbindet eine Hebamme dieser Klinik zirka 150 Kinder pro Jahr." Dies sei viel mehr, als die Empfehlungen des Deutschen Hebammenverbandes vorsehen, die für die Geburtshelferinnen in einem sogenannten Hochrisikoversorgungszentrum, wie es das Georg ist, in etwa von 120 Geburten jährlich ausgingen. "Wir bräuchten also mindestens zusätzlich zwei bis drei weitere Kolleginnen."

 

 

16-Stunden-Dienste programmiert: Zugleich verweisen die Geburtshelferinnen auf die Verpflichtung, Rufdienste zu leisten, um Krisensituationen abzufedern. "Bei einer ständigen Unterbesetzung ist so etwas nicht zu erbringen, sind 16-Stunden-Dienste programmiert und auch schon geschehen", so eine der Hebammen. "Ein Abfeiern geleisteter Aktivstunden ist nicht vorgesehen, nur deren Bezahlung."

Der Gesetzgeber sehe eine tägliche Höchstarbeitszeit von zehn Stunden vor, was seine Berechtigung habe: "Längere Arbeitszeiten beeinträchtigen Handeln und Konzentration. Eigenschaften, die bei unserer Arbeit in doppelter Hinsicht lebensnotwendig sind".

 

 

Krankenstand liegt bei über 20 Prozent: Die Hebammen fühlen sich oft am Rande jeglicher Leistungsfähigkeit. "Der Krankenstand von weit mehr als 20 Prozent spricht für sich und ist nicht auf Arbeitsunlust oder die Abdeckung der Freiberuflichkeit einer Hebamme zurückzuführen - wie uns die Klinikleitung schon vorwarf", sagen die Frauen, deren Job teils aus einem Angestelltenverhältnis, teils aus einer zusätzlichen Freiberuflichkeit besteht. In der Freiberuflichkeit werden beispielsweise Vorgeburtliche-, Wöchnerinnen- oder Rückbildungs-Kurse abgehalten, die die Krankenkassen vergüten. "Das sind Dinge, die von der Klinikleitung auch ausdrücklich gewünscht werden, um Patienten für das Haus zu gewinnen", betonen sie.

 

 

Konsequenzen für die Lehre: "Wir sind Ausbildungsbetrieb", erklären die Hebammen, "aber unter diesen Umständen sind wir bald nicht mehr ausreichend in der Lage, Hebammenschülerinnen adäquat auszubilden."

 

 

Klinik kündigt nunmehr Verbesserungen an: Auf die gestiegenen Geburtenzahlen der Vorjahre habe man mit einer Erhöhung des Stellenplans reagiert, erklärt St.-Georg-Geschäftsführerin Iris Minde. Noch im März sei eine Stelle genehmigt worden. "Wir sind außerdem bemüht, diesen Plan weiterhin zeitnah aufzustocken." Dazu sollen unter anderem Hebammen-Schülerinnen ab Herbst in eine Festanstellung überführt werden, so Minde. Um der hohen Belastung während geburtenreicher Phasen entgegenzuwirken, sei im April eine Rufbereitschaft eingeführt worden, damit für die Patientinnen eine optimale Betreuung gewährleistet werden kann. "Und um auch baulich den höheren Anforderungen gerecht zu werden und den Komfort für die werdenden Mütter zu erhöhen, ist eine Erweiterung des Kreißsaales in Planung", ergänzt die Geschäftsführerin - und lobt ihre Hebammen: Diese seien "sehr engagiert, hoch motiviert" und würden "hervorragende Arbeit" leisten.

Aus der Leipziger Volkszeitung vom 18.06.2013

Raulien, Angelika

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