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Klinikum St. Georg bekommt Lagerungsstuhl für Schwerkranke

Große Spende der Krebsliga Klinikum St. Georg bekommt Lagerungsstuhl für Schwerkranke

Die Palliativstation in der St. Georg-Klinik bekommt einen besonderen Stuhl, mit dem sich Schwerstpflegebedürftige in andere Positionen lagern lassen. Möglich hat das die Krebsliga gemacht, die zum Kauf viel Geld dazu gab.

Kann mit dem neuen Stuhl schwerkranke Patienten besser aus dem Bett für eine kleine Runde holen: Palliativ-Schwester Katrin Pirnack.

Quelle: St. Georg

Leipzig. Norbert findet sich nicht in jedem Krankenhaus. "Unsere Akutgeriatrie im Klinikum St. Georg hat ihn aber schon. Und auf der Palliativstation sehnte man sich ihn auch herbei", erzählt Katrin Mimus. Mit einem Augenzwinkern. Denn "Norbert" ist keineswegs ein besonderes männliches Pfleger-Exemplar. "Norbert ist der Hersteller-Name für einen Lagerungsstuhl, der für Pflegepatienten und Pflegepersonal sehr hilfreich sein kann", so die Teamleiterin des Leipziger St. Georg-Sozialdienstes, die zugleich im Vorstand des vor Ort ansässigen Krebsliga-Vereins ist. "Der Spezialstuhl ermöglicht es, vor allem Schwerstpflegebedürftige ab und an etwas anders zu positionieren, beziehungsweise, da die Betreffenden oft nicht mal mehr im Rollstuhl sitzen können, sie leichter aus dem Bett zu bringen und ein wenig anders zu mobilisieren."

 Norbert habe nur einen Haken: Keine Krankenkasse bezahlt ihn, das St. Georg selbst hat für so etwas keine freien Gelder. "Er kostet immerhin fast 5100 Euro", merkt Krebsliga-Mitstreiterin Katrin Hecht an. Das Mitarbeiterteam der Palliativstation hat nun schon länger auf den Stuhl hingespart, was der eigene Etat-Topf hergab. Letzter Stand: 1500 Euro. Den Rest - etwa 3600 Euro - aufzubringen, nahm nun die Krebsliga, der Förderverein für die interdisziplinäre onkologische Betreuung am Klinikum, auf ihre Kappe. Ganz am Ziel ist sie zwar noch lange nicht. Aber: Für den Ankauf reichte das Geld jetzt allemal, seit ein paar Tagen hat die Palliativstation ihren Norbert. "Und das nur, weil uns Frau Missale mit einer unerwarteten Zuwendung völlig überraschte!", erklären Mimus und Hecht.

 Rita Missale hatte im St. Georg den Weg zur Krebsliga in der ersten Etage im Haus 46 von selbst gesucht. Nicht von ungefähr. "Im November 2013 erhielt ich die Diagnose Krebs. Bauchspeicheldrüsenkrebs", holt sie ein wenig aus. "Die ersten Behandlungen habe ich gut überstanden, saß dann aber erst mal zu Hause. Tatenlos - was ich nicht wollte", so die Delitzscherin, die vor ihrer Erkrankung in Leipzigs Stadtkämmerei arbeitete. Der Krebs hatte es wohl schwer bei ihr - sie ließ sich von ihm nicht unterbuttern. Missale brachte sich ein. Zuerst in Delitzsch, bei der Außenstelle vom Leipziger "Haus Leben", wo Betroffene wie sie in Selbsthilfeaktionen ein Leben mit, gegen und auch wiederum jenseits von jeglichem Tumor für sich gestalten. "Als ich jedoch im Vorjahr einen Rückschlag erlitt, musste ich erneut ins Georg. Sechs Wochen Strahlentherapie", berichtet sie. "Allerdings stand mein 55. Geburtstag an. Geburtstage habe ich nie groß gefeiert. Doch diesmal sollte es unbedingt sein, und bis dahin wollte ich raus aus dem Krankenhaus!". Irgendwo gabelte sie auf den St. Georg-Fluren so einen Flyer der Krebsliga auf, alsbald stand sie vor Hechts Tür. Und erfuhr von Norbert. Das Ende sah dann so aus: Missale richtete ein Geburtstags-Frühstück im Leipziger Telegraph für die Kollegen aus Stadtkämmerei und Finanzdezernat aus. Lud auch ehemalige Mitstreiter aus dem Leipziger Ordnungsamt ein, wo sie auch mal tätig war. Und statt Geschenken erbat sie eine Spende für Norbert. Satte 333 Euro kamen zusammen. Bei der Feier mit Familie und Freunden gesellten sich weitere Euros dazu. "Nie hätte ich gedacht, dass am Ende insgesamt 600 Euro zusammenkommen!", kommentiert sie das Ergebnis dieses Tages, das letztlich Norberts Erwerb ins Rollen brachte. Mimus sagt: "Er macht jetzt bei uns hier so vielen Patienten den Klinikaufenthalt etwas erträglicher. Gerade für onkologische Patienten. Die ja auch relativ lange bei uns sind. Im Vorjahr waren es allein 5603, die bei uns im Georg behandelt wurden."

 Missale ist demzufolge stolz auf ihren Unterstützerkreis. "Vielleicht animiert es ja künftig andere auch, bei ihren Festivitäten mal an so etwas zu denken. Zumal, wenn man in unserem Alter Zuhause im Prinzip ja alles schon hat und jeden eigentlich so eine Krankheit auch mal treffen könnte!", meint sie.

 "Die Spendenbereitschaft geht allgemein zurück", konstatiert Hecht. "Da freut man sich unglaublich, wenn sich jemand wie Frau Missale von selbst so einbringt." Wobei sie gleich noch einen zweiten, solchen "Fall" ins Feld führt. Eine Familie aus Wolteritz, deren Tochter in jungen Jahren an Krebs starb, wo die tückische Krankheit nun auch die Mutter ereilt habe. "Jedes Jahr sammelt die Familie für uns in der Weihnachtszeit Spenden in ihrem kleinen Ort - im letzten Jahr sage und schreibe 1276,30 Euro!", zollt Hecht den Wolteritzern Respekt. Ohne solche Hilfen wäre so manche Unterstützung für Schwerkranke im Georg undenkbar. "Nur so können wir zum Beispiel auch seit Jahren die Stelle einer Kunsttherapeutin fördern, die das Klinikbudget sonst nicht hergibt, deren Arbeit sich aber wirklich sehr positiv auf das Befinden der Patienten auswirkt."

 Kontakt zum Krebsliga e.V.: Telefon 0341 9092325 (Montag und Dienstag 8 bis 12 Uhr); www.krebsliga.de. Spendenkonto: Bank für Sozialwirtschaft, IBAN - DE80 8602 0500 0003 4700 00, BIC - BFSWDE33LPZ, BLZ: 86020500, Konto: 3470000.

Aus der Leipziger Volkszeitung vom 11.08.2015
Angelika Raulien

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