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Kloster, Kneipe, Kirche - und Klaus Knapp kehrt heim nach Leipzig

Kloster, Kneipe, Kirche - und Klaus Knapp kehrt heim nach Leipzig

Klaus Knapps Geschichte über seine ganz persönliche Beziehung zur neuen Propsteikirche in der Nonnenmühlgasse ist eine Geschichte mit Tränen. "An der Stelle, wo sich der Durchgang vom Martin-Luther-Ring zum Innenhof des Gemeindezentrums befindet, stand das Haus, in dem ich geboren wurde", erzählt der Lützschenaer bewegt.

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Die katholische Propsteikirche St. Trinitatis in Leipzig.

Quelle: Dirk Knofe

Leipzig. "Es ist im Zweiten Weltkrieg zerstört worden. Beim verheerenden Angriff am 4. Dezember 1943 hockte ich mit meiner Mutter im zweiten Kellergeschoss. Das hat uns wohl das Leben gerettet."

Als die Archäologen vor dem Bau der modernen Trinitatiskirche das Areal umgruben, entdeckten sie noch Habseligkeiten aus jener Zeit, in der Klein-Klaus den Rathausring 1 - so lautete die damalige Anschrift - unsicher machte. Überhaupt war immer ziemlich viel Leben in der Bude, denn die Adresse zog Menschen an. Der Großvater Wilhelm Knapp führte dort die Kneipe "Kleiner Rathskeller", unterstützt von Tochter Ilse, Klaus Knapps Mutter. Der Sohn besitzt noch eine Postkarte aus dem Jahr 1908, die das Lokal mit Biergarten im Karree dahinter als idyllisches Kleinod ausweist. "Doch an jenem 4. Dezember ist alles in Schutt und Asche gelegt worden", schildert Klaus Knapp mit belegter Stimme. Der Mann war damals vier Jahre alt. Das Inferno, bei dem ein Spielkamerad ums Leben kam, hat sich tief in sein Gedächtnis eingebrannt, lässt ihn bis heute nicht los. Auch wenn es das Leben danach recht gut mit dem späteren Wirtschafts- und Küchenchef des Elisabeth-Krankenhauses gemeint hat. "Knappi", wie die Freunde ihn nennen, lernte Koch im einstigen Sachsen-Haus, fuhr dann zur See, entdeckte Westafrika, Indien, Kuba und Mexiko.

Geankert hat er Ende der Sechzigerjahre im Hafen der Ehe. Weil seine Angebetete, die Heidrun, römisch-katholisch war, ließ sich Klaus Knapp in Gohlis taufen. Fünf Kinder haben er und seine Frau groß gezogen. Mit dem Anfang des Jahres zu den deutschsprachigen Katholiken nach Hongkong gewechselten Lothar Vierhock verbindet beide ein vertrauensvolles Verhältnis. Der frühere Propst war es auch, der Klaus Knapp auf die Liste derer setzte, die der Weihe der neuen Propsteikirche am 9. Mai ab 11 Uhr im Inneren des neuen Gotteshauses beiwohnen werden. Das Gros der 4700-Seelen-Gemeinde wird entweder auf die Videowand neben dem Gebäude-Ensemble der Architekten Ansgar und Benedikt Schulz blicken oder die Live-Übertragung des MDR auf der heimischen Couch verfolgen.

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Klaus Knapp (75) vor dem neuen Gemeindezentrum am Rande der Innenstadt.

Quelle: André Kempner

"Ich bin sehr gespannt auf unsere neue Kirche", sagt Klaus Knapp, "von außen kommt sie noch ein wenig gewöhnungsbedürftig daher." Der Flecken Erde, auf dem sie sich erhebt, sei auf alle Fälle kein schlechter. "Wo einmal der ,Kleine Rathskeller' stand, kann nur Gutes gedeihen", sagt er verschmitzt. Was nur wenige wissen und was Klaus Knapp erst kürzlich von Ex-Propst Lothar Vierhock erfuhr: Der Kirchengrund ist wirklich etwas Besonderes. Er hat einmal den Nonnen, die im ersten Drittel des 13. Jahrhunderts nach Leipzig kamen und südwestlich der Altstadt ein dem Heiligen Georg geweihtes Kloster errichteten, als Weinberg gedient. Im Jahr 1248 wurde für die frommen Frauen im Bereich der heutigen Harkortstraße/Karl-Tauchnitz-Straße eine Mühle errichtet, die das Kloster lange überlebte und 1890 abgerissen wurde. Ihr verdankt die Gasse mit St. Trinitatis ihren Namen: Nonnenmühlgasse.

Kloster(-Weinberg), Kneipe, Kirche - "ja, so spielt das Leben", waren sich Klaus Knapp und Lothar Vierhock zuletzt unverzüglich einig. "Wer nicht richtig feiern kann, ist kein guter Christ." Findet Klaus Knapp im Übrigen immer noch.

Aus der Leipziger Volkszeitung vom 04.05.2015

Welters, Dominic

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